Betrachtungen zum Wochenausklang: Masken, Freiheiten und Ignoranz

Stormarner Tageblatt  30.10.2020

Stormarner Wochenschau

Masken, Freiheiten und Ignoranz

Megi Balzer
Megi Balzer

Stephan Poost und Patrick Niemeier

Kuddelmuddel Alles gar nicht so einfach. Die Landesregierung hat erlassen, dass in Einkaufsstraßen und an belebten Plätzen ein Mund-Nasenschutz getragen werden muss. Das sieht man in Bad Oldesloe etwas anders. Denn da gilt diese, so die Stadtverwaltung, nur an den Markttagen Mittwoch und Sonnabend. In Ahrensburg hingegen wird die Allgemeinverfügung in der gesamten Innenstadt angewandt. In Trittau nur in bestimmen Straßen. Kein Wunder, meint unsere Karikaturistin, dass Stormarnerinnen und Stormarner bald eine Art „Maskenkarte“ brauchen, um zu sehen, wo der der Gesichtspulli getragen werden muss. Nachdem es schon mit dem Beherbergungsverbot auf Bundesebene vor einigen Tagen ein kaum zu durchschauendes Durcheinander gab, nun dasselbe im Kreis Stormarn mit der Maskenpflicht? Versteht der Bürger das noch?

Wettbewerb Es gibt zu wenige Frauen in der Politik – auch in der Kommunalpolitik! Immer wieder machen Frauen darauf aufmerksam und gelegentlich erheben auch Männer ihre Stimme, um diesen Missstand anzuprangern. Natürlich gehören auch Frauen in die politischen Gremien, so wie auch Männer an den Herd gehören, Windeln wechseln und Kinder erziehen. Grundsätzlich gehören allerdings die besten Köpfe in die Gremien, das gilt für Führungsaufgaben in der Wirtschaft, wie auch bei Aufgaben in der Politik. Wie Männer sollten sich Frauen dem Wettbewerb stellen. Allerdings muss die Gesellschaft dafür sorgen, dass auch Frauen dazu in die Lage versetzt werden können. Es wird nämlich schwierig, sich dem Wettbewerb zu stellen, während noch zwei Kinder nebenher zu betreuen sind. Dazu muss sich einiges ändern, vor allem in den Köpfen von Männern. Wenn wir wirklich immer die besten Köpfe in den Gremien wollen, dann muss es gleich Chancen für alle geben. Eine Quote – wie oft gefordert – kann allenfalls eine Übergangslösung sein.

Freiheiten Nun haben wir den Salat. Monatelang wurde von Gesundheitsexperten gewarnt, dass so manche Lockerungen zu früh kamen. Sie wurden immer stärker belächelt. Doch nach und nach mussten Maßnahmen wieder verschärft werden. Das mit der Freiwilligkeit und Eigenverantwortung haben wir ausprobiert – hat leider nicht geklappt. Die Demokratie sei in Gefahr schreien nun manche und unverständlicherweise fühlen sich Menschen schon in ihrer Freiheit beschnitten, wenn sie Mundschutz tragen sollen. Da wird schnell gesagt, dass alle, die sich an die Regeln halten, nur Angst hätten. Doch wer verbreitet denn wirklich Angst? Während Abstand wahren und Mundschutz tragen wirklich kleine Zugeständnisse und Zeichen von Rücksicht sind, ist der Aufruf eben diese nicht zu tragen und sich aufzulehnen, weil man sich ansonsten ja bevormunden lasse einfach nur rücksichtslos. Zu oft scheint es so, dass dieser Aufruf aus Egoismus sich unter dem Deckmantel der Sorge um die Gesellschaft verstecken möchte. Trotzdem dürfen diese Meinungen gesagt werden, auch wenn leider zu oft verwechselt wird, dass Faktenallergie und Wissenschaftsfeindlichkeit eben keine Meinung sind, sondern ein Verstands- oder Bildungsproblem. Nicht falsch verstehen: Über Maßnahmen und ihre Notwendigkeit muss es eine demokratische Diskussion geben können. Doch wer mit Verschwörungsschwurblern, hundertfach widerlegten Panikmachern und Experten aus der You-Tube-Uni gemeinsame Sache macht, der hat sich aus einer seriösen Diskussion schon längst verabschiedet. „Angst fressen Seele auf“ gilt am Ende nicht für die, die sich an Maßnahmen aus Rücksicht halten, sondern für die, die denken Bill Gates und die Regierung wollen sie durchimpfen und mit Chips kontrollieren.

Einzelfälle Wenn die Sprache auf Rassismus und Rechtsruck kommt, wird sich oft weggeduckt. Man möchte das nicht in seiner Stadt. Und so werden aus Vorfällen schnell „Einzelfälle“. Doch auch in Bad Oldesloe mehren sich die Einzelfälle. Jugendliche des Kinder- und Jugendbeirats haben unmissverständlich klar gemacht,dass rechtes Gedankengut und rassistische Entgleisungen verstärkt in ihrem Alltag in der Schule und in der Innenstadt ankommen. Es wird Zeit, sich dieser Situation zu stellen.

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