Lichter aus im Lichtspielhaus

Stormarner Tageblatt  03.11.2020

Der „Lockdown light“ sorgt dafür, dass auch die beiden Stormarner Kinos ab heute für einen Monat wieder schließen müssen

Bad Oldesloes Kino-Chef Heinz Wittern im Foyer des OHO-Kinos Fischer
Bad Oldesloes Kino-Chef Heinz Wittern im Foyer des OHO-Kinos Fischer

Finn Fischer Bad Oldesloe / Bargteheide Ab Montag, 2. November, sind Bars und Restaurants auch in Stormarn geschlossen, es gibt keine Theateraufführungen und Konzerte mehr und auch die Kinos dürfen keine Filme mehr zeigen: Der von Bund und Ländern beschlossene „Lockdown Light“, der den ganzen November über gilt, trifft vor allem das Freizeitleben.
Erst wenige  Tage vor der erneuten Schließung hat Heinz Wittern erfahren, dass er sein Oldesloer OHO-Kinocenter ab Montag für vier Wochen schließen muss. Überraschend kam die Nachricht für ihn nicht: „Wenn wir ehrlich sind, wussten wir doch alle seit Frühjahr, dass es eine zweite Welle geben wird.“ Er habe das Gefühl, dass die Politik das lange habe nicht sehen wollen.
Tatsächlich wollten noch vor etwas mehr als zwei Wochen die Chefs der Länder nicht so recht auf Kanzlerin Angela Merkel zu hören, die eindringlich vor einem Anstieg der Infektionszahlen warnte und auf drastische Verschärfungen pochte. „Wir werden uns dann alle in zwei Wochen wiedersehen“, sagte Merkel damals. Und so kam es dann auch. Keine zwei Stunden brauchte es, bis die Ministerpräsidenten umfassenden Verschärfungen zustimmten.
Kontaktbeschränkungen, ausgedehnter Maskenpflicht, Tourismusverbot, keine Freizeitveranstaltungen mehr. Für einen Monat. Was das für Auswirkungen auf die Gastronomie und Kulturbranche haben wird, ist nicht abzusehen. Klar ist: Es wird eng für viele Betriebe.
Wenn Heinz Wittern sagt, er habe Verständnis für die Maßnahmen, klingt das wie ein Standardsatz. Seine Enttäuschung kann der Kinochef nicht so recht verbergen.
„Wir haben jetzt vier Monate ganz viel gemacht, die Hygieneregeln eingehalten und meines Wissens nach gibt es keinen bekannten Fall einer Ansteckung in einem Kino“, sagt Wittern.
Auch in dem Oldesloer Filmhaus konnten die vorgeschriebenen Abstände problemlos eingehalten werden, über Maskenpflicht bis zum Platz im Kinosaal beschwerte sich laut Wittern so gut wie niemand. Er habe sich gewünscht, dass zumindest die Kinos geöffnet bleiben dürfen. Das nicht nur aus Eigeninteresse. Wenn schon ausgehen und feiern gerade nicht drin ist, dann doch wenigstens eine Filmvorführung. Und auch die angestellten Minijobber, die jetzt für einen Monat kein Geld bekommen, trifft die Entscheidung hart.
Wie hoch der finanzielle Schaden ist, kann Heinz Wittern noch nicht beziffern. Bei einem Blick auf die Zahl der ausgefallenen Vorführungen wohl nicht unerheblich. Von rund 3000 Terminen sind bereits 1000 ausgefallen. Im November dürften noch rund 300 hinzukommen. Wittern: „Wir rechnen fest damit, dass wir hier in Schleswig-Holstein am 3. Dezember wieder starten können.“ Die Zeit werde er nutzen, das Kino auf Vordermann zu bringen.
Auch ein anderer Kulturbetrieb ist vom „Lockdown Light“ getroffen: Das Kleine Theater in Bargteheide mit seinem Kino. Norbert Ohl, ehrenamtlicher Kinochef, hätte den Kinobetrieb gern aufrecht erhalten. Er akzeptiere die Entscheidung, sei aber dennoch enttäuscht. Dass die Schließung des Bargteheider Kinos Auswirkungen auf die Infektionszahlen hat, glaubt er nicht.
„In unserem Fall geht es um einen gut gelüfteten Saal mit einer sehr hohen Decke“, sagt Ohl. Von den 344 Sitzen seien nach dem Hygienekonzept nur 90 genutzt worden. „Da hätten wir natürlich gern auch weiterhin Filmvorführungen angeboten“, so das Vorstandsmitglied des Kleinen Theaters. Auch im November waren Veranstaltungen geplant, zu denen teilweise auch die Filmemacher eingeladen waren. Die mussten jetzt alle abgesagt werden. Im Gegensatz zu kommerziellen Kinos hat Bargteheide in der Krise einen Vorteil: So gut wie alles wird hier ehrenamtlich organisiert. Kino- und Theatersprecher Joachim Krämer: „Wir sind in der Lage, von der Miete einmal abgesehen, unsere Ausgaben gegen Null zu senken.“ So gebe es etwa keine nennenswerten Personalkosten. Die Einnahmen fehlten natürlich trotzdem.

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