Hospiz: Debatte um städtischen Zuschuss

Lübecker Nachrichten   11.09.2020

Um das jährliche Defizit aufzufangen, ist die Oldesloer Einrichtung auf finanzielle Hilfe angewiesen – Nur die CDU sah dies im Ausschuss anders

Von Markus Carstens

Sabine Tiedtke vor ihrem Lebenswerk, dem Hospiz in Bad Oldesloe. Foto: Markus Carstens

Bad Oldesloe. Überraschende Debatte im Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss der Stadt Bad Oldesloe um einen städtischen Zuschuss: Das neue stationäre Hospiz, das im Mai seinen Betrieb aufgenommen hat, hatte 20 000 Euro beantragt, um das zu erwartende sechsstellige Defizit abzumildern. Die CDU lehnte das jedoch mit Verweis auf die angespannte Haushaltslage ab. Das wiederum sorgte bei den anderen Fraktionen für Kopfschütteln, so dass die Hospiz Lebensweg gGmbH den Betrag doch einplanen kann.

Gründerin und Geschäftsführerin Sabine Tiedtke berichtete vom mühevollen, aber zugleich erfolgreichen Start des Hospizes. „Viele Jahre haben wir darauf hingearbeitet, viele Menschen haben uns unterstützt. Und trotz Corona haben wir es geschafft und im Mai eröffnet“, sagte Tiedtke. Bad Oldesloe und der Kreis Stormarn hätten etwas ganz Besonderes geschaffen. „Das ist toll, dafür vielen Dank!“

Der Versorgungsvertrag sehe vor, dass die Krankenkassen 95 Prozent der Betriebskosten übernehmen. Fünf Prozent muss der Träger laut Sabine Tiedtke selbst erwirtschaften – über Spenden oder Zuschüsse. Umgerechnet seien dies etwa 120 000 bis 160 000 Euro. Durch Corona erwartet das Hospiz jedoch für dieses Jahr ein deutlich höheres Defizit im Bereich von 200 000 Euro. „Wir mussten zum Beispiel Unmengen an Schutzkitteln kaufen, zum Teil zu sehr hohen Preisen“, sagt Tiedtke.

„Ich führe jetzt ein Wirtschaftsunternehmen“, sagt die ehemalige Bankkauffrau manchmal und kann dann selbst gar nicht glauben, was sie da erschaffen hat. 32 hauptamtliche Mitarbeiter hat das Hospiz mittlerweile, dazu etwa 50 Ehrenamtler. In den zwölf liebevoll eingerichteten Zimmern auf zwei Ebenen sind seit Mai bereits 50 – meist krebskranke – Personen in den Tod begleitet worden. „Der Bedarf ist riesig“, sagt Tiedtke.

„Wir sehen das Projekt ausgesprochen positiv, angesichts der Haushaltslage sehen wir jedoch keine Chance, städtische Mittel dafür bereitzustellen“, sagte Jörn Lucas für die CDU. Für seine Fraktion sei vielmehr der Kreis in der Pflicht, das Hospiz finanziell zu unterstützen.

Die anderen Parteien reagierten darauf mit großem Unverständnis. „Es steht uns nicht zu, in so einer Frage monetäre Bedenken zu äußern. Deswegen tragen wir den Antrag des Hospizes voll mit“, sagte Hendrik Holtz (Linke). „Bis vor ein paar Minuten konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass man diesen Antrag nicht unterstützen kann“, ergänzte Carsten Stock (SPD). Auf den Kreis zu hoffen, sei etwas „dünne“. „Wir haben Verantwortung.“

Tom Winter (Stadtfraktion) dankte Sabine Tiedtke für die langjährige Aufbauarbeit, sprach von einer großen Bedeutung des Hospizes für Bad Oldesloe und den Kreis Stormarn und angesichts der 20 000 Euro von einer überschaubaren Summe. Anita Klahn (FDP) zeigte sich „erstaunt“ über die CDU und sprach von einem Pflichtbeitrag, den die Kommune leisten müsse. „Allein schon aus Respekt vor den Mitarbeitern.“

Gegen die Stimmen der CDU wurde der Antrag schließlich angenommen und das Geld bewilligt. „Das ist großartig. Ich bin stolz, dass Sie so abgestimmt haben“, sagte Sabine Tiedtke sichtlich bewegt in Richtung der Ausschussmitglieder. Außerdem müsse sie eine Lanze für den Kreis brechen, der sich ebenfalls mit einer jährlichen Summe beteiligt. Die 200 000 Euro können so auf mehrere Schultern verteilt werden. Der Förderverein habe jetzt 350 Mitglieder, und es gingen weiterhin viele Spenden ein. „Trotzdem bleibt noch eine große Lücke“, sagte Tiedtke.

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