Impfgegner beschmieren Jugendherberge mit Parolen

Stormarner Tageblatt  30.11.2020

Überrascht ist man in Bad Oldesloe nicht: Man hatte bereits mit Protesten gerechnet

Peter Wüst Bad Oldesloe Impfgegner haben in der Nacht zum Sonnabend die Fassade für das geplante Impfzentrum in der Jugendherberge in Bad Oldesloe beschmiert: „Hier wirst Du gegen Deinen Willen zwangsgeimft mit Gift des Teufels“, steht da unter anderem in Großbuchstaben zu lesen. „Wir haben mit Protesten gerechnet und sind deshalb nicht überrascht“, sagte Andreas Rehberg, Leiter des Fachbereichs Sicherheit und Gefahrenabwehr in Stormarn. „Jetzt ermittelt die Polizei und nahm den Sachverhalt auf.“ Insgesamt wurden acht Schmierereien im Außenbereich des Gebäudes festgestellt.
Die Jugendherberge in Bad Oldesloe ist eines von insgesamt 29 Impfzentren in Schleswig-Holstein, die am 15. Dezember ihren Betrieb aufnehmen sollen. Neben dem Impfzentrum Nord in Bad Oldesloe gehen das Impfzentrum Mitte in Großhansdorf und das Impfzentrum Süd in Reinbek zu diesem Zeitpunkt in Stormarn ebenfalls an den Start.
Landrat Dr. Henning Görtz: „Mit der Bereitstellung der drei Impfzentren stellen wir sicher, dass die 240.000 Menschen in unserem Kreis die Möglichkeit haben, sich in der Nähe ihres Wohnortes in gut geeigneten Räumlichkeiten impfen zu lassen. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag für den Infektionsschutz und für die Gesundheit der Stormarnerinnen und Stormarner. Die Schaffung der drei Impfzentren, die innerhalb weniger Wochen eingerichtet und betriebsbereit sein werden, sind gleichzeitig eine riesige logistische Herausforderung. Ich danke allen Kolleginnen und Kollegen des Kreises, die mit Hochdruck an der Realisierung des Projektes mitgewirkt haben, ebenso danke ich den verschiedenen Institutionen in Bad Oldesloe, Großhansdorf und Reinbek für die Bereitstellung der Räume.“

Impfung ist freiwillig und kostenlos
Der Ablauf ist in allen Impfstandorten gleich: Die Impfung ist freiwillig und kostenlos. Aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit zu Beginn wird eine Priorisierung der Impfungen erfolgen. Zunächst stehen deshalb die Impfstoffe für Ärzte, Krankenhauspersonal, Medizinisches und Pflegepersonal sowie für Polizei und Rettungskräfte bereit. Danach sind die Impfungen für Angehörige der Risikogruppen geplant.
Die Impfungen werden mit Termin sowie Nachweis einer entsprechenden Impfberechtigung durchgeführt. Zum genauen Anmeldeverfahren und den Voraussetzungen wird das Ministerium noch informieren. In Vorbereitung ist dafür eine Online-Anmeldung. „Diese vergibt Termine und Zeitfenster, um Wartezeiten in den Impfzentren auf ein Minimum zu begrenzen“, erklärten Andreas Rehberg vom Kreis Stormarn und dessen Mitarbeiter Birte Riebel und Thilo Scheuber bei der Vorstellung in Bad Oldesloe.
Um eine sichere Impfung zu ermöglichen wurde bei der Auswahl der Stormarner Impfzentren unter anderem auf ausreichend große Räumlichkeiten zur Einrichtung von Wartezimmern, Impfräumen sowie Ruhe- und Beobachtungsräumlichkeiten geachtet. Den fristgerechten Ausbau im Kreis erledigt das Technische Hilfswerk (THW): „Unter anderem räumen wir die Gebäude aus, bauen sichere Geländer und Rampen für behindertengerechte Auffahrten“, erläuterte der Bad Oldesloer Ortsbeauftragte des THW, Olaf Götsche. Auch die Küche der Jugendherberge wurde von den THW-Helfern für die Logistik der Lagerung vorbereitet. „Dort werden mehrere Kühlschränke stehen, in denen die Impfstoffe für den täglichen Bedarf gelagert sind. Vorräte werden dort keine aufbewahrt. Nachts sind die Schränke alle leer. Zusätzlich wird das Gebäude von einem Sicherheitsdienst bewacht. Auch die Polizei wird im Rahmen der Streife dort Präsenz zeigen“, gab Andreas Rehberg bekannt.
Insgesamt sei man auf die Aufgaben in den Impfzentren gut vorbereitet, so der Fachdienstleiter Sicherheit und Gefahrenabwehr des Kreises Stormarn weiter. „Eintreten darf dort künftig nur, wer einen Termin bekommen hat. Mit Symptomen soll niemand erscheinen. Auch deshalb müssen die Impfkandidaten nach der Anmeldung einige Standardfragen zur Gesundheit beantworten, wie man sie vom Arztbesuch schont kennt.“ Danach geht es in den Warteraum, Stühle sind dort in großzügigen Abständen aufgestellt.

Generalprobe ohne Impfstoff
Nach Aufruf geht es in Bad Oldesloe in den Kernbereich der dortigen fünf Impflinien mit insgesamt 23 Kräften an Personal. Wer seine Impfung erhalten hat, setzt sich in den hinteren Wartebereich des Gebäudes. Dort steht ebenfalls medizinisches Personal bereit. Wenn sich die Geimpften nach einer Viertelstunde fit fühlen, können sie gehen.
Bevor das Impfzentrum offiziell startet, werden die einzelnen Abläufe in einer Generalprobe ohne den Impfstoff durchgespielt. 175.000 Impfdosen erwartet Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) im Dezember in Schleswig-Holstein.

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