Altes Amtsgebäude soll abgerissen werden

Lübecker Nachrichten   11.11.2020

Anfang 2019 ist die Verwaltung umgezogen – Kreis übernahm das Gebäude, hat jetzt jedoch massive Schäden festgestellt – Kreispolitiker sind daher für Abriss und Neubau – Kosten: rund zehn Millionen Euro

Von Markus Carstens

Schon seit Monaten verhüllt und mit Gerüst: das Gebäude der Kreisverwaltung an der Oldesloer Mewesstraße. fotos: carstens

Bad Oldesloe. Böse Überraschung für die Kreisverwaltung und die Kreispolitik: Das Gebäude E des Verwaltungskomplexes in Bad Oldesloe ist derart marode, dass ein Neubau fällig wird. Geschätzte Kosten: rund zehn Millionen Euro. Ursprünglich sollte die Fassade des Baus an der Mewesstraße saniert werden, doch dabei wurden weitere massive Schäden entdeckt. „An vielen Stellen kam korrodierter Bewehrungsstahl zum Vorschein, da offenbar bereits bei der Erstellung mit zu geringer Betondeckung in diesen Bereichen gearbeitet wurde“, erklärt Thilo Scheuber, Leiter des Fachbereichs Bau. Auch Abplatzungen und Risse des Betons wurden sichtbar.

Das Gebäude E ist viergeschossig, wurde zwischen 1974 und 1977 errichtet und war seitdem auch Heimat der Amtsverwaltung des Amtes Bad-Oldesloe-Land. Erst im Februar 2019 zogen die knapp 40 Mitarbeiter in den Neubau an der Louise-Zietz-Straße ebenfalls in Bad Oldesloe. Dem Amt gehörte etwa die Hälfte des Gebäudes, es verkaufte seinen Anteil bereits 2017 für 800 000 Euro an den Kreis. Grundstück und Gebäude sind seitdem vollständig im Eigentum des Kreises Stormarn.

Derzeit ist dort unter anderem der Fachdienst Veterinärwesen untergebracht. Der IT-Verbund Stormarn hat unterdessen vor Kurzem seine neue Bleibe im Reinfelder Gewerbegebiet an der A 1 bezogen. Nach der angedachten Modernisierung sollten der Fachdienst Wasserwirtschaft und die Untere Naturschutzbehörde in das Gebäude einziehen. Aufgrund der aktuellen Stellenpläne sei der Kreis auf die Nutzung aller Geschosse angewiesen. Die Stormarner Kreisverwaltung in Bad Oldesloe wächst jedes Jahr, auch durch die Zuteilung immer neuer Aufgaben. Mittlerweile sind dort mehr als 800 Mitarbeiter beschäftigt.

Mithilfe von externen Experten, Betonsachverständigen, eines Betonlabors und eines Statikers wurden verschiedene Sanierungsvarianten für das alte Amtsgebäude durchgespielt, die sich jedoch allesamt als zu teuer und unwirtschaftlich entpuppten. Also gab es auch für die Kreispolitiker gar nicht viel zu diskutieren. Sie votierten im Wirtschafts-, Planungs- und Bauausschuss einstimmig für Abriss und Neubau. „Eine Sanierung für viele Millionen, und das Gebäude hält dann zehn Jahre. Da schütteln ja alle Fachleute den Kopf“, sagte Ausschussvorsitzender Wolfgang Gerstand (CDU).

Die SPD schluckte derweil kräftig ob der horrenden Summe von veranschlagten zehn Millionen Euro. Frank Schmalowsky verwies auf den Neubau der Rettungsleitstelle (21 Millionen) und den Anbau an die Berufliche Schule Bad Oldesloe (7,5 Millionen). „Wir müssen aufpassen, dass wir keine Elbphilharmonie-Diskussion bekommen und später bereuen, zu wenig eingeplant zu haben“, sagte dazu Landrat Henning Görtz (CDU).

Fred Grosser (Linke) gab zu bedenken, dass die Entwicklung derzeit Richtung Homeoffice gehe, man also vielleicht gar nicht so viel Platz benötige.

Aber warum sind die Schäden überhaupt so groß und bis jetzt nicht erkannt worden? „Wir wussten damals, dass wir kein neues Gebäude kaufen“, sagte Wolfgang Gerstand und stellte klar: „Das sind verdeckte Mängel, die niemand erahnen konnte.“ Der Standort sei richtig gewesen. „Es ging um das Gelände und die Nähe zur Kernverwaltung und um Synergien.“

Nun soll das Gebäude also abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. „Ein Zukunftsgebäude nach modernsten Standards“, wie Thilo Scheuber es ausdrückt. Wie groß dieses wird und für welche Nutzergruppen ausgelegt, müsse nun erstmal ermittelt werden. Sogar der Standort steht noch gar nicht genau fest. In der Diskussion ist auch das Gewerbegebiet an der A 1, wo ja bereits die neue Rettungsleitstelle gebaut wird. Die Tendenz ist jedoch, in der Nähe der Hauptverwaltung zu bleiben. Baubeginn könnte frühestens Ende 2022 sein. „Unseren Haushalt wird das nun über die nächsten Jahre belasten, das ist aber notwendig“, sagte Wolfgang Gerstand.

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