Windkraft contra Wohngebiet

Lübecker Nachrichten   17.09.2020

Debatte um Baugebiet bei Wolkenwehe – Politik befürchtet Klagen wegen Windkraftanlage

Von Dorothea von Dahlen

Das Windrad der Stadtwerke Bad Oldesloe von der Grabauer Straße aus betrachtet. Foto: von Dahlen

Bad Oldesloe. Neuer Wohnraum ist in der Kreisstadt heiß begehrt. Bis zum Jahr 2030 müssten 890 Wohneinheiten entstehen, um den laut Bevölkerungsprognose ermittelten Bedarf zu decken. Hohe Priorität genießt aber auch die klimafreundliche Energiegewinnung. Die Oldesloer Grünen befürchten nun, dass sich beides beim neuen Bebauungsplan 121 ins Gehege kommen könnte. Denn südwestlich des Wohngebiets in spe befindet sich die 150 Meter hohe Windenergie-Anlage, von der noch nicht bekannt ist, ob sie unangenehmen Schall emittiert.

Der B-Plan, der nun auf der jüngsten Sitzung des Wirtschafts- und Planungsausschusses vorgestellt wurde, bezieht sich auf eine Fläche in der sehr gefragten Wohngegend südlich der Wolkenweher Dorfstraße. Schon 2005 galt sie als stille Reserve für den Fall, dass sich dort eines Tages neue Häuslebauer niederlassen wollen. Da sich schon 2017 abzeichnete, dass Bad Oldesloe weiter wachsen würde, reagierte die Stadt prompt und machte von ihrem Vorkaufsrecht für das Gebiet Gebrauch. Um dem Andrang von bauwilligen Familien gerecht zu werden, soll nun die Planung vorangetrieben werden. So soll Baurecht für Ein- und Zweifamilienhäuser geschaffen werden.

Wie Marlene Grünert, Sachbearbeiterin im Oldesloer Bauamt erläuterte, gebe es bereits eine gutachterliche Stellungnahme, nach der Schall und Schattenwurf nur wenig Einfluss auf das neue Gebiet haben werde. Demnach betrage der Messwert 40 dB(A), welcher nur in einem Teilbereich des Gebiets bei Nacht geringfügig überschritten werde. Dies lasse sich aber im Rahmen der Planung ausgleichen, sagte Grünert und nannte entweder den Bau einer Schallschutzwand oder den Einbau Lärm dämmender Fenster.

„Ich habe so meine Bauchschmerzen bei der Überschreitung des Lärmpegels durch die Anlage nachts“, hielt Wilfried Janson (Grüne) dem entgegen. Wenn es hart auf hart komme, bestehe womöglich noch privates Klagerecht der neuen Hauseigentümer. Dies wiederum könne dazu führen, dass die Anlage nachts abgestellt werden müsse. Und das bedeute letztlich herbe Verluste für die Stadtwerke Bad Oldesloe. Wie berichtet, ist der Kommunalversorger zu 13 Prozent an der Windkraftanlage in Wolkenwehe beteiligt.

Janson wies auch darauf hin, dass eine Entfernung von 800 Metern von den Spitzen der Flügel bis zur nächsten Wohnbebauung eingehalten werden müsse. Dass auch das kleinere Windrad bei Wolkenwehe später einmal durch eine leistungsstärkere größere Anlage ersetzt werden soll, war bereits 2017 im Oldesloer Umweltausschuss beschlossen worden, als Janson noch das Gremium leitete. „Die Windstandorte sind nämlich knapp. Wir können deshalb auf keinen Standort verzichten. Sie sind schließlich das Rückgrat der Oldesloer Stromversorgung“, erklärte er nun im Wirtschafts- und Planungsausschuss. Wenn die Lärmrichtwerte es nicht erlaubten, die Anlagen durchgehend anzuschalten, bestehe zudem die Gefahr, dass der Betreiber gegenüber der Stadt Schadensersatz fordern könne.

Janson plädierte aus all diesen Gründen dafür, den Aufstellungsbeschluss zu verschieben, bis Konflikte mit der Windkraftanlage ausgeschlossen werden können. Bauamtsleiter Dr. Kurt Soeffing wies darauf hin, dass das Verfahren noch ganz am Anfang stehe und Fragen wie der Lärmschutz ohnehin Teil der gutachterlichen Untersuchungen sei. „Ich würde lieber das Büro, das den Auftrag für den B-Plan übernimmt damit betrauen, statt ein zweites zu engagieren. Das wäre doppelt gemoppelt“, sagte er. Wenn sich ergebe, dass tatsächlich Probleme auftreten, könne das Verfahren immer noch eingestellt werden.

Während sich auch die Linke dazu riet, das Thema zu vertagen, plädierte die FBO dafür, das Verfahren fortzusetzen. Wenn der Aufstellungsbeschluss verschoben werde, gerate die Entwicklung des B-Plans ins Hintertreffen, merkte Matthias Rohde an. Immerhin stehe fest, dass die Bevölkerung schnell Wohnraum brauche. „Im Übrigen gibt es schon jetzt vermehrt Beschwerden aus Wolkenwehe wegen der Emissionen, die zu hoch empfunden werden. Insofern wird das Verfahren auch im Sinne der Anwohner geführt“, sagte Rohde.

Letztlich zogen die Grünen den Kürzeren. Mit ihnen stimmten nur Stadtfraktion und Linke für einen Aufschub, die Mehrheit votierte für die Aufstellung des B-Plans.

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