Betrachtungen zum Wochenausklang: Wer trägt hier Verantwortung?

Stormarner Tageblatt  21.11.2020

Stormarner Wochenschau

Wer trägt hier Verantwortung?

Megi Balzer
Megi Balzer

Stephan Poost Zuständigkeiten

„Dafür bin ich nicht zuständig!“ Diesen Satz wähnt man doch in den klischeehaften Amtsstuben der 50er und 60er Jahre. In Zeiten des kundenorientierten Arbeitens in der Verwaltung scheint er weit weg. Nicht so in der Kreisstadt. Dort bekommt man ihn auch heute noch zur Antwort. Zumindest dann, wenn es darum geht, der Öffentlichkeit klar zu machen, dass die Damen und Herren der Parkraumüberwachung Strafzettel schreiben sollen, aber nicht Maskenverweigerer ermahnen oder gar darauf achten sollen, dass sich kein Sperrmüll in den Parkhäusern der Stadt türmt. Man könnte die ganze Geschichte abtun, doch zeigt sie, dass immer noch nicht in allen Rathäusern angekommen ist, dass die Verwaltung Dienstleister für die Bürger ist. Und mit Verwaltung meine ich jeden einzelnen Mitarbeiter – angefangen beim Bürgermeister. Übrigens, der Kühlschrank, der lag auch am Freitag immer noch im Parkhaus…

Fahrstuhl des Grauens

Gefangen in einem Fahrstuhl irgendwo zwischen Erde und Himmel, kein schöner Gedanke. Zwei Brüder, Monteure der Telekom, haben in dieser Woche genau das erlebt. Der Aufzug im Funkturm Neverstaven steckte fest, irgendwo auf dem Weg nach oben. Doch die Brüder waren zuversichtlich, wussten sie doch, dass sie lediglich einen Notruf absetzen mussten. Gesagt, getan! Und schon eilte die Feuerwehr Grabau zum Funkturm, der übrigens für die Verbreitung von Radio- und Fernsehprogrammen genutzt wird. Die Feuerwehrleute retteten die Brüder aus dem Turm, die völlig entspannt noch Zeit und Muße für ein Gruppenfoto hatten. So läuft es zwischen Himmel und Erde, wenn man sich auf die Feuerwehr in unseren Städten und Dörfern verlassen kann!

Neue Qualität

Es fing harmlos demokratisch an, Menschen demonstrierten in unseren Städten gegen die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie. Das ist gut, denn es stößt eine Diskussion über die Maßnahmen an. Die Pandemie ist neu. Für uns, aber auch für die Politik. Völlig klar, dass dann über Maßnahmen diskutiert und über den richtigen Weg gestritten werden muss. Doch nun sehen wir eine neue Qualität in der Diskussion. Diskussion? Ist es denn noch eine Diskussionskultur, wenn man Minister und Bundestagsabgeordnete im Bundestag beschimpft? Wenn Schulleiter bedroht werden, wie jetzt im Kreis Stormarn? Wenn die berechtigte Kritik betroffener Gruppen wie Künstler oder Gastwirte instrumentalisiert wird und von „jüdischer Weltverschwörung“ geschwurbelt, das Stichwort „Bilderberg-Konferenz“ in die Diskussion geworfen und Bill Gates immer wieder als schwarzer Schatten im Hintergrund beschrieben wird, dann stimmt etwas nicht.
Zugegeben, unsere Welt ist komplex und die Herausforderungen, egal ob Klimawandel oder Corona-Pandemie, sind nicht von einzelnen Staaten oder gar Menschen zu bewältigen, aber wer vor dieser Komplexität kapituliert und offenbar Verwirrten mit vermeintlich logischen und einfachen Antworten hinterherrennt, der hat kein Recht, sich als kritischer Geist zu betrachten. „Was aussieht wie eine Ente, watschelt wie eine Ente und quakt wie eine Ente, das ist wohl eine Ente.“ So ein Sprichwort, ausgerechnet aus den USA. Übersetzt: Wenn die Zahlen der Infizierten, der schweren Verläufe, der Beatmungsfälle und der Toten steigen, dann haben wir es wohl mit einer Infektionskrankheit zu tun.
Durch Leugnen und Ablehnen der Maßnahmen, durch abstruse Erklärungen und dem Bedrohen und Beschimpfen derjenigen, die Verantwortung tragen,  wird mit Sicherheit kein Schnupfen draus! Niemandem gefallen Kontaktbeschränkungen, Masketragen, geschlossene Kinos, Restaurants und Theater. Aber wer das ablehnt, sollte klar sagen, welchen Plan es als echte und realistische Alternative gibt. Meckern reicht da nicht!

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