Werden die Lastenräder eine zu große Last?

Stormarner Tageblatt  22.09.2020

Klimaschutz versus Corona-Sparmaßnahmen: In Bad Oldesloe deutet sich ein Konflikt an

Patrick Niemeier Sparmaßnahmen zu Lasten des Umweltschutz? Muss wegen der corona-bedingten, finanziellen Ausfälle der Klimaschutz jetzt ein wenig warten? In Bad Oldesloe wurde genau diese Diskussion im Finanzausschuss entfacht, als das Thema auf den Tisch kam, ob die Anschaffung von Lastenfahrrädern für die Hausmeister wirklich sein müsse.

35.000 Euro sollen die sieben Lastenfahrräder kosten, die die Hausmeister bei der täglichen Arbeit entlasten sollen. Das macht nach Adam Riese entsprechend 5000 Euro pro Rad. Und das stößt der Lokalpolitik sauer auf. „Warum sind die so teuer oder sind da irgendwelche Akkus und Stromkosten schon mit eingerechnet“, wunderte sich Karin Harms (FBO). „Wir haben gemeinsam mit dem ADFC ja ein Leih-Lastenrad angeschafft und wissen daher, dass die Kosten dafür bei ungefähr 5000 Euro liegen“, erklärte der Oldesloer Bürgermeister Jörg Lembke.

Auf die Frage wie man dazu komme ausgerechnet in der nun angespannten Finanzsituation so eine Anschaffung zu planen erklärte der Verwaltungschef, dass die Pläne für die besonderen Zweiräder schon seit mehreren Jahren bestehen und der Zeitpunkt zum Erwerb gekommen sei. 2021 sollen sie in Betrieb genommen werden. Der Hintergrund dabei war, dass die Hausmeister bisher ihre privaten Pkw für Fahrten innerhalb Bad Oldesloes verwenden. Diese Fahrten müssten bezahlt werden und außerdem sei es vorbildlich, wenn die Stadt in Sachen Klimaschutz auch sichtbar im öffentlichen Raum mit gutem Beispiel vorangehe.

„Ich wüsste gerne, was uns die bisherige Praxis kostet, bei der die Hausmeister ihre privaten Fahrzeuge nutzen“, sagte Björn Wahnfried (SPD). Es fehle ihm der Vergleich wie viel Geld durch die Anschaffung der Lastenräder auf lange Sicht eingespart werde oder ob das überhaupt der Fall sei. Dem schloss sich Thorsten Lohse (CDU) an. Man könne nur darüber beschließen, wenn alle finanziellen Fakten auf dem Tisch seien „dann muss man in der Summe schauen“, sagte er.

Wilfried Janson (Die Grünen) war entsetzt über diese Argumente. „Der Klimawandel schläft nicht, weil es jetzt das Coronavirus gibt. Wir können es uns nicht leisten, auf Kosten des Klimas und der Umwelt zu sparen. Die Lastenfahrräder und alle Klimaschutzinvestitionen sind nicht verhandelbar“, sagte er. Es könne nicht sein, dass man in diesen Zeiten überlege, ob man Hausmeister weiter mit dem Auto fahren lasse, nur weil das vielleicht etwas billiger sei. Das sei sehr kurzsichtiges Handeln. Dieses Denken könne die anstehenden Haushaltsdiskussionen aus Sicht der Grünen auf keinen Fall bestimmen.

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