Hat Bad Oldesloe ein Drogenund Diebstahl-Problem?

Stormarner Tageblatt  11.12.2020

Die Polizei meldet im Hauptausschuss einen Anstieg der Zahlen, sieht aber keinen Grund zur Sorge

Patrick Niemeier
Bad Oldesloe Die Wahrscheinlichkeit in Stormarn Opfer eines Verbrechens zu werden, war 2019 in Bad Oldesloe statistisch am höchsten. Bei den konkret angezeigten Straftaten liegt die Kreisstadt in Stormarn aufgrund der Einwohnerzahl hinter Ahrensburg (2.296) auf dem zweiten Rang mit 2.274. Das waren zwei der Erkenntnisse der Präsentation der polizeilichen Kriminalstatistik im Hauptausschuss, der zugleich auch der örtliche Polizeibeirat ist. Dass es in Bad Oldesloe den deutlichsten Anstieg um 269 Taten innerhalb eines Jahres im gesamten Kreis gab, wollten die Lokalpolitiker nicht unkommentiert lassen.
„Woran liegt es, dass man immer hört, dass Verbrechen eher im direkten Randgebiet Hamburgs stattfinden, aber diese Städte wie Glinde und Reinbek deutlich hinter Bad Oldesloe liegen?“, fragte Matthias Rohde (FBO). Bei den Häufigkeitszahlen liege die Kreisstadt schließlich sogar auf dem ersten Platz in der gesamten Polizeidirektion Ratzeburg. Pauschal lasse sich das nicht beantworten, sagte Polizeirat Andreas Kruse, der sich den Fragen der Politik stellte. Es handele sich bei der Wahrscheinlichkeit aber eben auch immer erstmal um statistische Werte, die hochgerechnet werden. „Man muss natürlich auch sehen, dass insgesamt das erfasst wird, was angezeigt wird. Man könnte auch sagen, dass in Bad Oldesloe besonders viel angezeigt wird“, führte er aus.
Allgemein sei der Trend bei der Kriminalität über die vergangenen zehn Jahre gesehen, wie im gesamten Land Schleswig-Holstein auch in Stormarn und Bad Oldesloe langfristig rückläufig. 2010 habe es kreisweit noch 15.025 bekannt gewordene Straftaten gegeben, 2015 noch 13.775 und jetzt sei man trotz eines Anstiegs im Vergleich zu 2019 um ungefähr fünf Prozent bei 13.224 Straftaten in einem Jahr. Natürlich könne man die Frage stellen, ob vielleicht Personal nicht richtig verteilt sei oder vielleicht Fehler gemacht werden, aber dazu gebe es angesichts der Zahlen keinen Anlass, sagte Kruse.
Positiv könne zum Beispiel vermeldet werden, dass es 2020 noch keinen einzigen Pkw-Diebstahl in Bad Oldesloe gegeben habe. Insgesamt gehe er für Stormarn für 2020 von einem Rückgang der angezeigten um rund zehn Prozent aus. Doch die Statistiken seien noch nicht endgültig bereinigt und daher im Detail noch nicht offiziell.
Rückläufig waren im Vorjahr in ganz Stormarn vor allem schweren Sexualdelikte (-53,3 Prozent), sexuelle Belästigung (-26,7) und Fahrraddiebstahl (-24,6), aber auch Gewaltkriminalität (-8,1) und gefährliche sowie schwere Körperverletzung (-5,2). In Bad Oldesloe gingen Pkw-Diebstähle (-42,9) und Fahrraddiebstähle (-35,4) noch deutlicher zurück. Gestiegen sei kreisweit vor allem der Bereich Cyberkriminalität (+19,8 Prozent), Brandstiftung (+20 Prozent), sowie sexueller Missbrauch von Kindern (+21,7), Stalking und Nachstellung (+55,3) und die Verbreitung pornographischer Schriften (+160). In Bad Oldesloe stiegen vor allem Betäubungsmitteldelikte (+81,4), Wohnungseinbruchsdiebstahl (+51,6). Insgesamt stiegen die angezeigten Straftaten in Bad Oldesloe 2019 um 13,4 Prozent an. Doch auch diese Zahlen ließen sich zum Teil einfach erklären. „Wenn es vorher sehr wenige Fälle gab, dann sind natürlich zwei, drei Fälle mehr ein deutlicher Anstieg“, sagte Kruse.
Anika Dietl (SPD) wollte wissen, was sich hinter dem klaren Anstieg bei den Stalking-Anzeigen verberge. „Es kann sein, dass es hier ein einziger Täter ist, der immer wieder und mehrfach angezeigt wurde oder dass die Zahlen in diesem Bereich vorher sehr gering waren. Die konkreten Zahlen müsste ich nachliefern“, antwortete Kruse.
Im Bereich Brandstiftung lasse sich der Anstieg auf eine einzelne Brandserie zurückführen und die Verbreitung pornographischer Schriften gerade über soziale Medien werde, auch für Jugendliche, halt immer einfacher. Zum Teil seien das Ermittlungen, die in Amerika geführt worden seien und dann den Behörden hier mitgeteilt wurden. Auch hier könnten es einzelne Täter mit vielen Einzeltaten sein. Generell sei der Bereich Internet- und Cyberkriminalität aber ein wachsendes Problem. „Gerade die Betrugskriminalität steigt dort an, weil Menschen dort leichter betrogen werden können. Das ist ein Trend, den wir überall sehen und den wir auch nicht so einfach stoppen können momentan. Das ist kein Oldesloer oder Stormarner Problem“, sagt Kruse. Insgesamt sehe man keinen Grund zur Besorgnis. Auch landesweit seien weder der Kreis noch Bad Oldesloe und Ahrensburg besonders auffällig.
Die Corona-Situation führe natürlich zu mehr Einsätzen, habe aber noch zu keinen sehr großen Problemen geführt, erklärte Reviersleiter Michael Demski und ergänzt: „Wie man sicherlich auch feststellt, sind jetzt mehr Streifen unterwegs, auch zu Fuß in der Innenstadt. Wir setzen dabei aber vor allem auf Mahnung und Erinnerung der Bürger, wenn sie gegen die Maskenpflicht und Abstände verstoßen. Vereinzelt müssen wir aber auch Anzeigen fertigen. Das kommt aber nicht häufig vor.“ Nur im Bereich von Jugendlichen an wenigen bereits bekannten Treffpunkten, treffe man leider zu oft nicht auf das Verständnis und die Vernunft, die man sich vielleicht erhofft habe. Den befürchteten Anstieg von häuslicher Gewalt in Lockdown-Situation konnten Kruse und Demski in Stormarn nicht erkennen. Es gebe bisher keine Auffälligkeiten in diese Richtung. Es sei allerdings möglich, dass das Dunkelfeld hier höher sei. Das müsse sich langfristig zeigen. Positiv konnte Demski vermelden, dass fünf weitere Polizeibeamte aus aktuellen Abschlussjahrgängen in Bad Oldesloe eingestellt werden. Drei seien schon vor Ort. Das klinge nicht viel, aber es bedeute 120 verfügbare Dienststunden mehr in der Woche. „Ich kann jetzt häufiger mal eine Streife losschicken, weil das Personal dafür vorhanden ist“, sagte Demski. Die weiteren zwei Beamten sollen in den nächsten Jahren kommen.

 
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