Abschied vom Bauamtsleiter und Umweltexperten

Lübecker Nachrichten   02.12.2020

27 Jahre arbeitete Dr. Kurt Soeffing in der Verwaltung von Bad Oldesloe – Nun startet er in den Ruhestand

Von Dorothea von Dahlen

Bauamtsleiter Dr. Kurt Soeffing sagt zum Abschied Servus. Noch hat er die Aktentasche bei sich. Foto: D. von Dahlen

Bad Oldesloe. Die fuchsrote Aktentasche aus genarbtem Leder hat ausgedient. Ein letztes Mal begleitete das gute Stück den Oldesloer Bauamtsleiter in den Wirtschafts- und Planungsausschuss. Anschließend konnte Dr. Kurt Soeffing das darin mitgeführte Konvolut von Planzeichnungen, Gesetzestexten, Gutachten und anderen Schriftstücken getrost ad acta legen. An ihre Stelle rücken jetzt Zollstock, Wasserwaage und ein gut gefüllter Werkzeugkoffer. „Um 8 Uhr klingelt morgens der Wecker, bis Weihnachten muss die neue Küche eingebaut sein“, kündigte der Ruheständler am Montag schmunzelnd an.

Diese neue Aufgabe mag den 66-Jährigen ein wenig auf andere Gedanken bringen. Denn der Abschied fällt dem promovierten Biologen offensichtlich nicht ganz leicht. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagte er im Gespräch mit den LN. Immerhin fühlte er sich der Oldesloer Verwaltung 27 lange Jahre eng verbunden. 1994 wurde der bis zu diesem Zeitpunkt selbstständige Gutachter mit Büro in seiner Geburtsstadt Hamburg als Sachbearbeiter in der Umweltabteilung der Stadt angestellt. Der Bereich war damals noch eigenständig und bot viel gestalterischen Spielraum.

Später wurde das Aufgabenfeld in die Stadtplanung integriert und Soeffing avancierte zum Sachbereichsleiter. Unter seiner Ägide entstanden viele der heute gern aufgesuchten Erlebnispunkte in der Stadt. Dazu gehören beispielsweise die Sohlgleiten am Pferdemarkt und am Travewanderweg Höhe Lübecker Straße. Sie dienen nicht nur den Fischen als Aufstiegshilfe, sondern das beruhigende Rauschen des „Wildwassers“ lädt auch Spaziergänger zum Verweilen ein. Und so gehen viele Projekte, die der Naherholung dienen und die Kreisstadt mit ihren intakten Grüngürteln zum beliebten Wohnort werden ließen, auf Soeffings Konto. Nicht zuletzt sorgte er dafür, dass diverse Streuobstwiesen in Bad Oldesloe angelegt wurden und unterstützte die Aktion der Kinderbäume am Steinfelder Redder und die innovative Landschaftspflege mit Wasserbüffeln. Impressionen aus seiner Zeit in der Umweltabteilung hatten im Übrigen seine Kollegen aus der Stadtverwaltung zur Abschluss-Sitzung in einer kleinen Bilderschau zusammengefasst und öffentlich gezeigt.

Nicht alle Vorhaben, die heute als unangefochtene Naturschönheiten gelten, stießen jedoch von Anbeginn auf Gegenliebe. „Wenn man Neues vorhat, wird es erst einmal misstrauisch beäugt, weil Veränderungen auch oft Ängste verursachen“, erzählt Soeffing mit Blick auf die Wolkenweher Niederung. Das Gebiet, mittlerweile beliebtes Ausflugsziel von Wanderern, Vogelkundlern und anderen Naturliebhabern, wurde früher mithilfe eines Schöpfwerks entwässert und bis zur Grünen Brücke als Weidefläche für Kühe genutzt. „Es erforderte eine zunehmend höhere Pumpleistung, um den Boden trocken zu halten“, erinnert sich Soeffing. So sei die Idee entstanden, es in seinen natürlichen Zustand als Feuchtgebiet zurückzuversetzen. In der Bevölkerung sei darüber spekuliert worden, ob eine Veränderung des Wasserhaushalts nicht eine Überschwemmung der Oldesloer Innenstadt zur Folge haben könnte. „Das Gegenteil ist eingetroffen. Wir haben mit der Niederung große Retentionsflächen geschaffen, sodass Beste und Trave entlastet werden. Wie haben letztlich zum Hochwasserschutz beigetragen“, erklärt der Biologe.

Das beste Lob kommt aber von der Natur selbst. „Wenn ich mir anschaue, dass inzwischen Hunderte von Kranichen nach Bad Oldesloe kommen, um sich hier als Rastvögel niederzulassen, dann zeigt das schon, dass die Qualität der Naturräume eine positive Entwicklung genommen hat und dass wir etwas richtig gemacht haben“, sagt Soeffing.

Kurz vor der Zielgeraden sollte seine Karriere noch einmal in eine andere Richtung umschwenken, als Bauamtsleiter Thilo Scheuber zum Kreis Stormarn wechselte. Ohne zu Zögern übernahm Soeffing die Funktion für eineinhalb Jahre. „Und dafür bin ich ihm heute noch sehr dankbar“, sagte Jörg Lembke jetzt bei der Verabschiedung.

„Für mich war es schon eine Herausforderung. Aber ich hatte Erfahrung, war mehr als 20 Jahre im Bauamt angesiedelt, kannte die Stadt und auch die einzelnen Arbeitsschritte. Es war also nicht alles neu“, erzählt Soeffing. In Hinblick aufs Personalmanagement kam jedoch einiges auf ihn zu: 15 Bewerbungsverfahren fielen in seine kurze Amtszeit. Inzwischen sind die Stellen weitgehend besetzt. „Im Bauamt hat ein Verjüngungsprozess eingesetzt, der für die Zukunft hoffen lässt“, sagt der scheidende Leiter stolz. Die Engpässe in Stadtplanung sowie Bauverwaltung und -aufsicht seien behoben. Das sei angesichts der vielen neuen Aufgaben auch dringend nötig gewesen. Schließlich bedürfe es nicht nur eines neuen Verkehrskonzeptes. Dem großen Siedlungsdruck aus Richtung Hamburg müsse die Verwaltung konzeptionell entgegengetreten können.

Die großen Zukunftsdebatten will Soeffing künftig aber eher aus der Ferne beobachten. „Ich habe mir vorgenommen, viel Fahrrad zu fahren, Sport zu treiben und mich mit meinen beiden Shelties zu beschäftigen“, erzählt er. Auch einer anderen, ihm sehr vertrauten Spezies wird sich der Biologe künftig wieder widmen können. Sein bewusst fischfreier Gartenteich bietet der Nordischen Moosjungfer ein sicheres Quartier. Das Verhalten dieser Libellenart hatte Soeffing einst in seiner Doktorarbeit eingehend unter die Lupe genommen.

Dieser Beitrag wurde unter Presseartikel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.