Betrachtungen zum Wochenausklang: Von Gutscheinen und Heizpilzen

Stormarner Tageblatt  17.10.2020

Stormarner Wochenschau

Von Gutscheinen und Heizpilzen

Freud und Leid’...Megi Balzer
Freud und Leid’…Megi Balzer

Patrick Niemeier und Stephan Poost

Statt Geld Nun hat die Ahrensburger Verwaltung zum Stadtgeld eine Förderrichtlinie entworfen. Die Ahrensburger indessen sind noch nicht überzeugt von der Aktion. Kritik gibt es insbesondere daran, dass die Gutscheine wie mit der Gießkanne ausgeschüttet werden und „Arm und Reich“ gleichermaßen bedacht werden. Während die Ahrensburger noch unschlüssig sind, ob statt Geld anderes besser helfen würde, hat man in Marburg gute Erfahrungen gemacht. So schätzt die dortige Stadtverwaltung, dass rund das Dreifache der ausgegebenen Gutscheine als Umsatz in den Taschen der teilnehmenden Geschäfte gelandet ist. Wenn es so auch in Ahrensburger kommt, wäre das Stadtgeld ein Erfolg. Und für alle, die den Gutschein weitergeben wollen: Er kann gespendet werden.

Kälte und Normalität Kaum ein Begriff wird momentan so überstrapaziert wie das Wort „Normalität“. Es heißt immer wieder, irgendwann nach Corona – wann auch immer das sein mag – gehe es zurück in diese ominöse Normalität. Doch was genau ist das eigentlich? Was ist normal? Ist die gefühlte „Normalität“ nicht einfach das, was sich über Monate in der Realität abbildet? Niemand kann genau sagen, wann es das wieder gibt, was eher „alte Gewohnheiten“ heißen müsste. Oder „das, was wir alle gewohnt waren“. Daher gilt es sich zu arrangieren. Das bedeutet Umstellungen und Kompromisse. Wer notwendige Maßnahmen versucht ständig zu umgehen, ist vermutlich nur nicht in der Lage, sich flexibel anzupassen und Rücksicht zu nehmen. So wird es in manchen Geschäften, öffentlichen Gebäuden und Restaurants in den nächsten Monaten etwas kühler werden. Denn intensives Lüften gehört zu den wichtigen Maßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung des Corona-Virus.

Wie Gastronomen festgestellt haben, bleiben so manche Mitmenschen lieber gleich draußen. Denn dort an der frischen Luft, fühlen sie sich wohler und sicherer. Doch auch dort ist es natürlich mittlerweile kühl. Daher sollen vermehrt Heizpilze zum Einsatz kommen, was wiederum Klimaschützern so gar nicht passt. Insgesamt kann – überspitzt wie in unserer Karikatur – die Situation entstehen, dass es normal wird, dass es auf den Außenplätzen noch recht warm ist, während in den Innenräumen durch intensive Lüftung eher eine kältere Brise wehen könnte und die im Restaurant sitzenden sehnsüchtig rausschauen.

Zusammenhalt Die Corona-Krise bringt am Rande auch leicht positive Nebeneffekte mit sich. Das liegt nicht nur daran, dass eine Mehrheit der Mitbürger beweist, dass sie Vertrauen in Medizin und Wissenschaft hat, sondern auch daran, das Rücksicht geübt wird. Dabei werden auch manche alten Gräben zugeschüttet, um gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Am 24. Oktober wollen 30 Bad Oldesloer Gastronomen und Kaufleute mit einer gemeinsam abgestimmten Öffnungszeit von 10 bis 16 Uhr und diversen Aktionen, den Kunden „Danke“ sagen – für ihren Rückhalt in der Krise. Dass manche der Beteiligten bei der Initiative der Wirtschaftsvereinigung mitmachen, ist ein Schritt nach vorne, weil manch Vorbehalte und Unstimmigkeiten beiseite gelegt werden. Belebung und Erhalt der Innenstadt wird nur gemeinsam gelingen. Eine Erkenntnis, die Corona offenbar verstärkt hat.

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