Sanierung der Stormarnhalle: Könnte Star-Architekt klagen?

Lübecker Nachrichten   18.11.2020

Über die Kosten der Instandsetzung des 50 Jahre alten Baus in Bad Oldesloe ist viel diskutiert worden – Jetzt gibt es Befürchtungen, dass es zu einer Urheberrechtsklage kommen könnte

Von Dorothea von Dahlen

Adonis mit Lorbeerzweig vor der Stormarnhalle in Bad Oldesloe: Die Statue stammt vom Rohlfshagener Bildhauer Richard Kuöhl. Foto: von Dahlen

Bad Oldesloe. Noch ist nicht das letzte Wort gesprochen in Bezug auf die Oldesloer Stormarnhalle. Nachdem die Verwaltung unlängst bei einer kurzfristig einberufenen Sondersitzung schon hilfreiche Details zu den Schäden und Umbaumaßnahmen am Gebäude öffentlich gemacht hatte, sind jetzt weitere Aspekte bekannt geworden, die eine Entscheidung für oder gegen die Sanierung nicht gerade leichter machen. Im schlimmsten Fall könnte die Stadt verklagt werden, sobald sie einschneidende Veränderungen an der Halle vornimmt. So wurde jetzt bekannt, dass die Holzdecke entfernt werden muss, da sie als große Brandlast gilt.

„Wer dem Ingenieur der Verwaltung im WPA (Wirtschafts- und Planungsausschuss) aufmerksam zugehört hat, dem muss aufgefallen sein, dass von der Halle nicht viel mehr übrig bleiben wird als die Betonspannteile, die ihm zufolge immer noch gut sind nach 50 Jahren“, sagte die Freidemokratin Anita Klahn, Stadtverordnete in Bad Oldesloe. Das dürfe aber nicht dazu führen, dass man die Immobilie bis auf diese intakten Elemente stehen lasse und den Rest darum wieder aufbaue.

Deshalb stelle sich die Frage, ob nicht ein kompletter Neubau sinnvoller sei. Noch überhaupt nicht in den Blick geraten sei aber das Urheberrecht des Architekten. „Ich erinnere noch an andere Baustellen in dieser Stadt, wo uns dies am Ende teuer zu stehen gekommen ist“, sagte Anita Klahn.

Sie bezog sich damit auf Verbindlichkeiten, die im Zusammenhang mit der Sanierung des Oldesloer Travebads entstanden waren. So hatte sich der Hamburger Architekt Asmus Werner dafür entschädigen lassen, dass der Grundriss der von ihm geplanten Sportstätte aus seiner Sicht maßgeblich verändert und somit sein Urheberrecht empfindlich verletzt werden sollte. Damals hatte es eine außergerichtliche Einigung gegeben. Über die Höhe der Summe wurde öffentlich nichts bekannt.

Um erneuten Schaden von der Stadt abzuwenden, schaltete sich auch Andreas Lehmann (CDU) in die Debatte ein. Er wies darauf hin, dass der „geistige Vater“ der Stormarnhalle ebenfalls auf sein Recht pochen könne. Schließlich handele es sich um Meinhard von Gerkan, der bereits erfolgreich beim Bau des Berliner Hauptbahnhofs geklagt habe. Zur Erinnerung: Der Hamburger Stararchitekt war 2005 vor Gericht gezogen, weil im Untergeschoss des Bahnhofs statt seiner aufwendigen gewölbeartigen Decke eine vereinfachte Konstruktion gebaut wurde. Weil es sich nach Auffassung der zuständigen Kammer des Berliner Landgerichts um eine „tiefgreifende Verfälschung“ handelte, verlor die Deutsche Bahn AG den Prozess und musste alles wieder zurückbauen.

Auf eine bis vor Kurzem noch nicht bekannte Veränderung hatte Matthias Rohde (FBO) hingewiesen. Er merkte kritisch an, dass geplant sei, eine Schallschutzwand zu entfernen. „Die Stormarnhalle ist für uns unverzichtbar auch für Veranstaltungen und Konzerte. Deshalb könnte der Teilabbau zum Problem werden. Nicht dass wir für teures Geld eine Wand abreißen, die die Akustik erträglich macht, und später feststellen, dass es hallt und zieht“, sagte Rohde.

Phasenweise sah es so aus, als würde der Beschluss in Sachen Stormarnhalle noch einmal vertagt werden. Doch letztlich gab es Hemmungen, die Tür zur Fördermittelausgabe vorschnell zuzuschlagen. Während die FDP dem Beschluss, für die Sanierung der Stormarnhalle Anträge auf Zuschüsse von Land und Bund zu stellen, eine Absage erteilte und aus der Stadtfraktion eine Enthaltung kam, stimmten 27 Stadtverordnete dafür. Damit wurde der Verwaltung grünes Licht gegeben, 425 000 Euro in den Haushalt 2021 einzustellen sowie 793 700 Euro für das Jahr 2022, 3 Millionen Euro für 2023 und weitere 2,2 Millionen Euro für 2014. Die Sanierung, so heißt es einschränkend, werde jedoch nur weiterverfolgt, wenn die Kommunalaufsicht den Etat der Stadt genehmige und tatsächlich Fördermittel fließen. Zwei Programme könnten dafür in Frage kommen. Gelänge eine Zusage über den „Investitionspakt zur Förderung von Sportstätten“, müsste Bad Oldesloe einen Eigenanteil von 1,127 Millionen Euro tragen. Beim Bundesprogramm würde es erheblich teurer, nämlich 3,28 Millionen Euro.

Mit enthalten im Paket des Beschlusses war der Auftrag an die Verwaltung, parallel zu prüfen, ob es nicht doch auch Zuschüsse für den Neubau einer Halle geben könnte. Auf Antrag von Anita Klahn wurde dieser Punkt gesondert abgestimmt und letztlich einhellig verabschiedet. Die neuen Informationen sollen Aufschluss darüber geben, ob es sinnvoller ist, die Stormarnhalle zu sanieren oder eben komplett abzureißen.

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