Politiker bremsen Sanierung der Oldesloer Stormarnhalle

Lübecker Nachrichten   04.11.2020

Die Kosten gehen in die Millionen – Lokalpolitiker befürchten neues Groschengrab

Von Dorothea von Dahlen

Die 52 Jahre alte Oldesloer Stormarnhalle soll in den Jahren 2023 und 2024 saniert werden.Foto: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Könnte sich die Oldesloer Stormarnhalle in ein neues Groschengrab für die Kreisstadt verwandeln? Die Sorge, dass bei der Sanierung des 52 Jahre alten Gebäudes unliebsame Überraschungen auf die Stadt zukommen könnten, äußerten jetzt Mitglieder des Wirtschafts- und Planungsausschusses. An ihnen war es am Montagabend, den für 2023/ 2024 vorgesehenen Bauarbeiten zuzustimmen – oder auch nicht.

Die von der Verwaltung in der Vorlage als dringend erforderlich aufgeführten Maßnahmen umfassen alles in allem 18 Punkte. Dazu gehören unter anderem der komplette Austausch elektrischer Installationen, das Erarbeiten eines Brandschutzkonzepts sowie der Einbau einer Brandmeldeanlage und zusätzlicher Fluchtwege und -Türen, eine Erhöhung der Glasfassade, die Optimierung von Heizsystem und Beleuchtungsanlage. Hinzu kommen Erneuerungen und Ergänzungen in der Ausstattung für den Sport wie etwa eine Hockeybande oder Prallschutzwände. Die Gesamtkosten sind vom Bauamt auf 6,5 Millionen Euro geschätzt worden.

Der CDU sind diese Angaben offenbar zu ungenau ausgearbeitet, wie Jens Wieck im Namen der Fraktion darlegte. „Wir hatten etliche Fragen. Welche der einzelnen Punkte wirklich ein Muss sind oder über das Maß der Notwendigkeit hinausgehen, ist an der Vorlage nicht zu ersehen“, sagte er. Die fehlenden Informationen möge die Verwaltung kurzfristig nachreichen und sich auch mit dem Kreis Stormarn in Verbindung setzen für eine weitere Förderung.

Die Frage von Anita Klahn (FDP), ob es möglich sei, statt der Stormarnhalle eine andere marode Sportstätte in der Stadt sanieren zu lassen, verneinte Bürgermeister Jörg Lembke. Das könne er sich nicht vorstellen, weil die Frist für die Anmeldung eines solchen Vorhabens längst abgelaufen sei. Jetzt noch etwas anderes nachzuschieben, sei kaum vorstellbar.

Ihren Vorschlag, die von Land und Bund in Aussicht gestellte Förderung doch noch auf ein anderes Objekt umzulenken, begründete Klahn damit, dass ihre Fraktion am Standort der alten Halle lieber einen Neubau sehen würde. Die Stormarnhalle sei schon sehr alt, entspreche nicht mehr einer modernen Bauweise und erfülle damit auch nicht die geforderten energetischen Auflagen. „Wenn ich mir den Katalog anschaue, was alles saniert werden soll, dann sage ich nur: ,Das Travebad lässt grüßen’. Dabei hatte sich auch vieles auf dem Papier sehr gut angehört und heute sehen wir das Desaster“, sagte die Freidemokratin. Sie schlägt vor, am selben Standort eine moderne, wettkampfgerechte Halle zu errichten, auch wenn dadurch ein Teil des Parkplatzes am Exer entfallen müsse. Alles andere sei „verschwendetes Geld“.

Ähnlich äußerte sich Annika-Katharina Dietel (SPD). „Auch beim KuB haben wir mit dem Bauen im Bestand leider keine guten Erfahrungen gemacht“, nahm sie auf die Kostenexplosion Bezug, die mit dem Umbau des einstigen Amtsgerichtsgebäudes in ein Kulturzentrum einhergegangen war. „Doch wenn wir dem FDP-Antrag folgen würden, wäre die Förderung für die Sanierung sicher hinfällig“, sagte sie, an den Bürgermeister gewandt. Jörg Lembke bestätigte das, vermochte aber auch nicht auszuschließen, dass sich während der Sanierung „noch Dinge zeigen, die man heute nicht erkennen kann“. Er wies aber auch darauf hin, dass Abriss und Neubau auf jeden Fall teurer würden, zumal es dafür momentan keinerlei Zuschüsse gebe. Grob geschätzt werde eine Dreifeldhalle hinter der Heinrich-Vogler-Halle, wie es die Verwaltung vorschlage, mindestens 12 Millionen Euro kosten. Hinzu käme noch der Abriss der Stormarnhalle.

Nach kurzer Beratung präsentierten CDU, FDP und SPD einen gemeinsamen Antrag. Demnach solle die Sanierung der Stormarnhalle auf solche Arbeiten begrenzt werden, die für die Sicherheit und den Brandschutz des Gebäudes sowie andere gesetzliche Auflagen absolut nötig sind. Lembke gab zu bedenken, dass sämtliche der aufgeführten Maßnahmen zu 90 Prozent von Bund und Land bezuschusst würden. „Wenn sich später herausstellen sollte, dass es erforderlich ist, auch die restlichen Arbeiten zu erledigen, stehen keine Fördermittel mehr zur Verfügung“, sagte er. Letztlich setzte sich das Dreierbündnis mit seinem Vorschlag gegen die Stimmen von FBO, Linken und Grünen durch.

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