Betrachtungen zum Wochenausklang: Wer wird hier zum Spielball?

Stormarner Tageblatt  05.12.2020

Stormarner Wochenschau

Wer wird hier zum Spielball?

Megi Balzer
Megi Balzer

Patrick Niemeier und Volker Stolten
Gefährliches Spiel
Beim SV Eichede wird momentan corona-bedingt nicht gekickt, dafür in dieser Woche umso mehr geklickt. Wer die lokale Presse und die sozialen Medien verfolgte, erlebte eine beispiellose Öffentlichkeits-Kampagne der Oberliga-Fußballer und des Gesamtvereins aus Steinburg. Grund: Der neue Pachtvertrag mit der Gemeinde ist nicht zustande gekommen. Jetzt sieht der SVE, der unbestritten einer der bekanntesten Fußballvereine der Region ist, sich unfair behandelt und begibt sich in seiner professionell gestalteten Außendarstellung in die Opferrolle. Emotional werden Mannschaften und vermeintliche Verdienste öffentlichkeitswirksam vor- und ausgestellt. In der Fußballtaktik heißt das Pressing auf den Gegner und kontrollierte Offensive. Doch die Frage ist, ob die Kicker damit nicht in einen folgenschweren Konter rennen. Denn die – ziemlich konträre –  Sicht der Gemeinde kam in der Eigendarstellung des Vereins nicht vor, beziehungsweise blieb für die Gemeindevertreter nur die Rolle der Bösewichte. Selbst Fans des SVE kritisieren zum Teil die einseitige Darstellung. Die Kritik lautet  unter anderem, dass zwischen dem Selbstbild des Vereins und der Realität ein Unterschied besteht. Hoher öffentlicher Druck hat in diplomatischen Verhandlungen bisher nur selten geholfen. Längst nicht alle Steinburger interessieren sich für Fußball und manche kritisieren, dass der Verein längst eine überregionale Talentschmiede geworden sei, aber kein Verein mit einer echten Relevanz für die Jugend der Gemeinde. Was bliebe, wären vor allem hohe Kosten, zugeparkte Wohnstraßen an Spieltagen, Trainings- und Spiellärm. Auch der SVE sei halt am Ende nur ein Verein unter vielen und nicht wichtiger als andere Ehrenamtler, die in Steinburg tätig sind. Dass der Eindruck entstehe, der Verein sei sich unter anderem zu fein, um selbst Schnee zu schippen oder sich um Laubbeseitigung zu kümmern, hat unsere Karikaturistin in ihrer Zeichnung eingearbeitet.

Mieses Spiel
Es ist doch immer das gleiche (und miese) Spiel. Wenige scheren aus. Aber alle müssen darunter leiden. Bestes Beispiel ist der nun verlängerte Lockdown im Hotel- und Gaststättengewerbe. Die Sperrstunde hält mindestens bis zum 10. Januar an. Dabei haben die Meisten die Corona-Vorgaben akkurat umgesetzt, Plexiglas-Wände angebracht, ein schlüssiges Abstands- und Hygienekonzept auf den Weg gebracht und Mund-Nasen-Schutz aufgesetzt. Und dennoch sollen Cafés, Restaurants und Hotels die Virus-Hotspots sein. Das kann doch nicht sein. Warum zieht man die Querulanten nicht einfach aus dem Verkehr, statt alle wieder über einen Kamm zu scheren. Vorbild Aschenputtel: „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen… – ganz simpel!     

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