Oldesloer tragen Weltschal durch die Stadt

Stormarner Tageblatt  19.10.2020

Rund 100 Bürgerinnen und Bürger nehmen an Demo für Toleranz teil

Bärbel Nemitz (o.r.).

Finn Fischer Bad Oldesloe Mit einer Demonstration haben rund 100 Oldesloer ein Zeichen für Weltoffenheit gesetzt. Mit dabei: Der aus dem Hamburger Projekt „Made auf Veddel“ entstandene Weltschal. „Wir müssen uns zusammenschließen und zusammen für Demokratie und Toleranz einstehen“, sagte die Hamburgerin Sibilla Pavenstedt, die das Projekt vor fünf Jahren ins Leben gerufen hat. Seitdem ist der Weltschal, der bereits dutzende Länder bereist hat, auf 228 Flaggen angewachsen. Die werden diese Woche auch in der Oldesloer Fußgängerzone zu besichtigen sein.

„Ich freue mich sehr, dass der Weltschal in diesem Jahr auch Bad Oldesloe besucht hat“, sagte Sibilla Pavenstedt. Die einzelnen Flaggen sind von Frauen mit Migrationshintergrund aus Veddel genäht worden, die mit ihrer Arbeit etwas Geld verdienen und gleichzeitig mit anderen Menschen in Kontakt kommen und durch die gemeinschaftliche Arbeit Deutsch lernen. Dass diese Arbeit jetzt in Bad Oldesloe zu sehen ist, geht auf das Konto von Bärbel Nemitz. Die Oldesloerin war im vergangenen Jahr bei einer Demonstration in Hamburg, bei der wie jetzt in der Kreisstadt der Weltschal von hunderten Menschen durch die Stadt getragen wurde. Dadurch entwickelte sich der Wunsch, den Schal auch in ihrer Heimatstadt zu zeigen, der jetzt um das Oldesloe-Wappen ergänzt wurde.

„Mit der Weltschal-Prozession feiern wir die Menschen und Organisationen in unserer Stadt, die sich auf verschiedene Weise für Integration einsetzen“, sagte Hartmut Jokisch vom Freundeskreis Beer Yaacov/Jifna bei der Abschlusskundgebung auf dem Exer. Dazu zählen zahlreiche Vereine, aber auch Gewerkschaften und andere Gruppen, die Volkshochschule, Schulklassen und Betriebe, die Migranten ausbilden und somit in die Gesellschaft integrieren. „Alle, die im Sinne der Weltoffenheit systemrelevant sind. Und das sind glücklicherweise nicht wenige“, so Hartmut Jokisch.

Gerade in der jetzigen Zeit sei es wichtig, Stellung zu beziehen, wie Ilse Siebel vom Bündnis gegen Rechts deutlich machte: „Noch immer gibt es im Alltag Rassismus, fremden- oder frauenfeindliche Kommentare an Stammtischen oder an Arbeitsplätzen. In diesen Momenten gilt es, den Artikel 1 unseres Grundgesetzes, die Würde des Menschen ist unantastbar, jedes Mal aufs neue zu leben.“ Denn dieser gelte für jeden Menschen.

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