Der Oldesloer Weihnachtsmarkt steht noch in den Sternen

Lübecker Nachrichten   01.10.2020

Wecken des Weihnachtsmanns und der lauschige Markt am Mühlrad sind bereits abgesagt worden – Ein Fünkchen Hoffnung besteht, dass die Freiluftveranstaltung noch klappen könnte

Von Dorothea von Dahlen

Fällt das diesjährige Weihnachtsfest in Bad Oldesloe gänzlich ins Wasser? Eine Entscheidung fällt Mitte Oktober   foto: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Die gute Nachricht zuerst: Die stimmungsvolle Weihnachtsbeleuchtung, die der Oldesloer Innenstadt ihren charakteristischen Glanz gibt, wird auch in diesem Jahr wieder aufgehängt. Düster sieht es dagegen bei den typischen Veranstaltungen aus, die sich vor dem Fest stets großer Beliebtheit erfreuen. Einige wurden schon aus Sicherheitsgründen wegen der Corona-Pandemie abgesagt. So entfällt definitiv das alljährliche Wecken des Weihnachtsmanns, das von jeher für die Kinder der Stadt ein besonderes Erlebnis gewesen ist.

Etwas Bedenkzeit hatten sich noch die Mitglieder des Vereins „Wir für Bad Oldesloe“ (Wir) gegeben. Doch wie der Vorstand jetzt mitteilte, fällt der kleine, aber gemütliche Weihnachtsmarkt am Mühlrad in diesem Jahr aus. „Wir wollten erst beobachten, wie sich die Corona-Fallzahlen entwickeln. Jetzt, wo die zweite Welle droht, deren Wirkung nicht absehbar ist, haben wir beschlossen, auf den Markt zu verzichten“, sagt Kassenwart Günter Knubbe.

Er glaubt nicht, dass es in naher Zukunft Lockerungen geben werde. Die Auflagen verschärften sich eher noch. So könne es passieren, dass der Ausschank von Alkohol verboten werde. Und das sei fatal, da gerade der Glühweinverkauf eine wichtige Einnahmequelle sei. Ansonsten trage sich der Markt nicht. Letztlich seien in der gegenwärtigen Lage aber wohl nur Märkte auf großen Flächen möglich mit wenig Buden. „Und das kommt für uns ja nicht in Frage. Unser Markt war ja bewusst klein und gemütlich gehalten für ein intimes Zusammensein der Besucher“, erklärt Knubbe.

Das Stöbern nach liebevoll handgemachten Geschenken beim allseits geschätzten Adventsmarkt wird in diesem Jahr wohl auch nicht möglich sein. Viele Jahre fand er regelmäßig Anfang Dezember in der weitläufigen Stormarnhalle statt, 2019 wurde er ins deutlich kleinere KuB verlegt. Die Absage hat sich schon unter den Stammverkäufern herumgesprochen, die ihre Produkte dort eigentlich jedes Jahr präsentieren.

„Ich hatte mich noch nicht angemeldet, da hörte ich aber schon von anderen Teilnehmern, dass sie eine Absage bekommen haben“, erzählt etwa Helga Denkelmann, Chefin der Oldesloer Wollschwalben, ohne die der Adventsmarkt gar nicht denkbar wäre. Aus dem Erlös ihrer selbst gestrickten Produkte unterstützen die Frauen des Vereins soziale Projekte. „Wir waren von Anbeginn dabei. Der Markt wird uns sehr fehlen“, sagt die Gründerin. Zu Hause stapeln sich schon Tüten mit Strümpfen in allen erdenklichen Größen und Mustern, Pulswärmern, Mützen, Schals, Kinderjacken und Pullundern. Denn wenn andere noch im Bikini am Strand liegen, bereiten sich die Wollschwalben schon eifrig aufs Weihnachtsgeschäft vor.

Doch die strickenden Oldesloerinnen haben einen Dreh gefunden, wie sie das Beste aus der Situation machen können. Sie stehen jetzt regelmäßig sonnabends auf dem Wochenmarkt. „Wir haben schon viel Zuspruch von unseren treuen Kunden erhalten. Viele sind vorbeigekommen, auch wenn sie nur ,Guten Tag’ sagen und etwas klönen wollten“, erzählt Helga Denkelmann. Wärmendes für den Winter hat sie aber dennoch reichlich an die Frau oder den Mann bringen können. „Wir möchten ja auch, dass was rausgeht. Sonst können wir ja nicht mehr stricken. Das Garn kostet ja auch“, sagt die Ehrenamtliche, die am Neujahrstag mit dem Silbernen Schlüssel der Stadt ausgezeichnet wurde.

Bei der Kulturabteilung der Stadt wiederum waren bis August bereits 39 Bewerbungen für den Adventsmarkt eingegangen, weitaus weniger als in den Jahren zuvor. „Man merkt, dass die Vereine und anderen Aussteller selbst Bedenken haben mitzumachen, weil sie sich vielleicht selbst infizieren könnten“, sagt Anna Plog vom Veranstaltungsmanagement der Stadt. In geschlossenen Räumen sei das Risiko auch größer als an der frischen Luft, fügt sie hinzu und nährt damit einen kleinen Funken Hoffnung, dass der Weihnachtsmarkt unter freiem Himmel vielleicht doch noch steigen könnte. „Zurzeit ist alles noch in der Schwebe. Es hängt davon ab, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt und von den Behörden, die die Hygienekonzepte begutachten“, sagt Anna Plog.

Mitte Oktober werde es noch einmal ein Treffen zwischen dem Veranstalter und dem Ordnungsamt geben. Anschließend teile die Stadt mit, ob grünes Licht für den Markt gegeben werde.

Den Oldesloer Weihnachtsmann aber kümmert es übrigens nicht so sehr, ob es den Markt in diesem Jahr gibt. „Er ist ja eher etwas für die Erwachsenen. Ein bisschen traurig ist es für die Kinder, dass der Adventsmarkt ausfällt. Aber wir müssen da durch“, sagt Bodo Rahnenführer. Ganz privat kann er sich nicht beschweren. Denn die Liste der Bescherungen, die er am Heiligen Abend zu absolvieren hat, ist lang. „Nachmittags geht es in die Altenheime und danach zu den Kindern“, erzählt er. Praktischerweise wirkt sein Bart fast wie ein Mundschutz. „Nur Weihnachtslieder darf ich natürlich nicht singen“, räumt der Santa-Claus auf Zeit allerdings ein.

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