Feuerwehr bekommt einen Anbau

Lübecker Nachrichten   07.11.2020

Vier Jahre lang hat Rethwischfeld darauf gewartet – Wird jetzt nicht gebaut, verfallen Fördergelder

Von Dorothea von Dahlen

Platznot in der Wache der Ortswehr Rethwischfeld: Das Gebäude muss dringend erweitert werden. Foto: Fofana

Bad Oldesloe. Die Geschichte hat bereits einen langen Vorlauf. Schon 2016 zeichnete sich ab, dass die Brandschützer im Oldesloer Ortsteil Rethwischfeld mehr Platz brauchen. Schließlich hatten sie damals den Musikzug in ihre Reihen aufgenommen und damit dessen Fortbestand gesichert. Und da auch der Mannschaftstransportwagen (MTW) eine neue Unterstellmöglichkeit brauchte, entstand die Idee, die Raumnot mit einer Garage zu lindern, zumal es dafür Zuschüsse vom Land geben sollte. Vier Jahre später ist vom Anbau immer noch nichts zu sehen. Jetzt soll aber zumindest der erste Bauabschnitt des Vorhabens auf der Rückseite der Fahrzeughalle in Angriff genommen werden.

Das Verfahren sei „nicht immer glücklich“ verlaufen, erklärte Bauamtsleiter Kurt Soeffing, in dessen Zuständigkeit das Projekt erst seit relativ kurzer Zeit liegt. Der Bericht der Verwaltung über das ständige Hin und Her zwischen Stadt und Fördermittelgeber liest sich ermüdend. Da ist über die Jahre hinweg von mehrmals geänderten Planunterlagen die Rede, zeitlichen Aufschüben, Ablehnungsbescheiden und dem finalen Neuantrag von September 2019, der offenbar im Juni dieses Jahres positiv beschieden wurde. Rund 57 460 Euro hat das Land bereits an die Stadt überwiesen. Das Geld muss bis zum 31. Dezember 2021 verbaut sein. Sonst muss die Summe mit Zinsen zurückgezahlt werden.

Wie Soeffing informierte, besteht jedoch weiterer Handlungsbedarf. Bei einer Besichtigung der Feuerwehr-Unfallkasse sei moniert worden, dass die sogenannte Schwarz-Weiß-Trennung in den Räumen der Rethwischfelder nicht gewährleistet sei. Damit ist gemeint, dass die Feuerwehrleute ihre von Einsätzen mit Ruß und anderen Schadstoffen kontaminierte Schutzausrüstung nicht wirklich separat von ihrer sauberen Alltagskleidung unterbringen können. Dafür solle in einem zweiten Bauabschnitt gesorgt werden.

Kritik am gesamten Prozedere übte Anita Klahn (FDP). Aufgrund persönlicher Kontakte zu Bewohnern des Dorfes habe sie sich bei der Ortswehr erkundigt, wie es um das Neubauprojekt stehe. Bei einer Jahreshauptversammlung habe sie Informationen bekommen, die sie dazu bewogen hätten, mit ihrer Fraktion nun einen eigenen Antrag zu stellen.

„Seit 2016 haben sich die Gegebenheiten stark verändert. Inzwischen müssen auch die Sozialräume den Arbeitsschutzbedingungen angepasst werden. Das ist bislang in keiner der Beschlusslagen berücksichtigt worden. Es ist nicht mit den Feuerwehrleuten diskutiert worden, was sie wirklich brauchen“, monierte Klahn. Um das nachzuholen, beantragte sie, einem Experten Rederecht während der Sitzung einzuräumen. Das sorgte am Rande für Irritation. Oldesloes Gemeindewehrführer Olaf Klaus stieß es sauer auf, dass sie auf den Wehrführer von Rethwischfeld verwies. Er verwies darauf, dass es gewisse Dienstwege innerhalb der Feuerwehr gebe. Eigentlich sei er es, der berechtigt sei, eine Stellungnahme abzugeben. Weiter kam er indes nicht, da ihm das Wort entzogen wurde. Letztlich äußerte sich kein einziger Feuerwehrmann zum Sachverhalt.

„Der Auftrag an uns lautete ganz klar: ,Bauen Sie eine Garage’. Damit war klar, dass es sich um einen Anbau handeln sollte und der Bestandsbau nicht angefasst wird“, wies Bürgermeister Jörg Lembke das Ansinnen der FDP zurück, sich für einen Neubau einzusetzen. Es sei nicht so, dass die Nutzung des Gerätehauses in irgendeiner Form gefährdet sei. Einige Forderungen aus dem Bericht der Unfallkasse werde die Stadt auch schon zeitnah erfüllen. „Aber es gibt keinerlei Grund, jetzt in Panik zu geraten, die Feuerwehr könnte dort nicht mehr arbeiten, wenn nicht alles sofort umgesetzt wird“, sagte Lembke.

Während der Bürgermeister davon abriet, vom eingereichten Konzept abzuweichen, um die Fördermittel nicht zu verlieren, rief Manfred Lieder (FBO) zu „mehr Mut“ auf und einmal gefasste Beschlüsse zu ändern, „wenn sie nicht mehr in die Zeit passen“. Dem mochte sich die Mehrheit im Ausschuss jedoch nicht anschließen und stimmte gegen den FDP-Antrag.

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