Keine Maske, kein Abstand: Stadt sperrt Sportanlagen

Lübecker Nachrichten   13.11.2020

Weil es vermehrt Beschwerden über Verstöße gegen Corona-Regeln gegeben hat, sind ab heute die fünf Sportaußenanlagen auf dem Exer bis zunächst 30. November gesperrt – Auch Schulsport ist betroffen.

Von Sandra Freundt

Bereits im März beim ersten Lockdown war die Nutzung des Skatelands verboten und sogar durch Absperrband abgeriegelt worden. Jetzt ist es wieder soweit.foto: Sandra Freundt

Bad Oldesloe. „Ab Freitag dürfen der Kunstrasenplatz, das Skateland, der Dirtpark, der Basketballplatz und der Streetworkout-Bereich nicht mehr genutzt werden.“ Diese Nachricht der Stadt von der Sperrung der Außensportanlagen auf dem Exer hat bei allen Betroffenen in Bad Oldesloe wie eine Bombe eingeschlagen. Hatten sich die Kinder und Jugendlichen doch gerade noch gefreut, dass auch im Teil-Lockdown die Außensportanlagen auf dem Exer zur Nutzung weiter freigegeben waren, kommt nun diese überraschende Wende.

Grund sind Verstöße gegen Corona-Auflagen. „Wir sind zu diesen Maßnahmen angehalten, da Maskenpflicht und die Mindestabstände nicht eingehalten werden“, heißt es weiter von Seiten der Stadt Bad Oldesloe. „Tatsächlich hat es mehrere Beschwerden gegeben“, bestätigt Stadt-Sprecherin Agnes Heesch. Nach LN-Informationen haben sich auf der Skate-Anlage allein am Wochenende Dutzende junge Leute aufgehalten, viele von ihnen ohne Maske.

„Ich hielt schon das allgemeine Sportverbot im Kampf gegen das Coronavirus für einen Fehler“, betont Bernd Neppeßen vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und Vorsitzender des Volleyballclubs Bad Oldesloe (VCBO). Er hat mit seinem Programm „Sport vor Ort“ sportliche Aktivitäten für Kinder und Jugendliche in der Kreisstadt geschaffen. „Welche Möglichkeiten haben diese denn jetzt für Treffen und sportliche Betätigung?“, fragt Neppeßen. Er befürchtet, dass die etwa 5000 Oldesloer Schülerinnen und Schüler sich jetzt wieder mehr vor dem Computer aufhalten werden. Statt mit der fast sofortigen Sperrung direkt Nägel mit Köpfen zu machen, hätte Neppeßen sich gewünscht, zunächst – auch gerne gemeinsam – über Alternativen nachzudenken, so beispielsweise über die Nutzung der Plätze nur als Kohorte oder aber eine Aufsicht zu stellen.

Gespräche vorab hätte sich auch Martin Nirsberger, Schulleiter der Theodor-Storm-Schule (TSS), gewünscht, denn in das Nutzungsverbot ist auch der Schulsport mit eingeschlossen. „Ich habe dafür kein Verständnis, denn wir Schulen, in diesem Fall die TSS, das Gymnasium und die Ida-Ehre-Schule, haben uns vorbildlich über die Nutzung abgesprochen und die geltenden Hygiene-Maßnahmen korrekt umgesetzt. Bei unseren Sportunterrichten ist ja auch stets eine Lehrkraft zugegen, die auf die Einhaltung der Vorschriften achtet“, betont Nirsberger. Er sieht die Schulen bestraft für einen Fehler der Allgemeinbevölkerung.

Wie Neppeßen sieht auch Nirsberger hier andere Möglichkeiten, so vielleicht mehr Kontrollen. „Für das Aufschreiben von falsch parkenden Autos ist ja auch genug Personal da“, ereifert sich der Schulleiter. Und vielleicht wäre es durch mehr Kontrollen der Sportaußenanlagen gar nicht zu der jetzigen Sperrung gekommen. Für den ohnehin schon durch die Corona-Maßnahmen – wie den gesperrten Duschbereich – eingeschränkten Sportunterricht in den Hallen, muss der Schulleiter jetzt weiter improvisieren. „Wir werden auf den Kurpark und unseren schuleigenen Außenplatz ausweichen müssen“, sagt Nirsberger. Auch wieder nutzbar soll das zuletzt durch Umbaumaßnahmen gesperrte Travestadion sein.

Entsetzt über die Sperrung zeigt sich auch der Oldesloer Kinder- und Jugendbeirat. „Ich hab das gerade erst erfahren“, erklärte sein Vorsitzender Lennard Hamelberg am Donnerstagnachmittag, ließ sich aber direkt von der Stadt über die Maßnahmen aufklären und versprach: „Wir werden uns auf jeden Fall damit auseinandersetzen und schauen, wie wir die Kinder und Jugendlichen in dieser Situation unterstützen können.“ Denn Fakt ist, dass diese ihren Hobbys nun erst mal nicht mehr auf dem Exer nachgehen können. Eltern befürchten, dass jetzt wieder mehr die Straße, Parkhäuser und der Bahnhof für gewagte Sprünge und Tricks genutzt werden.

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