Betrachtungen zum Wochenausklang: Ein Skandal, der keiner ist

Stormarner Tageblatt  07.11.2020

Stormarner Wochenschau

Ein Skandal, der keiner ist

Megi Balzer
Megi Balzer

Susanne Link, Patrick Niemeier und Stephan Poost
Solidarität Der Inzidenzwert hangelt sich von einem Höchststand zum nächsten, fast täglich haben wir Todesfälle im Kreis Stormarn zu beklagen. Wie schwierig die Situation für einen jeden von uns ist, bemerken wir im beruflichen und auch im privaten Umfeld. Jetzt fahren wir das öffentliche Leben herunter, weil die Angst da ist, das die Zahl der Infizierten und in der Folge die Zahl der schwer Erkrankten und derjenigen, die auf Intensivstationen behandelt werden müssen, durch die Decke gehen. Dass wir dabei von einem „Lockdown light“ sprechen, klingt in den Ohren vieler Betroffener, Gastronomen, Künstler, Hoteliers und denen, die diesen Branchen zuarbeiten, wie Hohn. Das ist nichts leicht dran, es ist schwierig genug, keine Einnahmen zu haben, keine Arbeit und die tägliche Sorge, im nächsten Monat noch die Rechnungen bezahlen zu können. Das ganze Corona-Thema zeigt aber, ob wir solidarisch innerhalb unserer Gesellschaft umgehen oder ob wir egoistisch mit dem Thema umgehen. Ob wir uns an die Regeln halten, um die Zahlen niedrig zu halten oder uns alles egal ist und wir lieber unser eigenen Süppchen kochen. An Corona zeigt sich der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und es zeigt sich, ob wir uns von Bauernfänger auseinanderdividieren lassen.
Skandälchen Züge kommen zu spät oder fallen einfach gänzlich aus, verständlich,dass das mächtig aufregt. Satiresendungen und Medien nehmen die Deutsche Bahn unter anderem deshalb und wegen anderer ärgerlicher Dinge gerne mal aufs Korn. Manch‘ einer ist allerdings etwas voreilig, denn nicht immer, wenn die Deutsche Bahn irgendwo rumwerkelt, ist das gleich ein Skandal. So beispielsweise beim „Bahnhof Gartenholz“. Da wird kein Bahnhof abgerissen, sondern zwei Bahnsteige zurückgebaut um einen zentralen Bahnsteig zu bauen, der benötigt wird. Eine Verschlechterung ist das nun wirklich nicht. Zugegeben: Vielleicht in der Bauphase. Aber ansonsten? Es ist kein Skandal, noch nicht mal ein Skandälchen.
Sanierungsstau Dass die einzige Mehrzweckhalle der Kreisstadt, die Stormarnhalle, saniert werden muss, ist seit Jahren klar. Nun rückt eine notwendige Verbesserung des Brandschutz immer näher. In dieser Zeit wird die Halle komplett gesperrt sein. Was das bedeutet, merkten die Vereine bereits jetzt in der Corona-Krise, in der die Halle als Tagungsort für diverse Versammlungen mit Abstand benötigt wird. Doch ein Ersatz für Sportler und Veranstalter ist noch nicht in Sichtweite. Das ist die kurzfristige Sorge. Welche Halle braucht Bad Oldesloe eigentlich generell? Das ist die langfristige Frage. Sollte eine Kreisstadt, die immer wieder ihr sportlichen Möglichkeiten betont, nicht über eine moderne Mehrzweckhalle mit Tribüne und Co. verfügen. Wenn man langfristig in irgendeinem Bereich wieder landes- oder bundesweit für Aufsehen auf der sportlichen Landkarte sorgen möchte, vermutlich schon. Denn sobald malwieder ein Team in einer höheren Liga antreten würde, könnte sicherlich nicht spontan eine neue Halle geschaffen werden. Dabei ist Infrastruktur oft die Grundlage für Motivation und sportlichen Erfolg. Aber auch wenn man Vereinen größere Veranstaltungen Turniere ermöglichen möchte, deren Einnahmen wichtig für ihre Budgets sind, benötigt es die entsprechenden Hallen. Auf der anderen Seite fehlen Möglichkeiten für Schul- und Breitensport. Für diese könnten Ein- und Zweifeldhallen in verschiedenen Stadtteilen zur ausschließlichen Trainingsnutzung deutlich attraktiver sein. Dann eben ohne Veranstaltungen und Punktspiele. Lässt sich das wirklich unter einen Hut bringen? Und wo sollen eigentlich geschätzte 16 Millionen für einen Hallenneubau herkommen?

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