Wegen Corona: Ferienwohnungen in Stormarn bei Touristen sehr beliebt

Lübecker Nachrichten   10.09.2020

Nicht nur Nord- und Ostsee waren in diesem Sommer bei Urlaubern gefragt, auch Stormarn war coronabedingt gut gebucht – Tourismusvertreter kennen die besonders beliebten Ziele

Von Britta Matzen

Seit dem 18. Mai vermieten Elke und Hans Jochim Stolten aus Seefeld ihre Ferienwohnung wieder und bekommen viele Anfragen von Urlaubern.

Bad Oldesloe. Auf nach Schleswig-Holstein! Im Corona-Sommer 2020 war das Land zwischen den Meeren bei den Urlaubern sehr gefragt. Doch nicht nur die Küsten konnten bei den Übernachtungen große Zuwächse verzeichnen, auch Stormarn hat an Bedeutung gewonnen. Vor allem Ferienwohnungen und Wohnmobilstellplätze waren in diesem Sommer beliebt. „Ja, das Binnenland hat profitiert und ganz klar Zuwächse verzeichnet“, sagt Manuela Schütze, Pressesprecherin der Tourismus-Agentur des Landes. „Alle wollten nach Schleswig-Holstein, vor allem gern an den Strand. Aber es gilt nun mal das Gebot, Abstand zu halten. Und da gibt es so was wie einen Überschwappeffekt auf das Landesinnere.“

„Buchen, ankommen, wohlfühlen“ – so lautet das Motto bei Familie Linke aus Bad Oldesloe. Gleich drei Ferienwohnungen bieten die Linkes in der Beste-Trave-Stadt an: zwei Ferienwohnungen à 50 Quadratmeter für jeweils ein bis vier Personen in einem Neubau Am Bürgerpark sowie eine große Ferienwohnung für bis zu sechs Personen in einer Stadtvilla an der Schützenstraße. „In Coronazeiten durften wir nur Monteure beherbergen. Aber seit dem 18. Mai sind Feriengäste auch wieder erlaubt. Die riefen dann auch direkt an, ob wir sie aufnehmen. In diesem Jahr sind wirklich viele Touristen gekommen, wir waren bis auf ein paar Tage ausgebucht“, berichtet Anja Linke. Weil die Menschen nicht wegfliegen konnten, hätten sie sich für Bad Oldesloe entschieden, um von dort aus die Umgebung zu erkunden. Viele der Gäste seien aus Nordrhein-Westfalen, aus der Berliner Gegend, Bayern und aus Dänemark angereist. Auf die Oldesloer Ferienwohnungen sind die Touristen im Internet gestoßen – über die Website oder verschiedene Portale.

Wer macht denn in Bad Oldesloe Urlaub? Man ist doch an einem Tag mit allem durch! Sprüche wie diese hört Bärbel Linke immer wieder. „Wenn man selbst irgendwo anders ist, fährt man doch auch sehr viel herum“, entgegnet sie. Ihre Sommergäste seien ständig unterwegs gewesen – mit Auto und per Bahn.

Vor zwei Jahren ist Familie Linke ins Ferienwohnungsgeschäft eingestiegen. „Wir machen das nebenbei. Das bringt sehr viel Spaß. Die meisten Gäste kommen aus Deutschland, aber wir hatten auch schon welche aus Brasilien, Israel, Amerika, Spanien, Schweden und Dänemark. Es ist immer sehr spannend, andere Leute kennenzulernen.“ Wie sehen die Prognosen für die kommenden Monate aus? „Wir sind noch nicht komplett ausgebucht, haben aber schon sehr viele Reservierungen.“ Im Vergleich zum Vorjahr kann Bärbel Linke einen großen Zuwachs an Feriengästen verbuchen. „In 2019 waren es viel mehr Monteure, die gekommen sind. Das fällt dieses Jahr schon extrem auf, dass die nicht so nachfragen.“

Sehr begehrt ist auch die Ferienwohnung des Ehepaars Hans Jochim und Elke Stolten im Ortsteil Seefeld. „Im Corona-Shutdown wollten Monteure zu uns kommen. Aber wir haben denen freundlich gesagt, dass wir im Moment nichts anbieten, weil wir zur Risikogruppe gehören“, berichtet Elke Stolten. Zum Stichtag am 18. Mai, als Urlaub im Norden wieder erlaubt war, klingelte auch bei den Stoltens das Telefon Sturm und jede Menge Mails von Feriengästen trudelten ein. „Jetzt probieren wir’s, haben wir uns gesagt und zwei Paare genommen, denen wir Ostern absagen mussten.“ Doch das Desinfizieren der Ferienwohnung sei schon aufwendig. „Wir haben deshalb entschieden, zwischen den Gästepartien vier Tage Pause einzulegen. Einfach um sicherzugehen, dass das Virus sich nicht irgendwo eingenistet hat. Für uns ist das mit der Ferienwohnung ja Hobby und kein Broterwerb“, sagt das Paar.

Rabea Stahl, Tourismusmanagerin für den Kreis Stormarn, bestätigt: „Ferienwohnungen in Stormarn haben in diesem Sommer bei der Wahl der Urlaubsunterkunft eine enorme Nachfrage verzeichnet. Vor allem bei Familien haben sie eine große Rolle gespielt.“ Anders sah es bei Beherbergungsstätten mit mehr als zehn Betten aus. Dazu zählen Hotellerie, sonstiges Beherbergungsgewerbe sowie Reha- und Vorsorgekliniken. Hier weisen vorläufige Ergebnisse aus dem Juni einen dramatischen Einbruch der Übernachtungszahlen in Stormarn aus. Im Juni 2020 wurden in Stormarn 18 822 Übernachtungen gezählt. Das ist ein Minus von 59,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, hat das Statistische Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein errechnet.

„Viele Hotels in Stormarn sind auf Familienfeiern ausgerichtet, die haben ganz große Probleme“, weiß Rabea Stahl vom Tourismusmanagement des Kreises. Schloss Tremsbüttel habe zum Beispiel den Betrieb komplett eingestellt, weil wegen der Corona-Restriktionen keine Veranstaltungen mehr stattfinden konnten. „Das war eine super Location für Hochzeiten. Aber das ist alles weggebrochen. In dem Bereich ist die Lage dramatisch“, sagt Stahl.

Dieser Trend bestätigt sich in Bad Oldesloe. „Bei den Hotels ist es in der Auslastung etwas schlechter geworden. Der Geschäftstourismus ist ziemlich eingebrochen, weil die Leute von den Firmen nicht rausgeschickt wurden“, lautet die Auskunft der Stadtinfo. Noch stärkeren Rückgang verzeichnen die Hotels der Beste-Trave-Stadt beim Reisetourismus, weil die Skandinavier fehlten. Stark nachgefragt waren vor allem Ferienwohnungen im Zentrum der Kreisstadt. Wer als Vermieter auf Monteure spezialisiert ist, hatte es schwer. Teilweise gab es Umsatzeinbrüche von bis zu 50 Prozent. Aus der Jugendherberge in Bad Oldesloe gibt es keine Vergleichszahlen. Sie hat immer noch geschlossen.

Wer seinen Urlaub im Wohnmobil verbringt, nimmt sein „Haus“ quasi mit. Beste Voraussetzungen für Coronazeiten. Entsprechend begehrt sind die Stellplätze in Stormarn. Der Stellplatz in Bad Oldesloe am Exer war seit dem 18. Mai gut gebucht, auch den Reinfelder Stellplatz am Karpfenplatz lieben die Urlauber. Tolle Lage am Herrenteich, viel Natur – auch für das frisch verheiratete Ehepaar Frauke und Johannes Kühling aus dem Oldenburger Münsterland klang das reizvoll. Also bogen die beiden, die ihre Flitterwochen im Wohnmobil verbringen, von der A 1 Abfahrt Reinfeld ab.

„Diesen Sommer ist ja alles ein bisschen anders. Deshalb haben wir uns gedacht, dass wir diese Art Urlaub erstmals ausprobieren“, berichten die Jungvermählten. Wilhelmshaven, Nordenham, Hamburg – das waren bisher ihre Stationen. Auf dem Weg nach Greifswald haben sie in der Karpfenstadt Halt gemacht. „Wir sind abgefahren, um Mittag zu essen und einen schönen Spaziergang zu machen. Aber jetzt bleiben wir vielleicht sogar über Nacht.“

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