Betrachtungen zum Wochenausklang: Mit Augenmaß in die Zukunft

Stormarner Tageblatt  14.11.2020

Stormarner Wochenschau

Mit Augenmaß in die Zukunft

Megi Balzer
Megi Balzer

Patrick Niemeier, Stephan Poost und Volker Stolten

Kollekte für Togo 2020 ist schon ein verflixtes, ein schäbiges Jahr. Eines, das virusinfiziert an die Substanz geht und tiefe Spuren hinterlässt. Ein gebrauchtes Jahr, das niemand braucht. Mit dem aber jeder klarkommen muss. Ob er will oder nicht. Klar und menschlich ist, das einem in Pandemie-Zeiten das Hemd näher ist als die Hose, das jeder für sich selbst versucht, so gut wie möglich über die Runden zu kommen. Gut ist aber auch –  trotz aller Misslichkeiten – nicht das große Ganze aus dem Augenwinkel zu verlieren, mal über den Tellerrand zu schauen. Der Bargteheider Konfirmand Tim Klostermeyer hat das  getan. Bezüglich der Frage der  Ev. Kirche, an wen  denn die Konfirmanden-Kollekte in diesem Jahr  gehen soll, erinnerte sich der junge Mann  an eine Spendenaktion für eine Schulmädchen-Klasse im westafrikanischen Togo  und plädierte nun erneut dafür, das Geld denen zukommen zu lassen, die wahrlich jede Hilfe gebrauchen können. Gute Idee, gute Sache – angenommen! Somit fließt die Kollekte  in Höhe von 1500 Euro in Schulbesuch und Bildung junger Schulmädchen in Togo. Gerade in Corona-Zeiten ein feiner Zug. Er zeugt von Mitmenschlichkeit – über den Tellerrand hinaus.

Gute Nachbarschaft Zugegeben, der Empfang für das Amazon-Auslieferungszentrum in Bad Oldesloe war frostig. Und ja, viele Bad Oldesloer nutzen Amazon trotzdem — auch die, die traurig sind, wenn dabei der lokale Handel vor die Hunde geht und sie sich jetzt über mehr Verkehr und die Arbeitsbedingungen bei Logistikern allgemein und Onlinehändlern wie Amazon im Speziellen beschweren. Doch es wirkt sowieso so, als sei Amazon  — einer der großen Gewinner der Corona-Krise — Kritik egal. Wie ein helles Ufo ist das Unternehmen in Bad Oldesloe gelandet. Der geradezu absurd hell ausgeleuchtete Parkplatz strahlt in die Fenster der Rethwischfelder. Wenn man Statements von Amazon erhält – zumeist professionell und unverbindlich freundlich sowie rhetorisch geschickt verpackt – klingt es, als würden die Amazon-Aliens sagen, dass sie in Frieden kommen. Dass ihr Unternehmen generell in der Kritik steht, was Arbeitsbedingungen und Geschäftspraktiken angeht, wird weggeatmet oder mit dem Feigenblatt einiger Spenden an offensichtlich gut als PR zu nutzende Zwecke halb überdeckt. Der Sprecher eines solchen Unternehmens kann nichts für die Philosophie seines Arbeitgebers — gut, er hätte sich einen anderen aussuchen können. Besser als abgedroschene Versprechen und absetzbare Spenden aus der Portokasse wäre es, wenn Amazon einfach generell angemessene Steuern zahlen müsste und für anständige Entlohnung nach Tarif und Arbeitsverhältnisse sorgte, die den Gewerkschaften nicht ständig übel aufstoßen. 

Nördliche Sonne
Wein aus dem Norden? Bis vor wenigen Jahrzehnten gab es lediglich den Lübecker Rotspon, ein französischer Rotwein, der in leeren Heringsfässern in die Hansestadt gebracht wurde. Heutzutage gibt es mehrere „Weinberge“ im Norden, so auch in Delingsdorf. Dort wächst ein edler Tropfen mit einer Ausbeute von rund 3500 Flaschen in diesem Jahr. Im nächsten Jahr soll der sogar zu kaufen sein. Machen wir uns nichts vor, dass die ersten Reben hier mit Erfolg angebaut werden und einen trinkbaren Wein ergeben, liegt nicht nur am Können der Winzer. Es liegt auch am Klimawandel, es liegt daran, dass es auch bei uns immer wärmer wird. Da verändert sich natürlich die Landwirtschaft, neue Pflanzen bringen Ertrag, andere weichen. An sich ist es doch sehr gut, wenn Landwirte auf die veränderten Rahmenbedingungen durch den Klimawandel reagieren, sich anpassen. Wir werden das auch in der Forstwirtschaft erleben und auch im privaten Garten: Rahmenbedingungen ändern sich und wir müssen reagieren.

Silberstreif
Der Kreis baut vor und richtet in den kommenden Wochen die ersten Impfzentren ein, drei an der Zahl. Was sich auf den ersten Blick wie der berühmte Silberstreif am Horizont liest, ist klassische Vorsorge. Wenn der Impfstoff fertig ist, dann soll auch die Infrastruktur fertig sein, formuliert es der Landrat. Von Silberstreif kann also noch gar keine Rede sein, zumal die Zahl der Neuinfizierten im Kreis weiter steigt, wie auch die Zahl derer, die in Krankenhäusern behandelt werden müssen sowie die Zahl der mit oder an Corona Verstorbenen. Wir müssen also konsequent bleiben, dürfen nicht nachlassen im Bemühen, Infektionen zu vermeiden. Genau in diese Sachlage passt das Durchgreifen des Oldesloer Bürgermeisters: Der sperrte in dieser Woche kurzerhand den Kunstrasen und das Skateland am Exer, da an dieser Stelle die geltenden Regeln wie Kontaktbeschränkungen und Maskenpflicht nicht eingehalten wurden.

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