Harter Corona-Sparkurs: Fahrtenförderung fraglich

Stormarner Tageblatt  12.10.2020

Überraschend stimmen Oldesloer Stadtverordnete einer Aufstockung der Kulturförderung nicht zu

Auftritt von Stormarn Magic vor der Corona-Pandemie auf dem Oldesloer Marktplatz. Nie
Auftritt von Stormarn Magic vor der Corona-Pandemie auf dem Oldesloer Marktplatz. Nie

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Die Corona-Krise hat die Bad Oldesloer Marching Band „Stormarn Magic“ hart getroffen. Fast alle Auftritte sind ausgefallen. Das bedeutet auch finanzielle Verluste. Doch die Corona-Krise könnte die Musiker nun doppelt treffen. Denn die Stadtverordnetenversammlung vertagte überraschend die in Aussicht gestellte Erhöhung des Kulturförderbudgets um 10.000 Euro. Geld, das vor allem für Stormarn Magic, Orchester oder Chöre gedacht war, deren Auftritte, Übungs- und Probewochenenden nicht in der Kreisstadt stattfinden.

Die „Magics“ schreiben vor allem Nachwuchsarbeit groß und bieten seit Jahren zahlreichen Jugendlichen – auch aus finanziell schwierigen Verhältnissen – die Möglichkeit ein Instrument zu erlernen. Zu ihrem Konzept gehören jährlich mehrere Teilnahmen an auswärtigen, zum Teil sogar internationalen Marching-Band-Wettkämpfen und Probewochenenden.

Doch der Kulturfördertopf der Stadt – der vergangenes Jahr auf 30.000 Euro erhöht wurde – ist nur in Ausnahmefällen für die Mitfinanzierung von Fahrten gedacht. Ohne Förderung können sich die „Magics“ die Fahrten auf Dauer nicht leisten. Daher haben zahlreiche Kulturschaffende der Stadt den Wunsch unterstützt, dass ein Fahrtenförderbudget über 10.000 Euro bei der Stadt eingerichtet wird, damit eine Ausnahmeregelung nicht zum Dauerzustand wird. Den Antrag stellte Bürgerworthalterin Hildegard Pontow (CDU). Einen zusätzlichen Fördertopf lehnte der Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss ab, stellte aber stattdessen in Aussicht, den bereits eingerichteten Kulturfördertopf auf 40.000 Euro zu erhöhen. Die entsprechenden Förderrichtlinien sollten angepasst werden. Doch die Diskussion in der Stadtverordnetenversammlung verlief überraschend anders.

„Ich weiß nicht, warum wir hier jetzt plötzlich die Spendierhosen anhaben “, polterte Wolfgang Schmidt (Freie Wähler/Stadtfraktion). „Die Schulsozialarbeiter wurden zusammengestrichen, die wichtige Arbeit machen und psychisch kranken Jugendlichen helfen . Dann geben wir andererseits auch kein Geld für so einen Kram aus“, schimpfte Schmidt.„Es ist mehr als peinlich, wie Sie hier aus persönlichen Gründen versuchen, Kultur und Schulsozialarbeit gegeneinander auszuspielen und das mit bemerkenswert wenig Kenntnis“, erwiderte Anita Klahn (FDP). „Gerade die Kulturschaffenden und Ehrenamtler haben sehr unter den Corona-Maßnahmen gelitten. Es wäre wichtig, ein Zeichen zu setzen“, sagte die Liberale.

„Die Kulturszene hat sinkende oder keine Einnahmen. Die Musiker können nicht auftreten und wenn dann nur unter sehr harten Bedingungen vor fast gar keinen Zuschauern“, zeigte auch Wilfried Janson (Die Grünen) Verständnis für die Probleme. Hendrik Holtz (Die Linke) ergänzte, dass die Stadtverordneten gerade jetzt ein Signal geben müssten, dass man die Kulturszene, Musiker, Künstler und Ehrenamtler – die zum Teil von Förderprogrammen des Landes und des Bundes fast komplett vergessen wurden – lokal unterstütze. Er warnte vor dem Gefühl, dass die Ehrenamtler und ihre Engagement in Corona-Zeiten gering geschätzt werden.

Die CDU sah die Situation allerdings pragmatischer. Die Fraktion sehe keinen Unterschied zu anderen Anträgen, bei denen es um Zuschüsse oder Finanzierungen gehe. Diese seien zuletzt aber alle vertagt worden und sollen in den Haushaltsberatungen mit auf den Tisch. Genau so müsse man konsequent auch mit diesem Antrag umgehen, führte Horst Möller (CDU) aus. Im Endeffekt fand sich eine Mehrheit für den Vorschlag der Christdemokraten, sodass keine Entscheidung fiel, was die Planungssicherheit der Kulturschaffende und gerade „Stormarn Magic“ für das Jahr 2021 auf Eis legt.

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