Braucht Oldesloe ein Stadtmarketing?

Lübecker Nachrichten   09.09.2020

Die Wirtschaftsvereinigung macht mit Verweis auf Corona einen neuen Vorstoß – Ganz kritisch sieht sie, dass zwei halbe Stellen in der Stadtverwaltung derzeit nicht besetzt sind

Von Markus Carstens

Droht Bad Oldesloe die „große Leere“? Die Wirtschaftsvereinigung mahnt ein professionelles Stadtmarketing für die Kreisstadt an.Foto: S. Fofana

Bad Oldesloe. Anlässlich der Diskussionen im Bad Oldesloer Finanzausschuss zur Genehmigung von zwei Personalstellen „Ladenflächenmanagement“ und „Wirtschaftsförderung“ fordert die Wirtschaftsvereinigung erneut die Schaffung eines professionellen Stadtmarketings. „Wir können nicht weitermachen wie bisher. Die Innenstädte haben es mit einem dreifachen Tsunami zu tun: dem Strukturwandel im Einzelhandel, der Digitalisierung und der Corona-Pandemie. Wenn Bad Oldesloe in Zukunft attraktiv sein möchte, dann muss die Kreisstadt mehr Vielfalt und Qualität bieten. Sowohl im Handel und in der Gastronomie als auch im kulturellen und touristischen Bereich“, sagt die Vorsitzende Nicole Brandstetter.

„Ein professionelles Stadtmarketing ist eine Grundvoraussetzung, um Bad Oldesloe in der Konkurrenz zu den Nachbarkommunen attraktiver für Investoren, Neubürger und Tagestouristen zu gestalten und damit zukunftsfähig zu machen“, so Brandstetter weiter. „Auch die klare Kommunikation von Wettbewerbsvorteilen wird künftig mitentscheiden, wie gut Bad Oldesloe die Folgen der Corona-Pandemie verkraftet.“

Bereits 2016 hatten zahlreiche Unternehmer rund um Nicole Brandstetter und Vorstandsvize Holger Mahlke in einem „Letter of Intent“ die Etablierung eines strategischen und nachhaltigen Stadtmarketings gefordert. 2018 wiederholte die Wirtschaftsvereinigung ihre Forderung gegenüber Verwaltung und Politik in einer öffentlichen Podiumsdiskussion.

„Weder Politik noch Verwaltung haben auf unsere Forderung reagiert. Aber das lässt sich nicht aussitzen. Corona hat die Strukturprobleme der Innenstädte verschärft, auch in Bad Oldesloe. Wenn wir jetzt nicht gegensteuern und endlich planen, wo die Kreisstadt in fünf oder zehn Jahren stehen möchte, wird sich in Bad Oldesloe eine entsetzliche Leere ausbreiten. Dafür ist es wichtig, dass alle Beteiligten miteinander reden. Insbesondere ein gutes Stadtmarketing erweist sich als hilfreiches Instrument, alle Akteure im Sinne einer Verantwortungsgemeinschaft an einen Tisch zu bringen“, betont Holger Mahlke.

Bürgermeister Jörg Lembke (parteilos) sieht derzeit jedoch keinen Handlungsbedarf in diese Richtung. „Wir haben doch bereits ein professionelles Stadtmarketing in Person von Frau Heesch“, meint Lembke. Er räumt jedoch auch ein, dass er lieber heute als morgen die beiden halben Stellen für die Wirtschaftsförderung und das Ladenflächenmanagement besetzen würde. Denn Agnes Heesch könne sich nicht allein um Öffentlichkeitsarbeit, Marketing, Tourismus, Veranstaltungen und Wirtschaftsförderung kümmern. „Wobei die Veranstaltungen sehr gut im Bereich der Kulturabteilung angesiedelt sind“, ergänzt Agnes Heesch selbst.

Der Oldesloer Finanzausschuss hat eine Entscheidung darüber zunächst vertagt und will darüber im Rahmen der Beratungen für den Haushalt 2021 befinden. Die Personalkosten sind in den vergangenen Jahren immer weiter ausgeufert und machen bereits ein Viertel des gesamten städtischen Etats aus. „Das ist eine bedenkliche Größe“, gibt Bürgermeister Lembke zu.

Die Stellen nicht sofort auszuschreiben und zu besetzen, stößt bei der Wirtschaftsvereinigung auf großes Unverständnis. „Dieses Verhalten konterkariert vorausschauendes, wirtschaftliches Denken für unsere Kreisstadt. Natürlich müssen wir uns überlegen, ob sich Bad Oldesloe im Zuge der Coronakrise noch alle geplanten Projekte und Personalstellen leisten kann, aber wir dürfen uns jetzt auf keinen Fall kaputtsparen“, erklärt Brandstetter gegenüber den LN. „Es ist nicht zielführend, mit dem Damoklesschwert durch Bad Oldesloe zu laufen und dabei nicht nur Neuschaffung von Stellen, sondern sogar Nachbesetzungen bisher vorhandener Stellen wie dem Ladenflächenmanagement zu verschieben.“

Auch Jörg Lembke lobt ausdrücklich die Arbeit der inzwischen pensionierten Ladenflächenmanagerin Inke Koch. „Wir haben praktisch keine Leerstände in der Innenstadt“, sagt Lembke. „Das ist ein Ergebnis akribischer Arbeit.“ Deshalb benötige die Stadt auch wieder jemanden, der den Kontakt zu den Einzelhändlern und den Immobilienbesitzern hält. Er verweist zudem auf das Oldesloer Wirtschaftsforum und die Schaffung des Wirtschaftsbeirates. Dieser trifft sich einmal im Monat, beschäftigt sich sehr ausführlich mit der Entwicklung der Stadt und will einige Dinge anstoßen. Davon überzeugten sich vor kurzem auf einer Beiratssitzung auch die beiden CDU-Politiker Jens Wieck und Andreas Lehmann.

Neben der Kulturabteilung und dem KuB-Management, das sich erfolgreich um das Kulturmarketing kümmert, gibt es in der Stadtverwaltung seit Eröffnung des Kultur- und Bildungszentrums 2016 eine Stadt-Info mit mittlerweile drei Halbtagskräften. Sie ist Anlaufpunkt für Einheimische, Urlauber und Tagestouristen. Bad Oldesloe zählt jährlich mehr als 70 000 Übernachtungen.

Außerdem engagiert sich in Bad Oldesloe noch der Marketing-Verein „Wir für Bad Oldesloe“ mit unterschiedlichen Aktionen. Auch den kleinen Weihnachtsmarkt am Mühlrad und den Fotomarathon organisieren die Ehrenamtler um Günter Knubbe.

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