Betrachtungen zum Wochenausklang: Probleme mit den Örtlichkeiten

Stormarner Tageblatt  12.09.2020

Stormarner Wochenschau

Probleme mit den Örtlichkeiten

Megi Balzer
Megi Balzer

Susanne Link, Patrick Niemeier und Cordula Poggensee

Luxus-lokus „Wir benötigen mehr Geld“, schallt es regelmäßig aus dem Ahrensburger Schloss, dem Wahrzeichen der Stadt. Doch die spült ihr Geld lieber die Toilette runter. 150.000 Euro hat die Anschaffung des neuen, öffentlichen und barrierefreien „Örtchens“ gekostet. Wenn die Nutzerzahlen und der Preis von 50 Cent konstant bleiben, spült das pro Jahr rund 17.000 Euro aus der Stadtkasse. Natürlich ist Inklusion keine Frage der Ökonomie, aber angesichts der 19 öffentlich nutzbaren, behindertengerechten Toiletten bleibt doch ein bitterer Beigeschmack. Die sind nämlich bummelig von 8 bis 18 Uhr zugänglich – also nur acht Stunden weniger als die neue öffentliche Toilette. Ahrensburg hat seinen Luxus-Lokus also wieder – herrlich, diese Wahrzeichen.

Verständnis „Wir sind ja auch für die Corona-Schutzmaßnahmen, aber…“ hört man in Diskussionen. Zumeist kommt dann die Ergänzung, dass die eigenen Bedürfnisse trotzdem nicht eingeschränkt werden sollten. Rund um die Oldesloer Stormarnhalle köchelt daher ein Streit. Der Bürgermeister hat die Mehrzweckhalle für den Sport gesperrt, die Sportler sehen sich gegängelt, die Lokalpolitik ist unter Druck, weil Sportler potenzielle Wähler sind. Hängen bleibt der erwähnte Eindruck, dass möglichst alles bei einem selbst so sein soll, wie es vor Corona war. Die Pandemie ist aber halt nicht vorbei und nur Kompromisse und Einschränkungen erlauben Ansätze der „Normalität“ – auch im Sport. Da sollte Egoismus zum Wohle der Gemeinschaft dringend zurückstehen.

Dolchstoß Im Ahrensburger Tunneltal treffen sie aufeinander: Vergangenheit und Zukunft. Erstere liegt in Form von ungezählten, archäologischen Exponaten aus der Eiszeit versteckt im Boden – letztere findet sich auf den Blaupausen zur Schnellbahntrasse der S4 bei der Deutschen Bahn. Die hatte zu Beginn der S4-Planungen 2015 am Bahnübergang Brauner Hirsch sogar Probebohrrungen für ein archäologisches Fachgutachten in Auftrag gegeben. Doch auch die enorme Menge neuer Fundstücke sowie die Hochrechnung, dass unglaubliche 260.000 weitere Einzelfunde in dem Tunneltal zu erwarten wären, überzeugten offenbar nicht: Die Bahn plant weiter den viergleisigen Ausbau der Trasse nebst großer Brücke – genau dort, wo auf der Projekt-Grafik der Bahn „Fundplätze: außerordentlich hohe Betroffenheit“ steht. Was bildlich eine Koexistenz zwischen Vergangenheit und Planung vorgaukeln soll, ist in Wirklichkeit ein K.o.-Sieg über die Geschichte. Denn während die Gleise durchaus auch woanders verlegt werden könnten, ist der Gleisausbau im Tunneltal ein Dolchstoß für die „Eiszeit“, denn die historischen Ursprünge der Menschheit können nicht einfach so verlegt werden.

Verschlossen Die Anfrage an die Polizeidirektion Bad Oldesloe, ob man denn mal einen Blick in die Asservatenkammer werfen könne (Seite 11 ), hat die Beamten mächtig aufgeschreckt. Es wurde sich „intensiv beraten“, Vorschläge wurden unterbreitet und sowieso alles über die Pressestelle in Ratzeburg abgewickelt. Bei der hiesigen Kriminalpolizeistelle wollte man nicht so gerne reden. Nur warum? Die Husumer Kripo-Kollegen sind nämlich ein bisschen lockerer und erzählten im vergangenen Jahr bereitwillig von beschlagnahmten Gegenständen wie Schneeschieber, Panzerfaust und Hackenporsche, die allesamt ihren Weg in die nordfriesische Asservatenkammer fanden. Tolle Geschichten, die dort aus der Rumpelkammer kamen. Also entweder sind die hiesigen Fälle unspektulärer – angesichts des Kinderschokoladen-Funds kaum vorstellbar – oder man ist hier nicht so sehr an Unterhaltungen mit der Presse interessiert – die Frage wäre dann nur wieder: Warum?

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