Bespuckt und beleidigt: Rassismus in Bad Oldesloe

Stormarner Tageblatt  30.10.2020

Vertreter des Kinder- und Jugendbeirats berichten im Bildungs- und Sozialausschuss vom Rechtsruck

Najat Tabakh und Lennard Hammelberg im Ausschuss. Nie
Najat Tabakh und Lennard Hammelberg im Ausschuss. Nie

Patrick Niemeier Bad Oldesloe Rassistische Beschimpfungen, Beleidigungen und Bedrohungen – was Najat Tabakh aus dem Bad Oldesloer Jugendbeirat berichtete, erschütterte die Mitglieder des Bildungs- Sozial- und Kulturausschuss sichtlich.
Denn ihre Erzählung handelte nicht von Erfahrungen anderer Menschen irgendwo auf der Welt, sondern von Alltagsrassismus in Bad Oldesloe. „Kopftuchweib wurde ich genannt oder angemacht, dass ich das Ding vom Kopf nehmen soll“, sagt sie. Von einer Frau sei sie sogar bespuckt worden. „Das sind oft erwachsene, ältere Menschen hier in der Stadt“, führte sie weiter aus. Dabei sei für sie die Kreisstadt längst ihre zweite Heimat. „Wir verstecken unter dem Kopftuch nur unsere Haare, nicht unser Gehirn“, betonte sie.
Das Thema war auf die Tagesordnung gekommen, weil Hendrik Holtz (Die Linke) über Maßnahmen gegen den spürbaren Rechtsruck diskutieren wollte. Dieser zeige sich in den mehrfach und immer wieder aufgetauchten Aufklebern in der Innenstadt. Auch Corona-Leugner und Verschwörungsanhänger beschmieren seit Wochen unter dem Vorwand der „Maßnahmenkritik“ Wände und Straßen mit rechtspopulistischen Sprüchen und Plakaten. So wurde Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mit Hitlerbart gezeigt oder Parolen mit Nazi-Vokabular wie „Achtung, Medien gleichgeschaltet“ sowie das rechtspopulistische „all lives matter“ an Wände gepinselt.
Lennard Hammelberg, Vorsitzender des Kinder- und Jugendbeirats, forderte die Stadtpolitik und die Verwaltung auf, deutlicher etwas gegen Rassismus und rechte Tendenzen zu machen.
„Sie haben ein Statement abgegeben, aber von den Handlungen sehen wir bisher wenig“, nahm Hammelberg Bezug auf eine Erklärung der Stadtverordneten, die sich gegen Rassismus und Rechtsruck wandte.
„Es ist ein Problem an den Schulen. Es gibt auch bei uns Alltagsrassismus. An einer Schule hatten wir gerade das Problem, dass drei Schülerinnen von einem Schüler sogar bedroht wurden. Sie hatten Angst zur Schule zu kommen“, berichtet Hammelberg. Das sei nicht hinnehmbar. Auch Holtz drängte darauf, dass etwas geschehen müsse. „Weggucken hilft nicht. Wir können das nicht unter die Decke kehren“, so Holtz weiter. „Wir müssen handeln. Es gibt da aus meiner Sicht eine Null-Toleranz-Strategie“, sagte auch Carsten Stock (SPD). Die Grünen-Stadtverordnete Dagmar Danke-Bayer beobachtet auch eine gesamtgesellschaftliche „schleichende Rechtsbewegung“, der man sich entgegenstellen müsse.
„Gegen Rassismus vorzugehen, ist für mich und für die CDU eine Selbstverständlichkeit. Rassismus ist ein Widerspruch zu unserer Verfassung. Daher ist es keine Frage, dass es dort Unterstützung von uns gibt“, sagte Christdemokrat Jörn Lucas. Wie Vertreter anderer Parteien auch, bedankte sich Tom Winter (Familienpartei/ Stadtfraktion) für den Einsatz des Kinder- und Jugendbeirats. Dieser nehme sich nicht nur „Fun-Themen“ sondern auch ernster, gesellschaftlicher Probleme an.
Anna Schmalowski vom Kreisjugendring bot der Stadt und dem Beirat die Kooperation zu dem Thema an. Allerdings wolle man dafür auch die bereits gegen Rassismus und Rechtsruck aktiven Gruppen und Einzelpersonen in der Stadt mit an Bord holen. Die Stadtverwaltung kündigte auf Nachfrage an, dass man bis Februar kommenden Jahres ein Konzept vorlegen wolle, wie eine bessere gemeinsame politische Aufklärung gegen Rassismus und Rechtsextremismus aussehen könne.

Dieser Beitrag wurde unter Presseartikel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.