Einige Fragen sind noch offen

Stormarner Tageblatt  01.12.2020

Politik vertagt Entscheidung über Integration der Tanzsparte in die Musikschule Bad Oldesloe

Marian Henze, Leiter der Oldesloer Musikschule, im Ausschuss. finn fischer
Marian Henze, Leiter der Oldesloer Musikschule, im Ausschuss. finn fischer

Finn Fischer Bad Oldesloe Nach außen ist die Schule für Ballett und Tanz längst in die Oldesloer Musikschule integriert. Deswegen hat die musikalische Bildungseinrichtung im Bildungs-, Sozial- und Kulturausschuss beantragt, dass die jährliche Förderung durch die Stadt in Höhe von 35.000 Euro auch den Fachbereich „Ballett und Tanz“ ausgleicht.
Eigentlich nur eine Formsache. Denn der Fachbereich schreibt keine negativen Zahlen. Vielmehr würde das dem Musikschul-Team Zeit sparen, weil dann nicht jedes Jahr zwei Haushalte aufgestellt werden müssten. Doch mehrere Ausschussmitglieder sprachen sich dagegen aus. Allen voran Jörn Lucas (CDU). „Ich halte es für kritisch, als Stadt den Tanzbereich zu subventionieren“, so der Lokalpolitiker. Denn es gibt in Bad Oldesloe mehrere private Tanzschulen, die ein ähnliches Angebot haben. Die Befürchtung: Diesen Anbietern könnten dadurch Nachteile entstehen.
Die FDP will vor einer Entscheidung erst noch ein paar Fragen geklärt haben und fordert unter anderem eine Aufstellung der Finanzsituation des Ballett- und Tanzbereichs. „Das würde ich schon gern als Grundlage haben, um zu wissen, in welcher Höhe in Zukunft gegebenenfalls Zuschüsse für den Fachbereich Ballett und Tanz auf uns zukommen“, sagte Anita Klahn (FDP). Damit soll sichergestellt werden, dass durch die Zusammenführung der Haushalte keine Nachteile für Musikschüler entstehen. „Unsere Zielsetzung muss eigentlich sein, dass sich die Beiträge hier nicht erhöhen“, so Klahn.

Kollegium zum Großteil aus Honorarkräften
Laut Musikschule ist diese Sorge unbegründet. Der Ballett-und-Tanz-Bereich war 2019 nicht nur kostenneutral, sondern machte ein Plus von 14.000 Euro. „Zusätzliche Kosten entstehen für die Musikschule nicht“, sagte Musikschulleiter Marian Henze. Außerdem wies er darauf hin, dass die Musikschule im Verhältnis zu den stetig steigenden Schülerzahlen immer weniger Bezuschussung bekommt. Zur Gründung bekam die Oldesloer Musikschule noch 60 Euro pro Jahr und Schüler. Mittlerweile liegt dieser Wert nur noch bei 27 Euro.
„Der Erfolg der Musikschule lastet auch auf dem Rücken eines großen Kollegiums, das zu 90 Prozent aus Honorarkräften besteht“, sagt Marian Henze. Das Argument, eine Zustimmung für eine offizielle Integration der Ballettschule könnte eine Wettbewerbsverzerrung zur Folge haben, kann der Musikschulleiter nicht nachvollziehen: „Unser Ziel ist es, niedrigschwellige Angebote anzubieten, die private Anbieter vielleicht nicht leisten können. Bestimmte Bereiche wie Tanz mit Handicap oder eben auch Kurse mit Sozialermäßigung für Menschen, die sich das normalerweise nicht leisten könnten.“
Derzeit arbeitet die Oldesloer Musikschule an einem neuen, gerechteren Zuschussmodell, dass Henze im kommenden Jahr vorstellen will. Die Lokalpolitik hat die Entscheidung über die Integration der Ballettschule daher vertagt.

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