Baldiger Lockdown sorgt für regen Andrang beim Weihnachtseinkauf

Lübecker Nachrichten   15.12.2020

Schnell noch die letzten Geschenke einholen oder das Haar stylen, bevor alles schließt: Diesen Plan hatten gestern zahlreiche Kunden, die die Oldesloer Innenstadt frequentierten

Von Dorothea von Dahlen

Kein normaler Montag: Aufgrund des bevorstehenden Lockdown ist die Oldesloer Innenstadt gut frequentiert. Foto: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Nach einem ganz normalen Montag sah das nicht aus: Dick eingemummelt unter Kapuzen und Regenschirmen eilten Trauben von Menschen durch die Oldesloer Innenstadt. Der kurz bevorstehende Lockdown, der die erhöhten Infektionszahlen auch in der Stormarner Kreisstadt nach unten drücken soll, zog viele Kunden in die Fußgängerzone, um noch rasch die letzten Weihnachtseinkäufe für die Familie zu tätigen.

Gut beraten war, wer außer Zeit auch Geduld mitbrachte. Da die Personenzahl pro Geschäft derzeit sicherheitshalber limitiert ist, bildeten sich draußen mitunter Schlangen. Das traf insbesondere auf die klassischen Geschenkeläden zu. Fünf Verkäuferinnen sorgten in der Parfümerie H.C für einen möglichst flüssigen Ablauf, da etliche Kunden noch schnell Düfte, Körperpflege oder kleine Accessoires für den Gabentisch besorgen wollten. Dennoch war auch dort Anstehen angesagt.

Einen wahren Run erlebte das Teegeschäft, das vor einigen Monaten von der hinteren Hindenburgstraße an die Mühlenstraße umgezogen war. „Eigentlich habe ich jetzt gar keine Zeit. Die Hütte ist voll bei uns“, sagte eine fast atemlose Melanie Esselborn am Telefon. Die Inhaberin von „Presen-Tee“ hatte eigens für das boomende Vorweihnachtsgeschäft noch zwei weitere Mitarbeiterinnen hinzugezogen, um die Bedienung der Kunden rasch abwickeln zu können, da nur fünf Leute gleichzeitig im Geschäft sein dürfen.

Mindestens die gleiche Anzahl Personen wartete draußen, um die Teekanne für die Schwiegermutter oder das Päckchen Milkey Oolong für den Gatten zu erstehen. Auch für heutigen Tag erwartet die Geschäftsfrau einen starken Andrang. „Wie es dann weitergeht, weiß ich noch nicht“, sagt Melanie Esselborn. Beim ersten Lockdown im Frühjahr durfte sie ihren Tee weiterhin verkaufen, da er als Grundnahrungsmittel eingestuft war. Da niemand ins Geschäft durfte, stellte sie kurzerhand die Ladentheke vor den Eingang und bediente die draußen stehenden Kunden.

Auch andere Oldesloer Geschäftsleute haben Strategien entwickelt, wie sie ihr Klientel noch über den Lockdown hinaus mit der gewünschten Ware versorgen können. „Ich bin inzwischen viel besser vorbereitet als im Frühjahr, als ich schon einmal schließen musste“, sagt Daniela Frackmann von der „Machbar“. Sie hat die Zeit dazwischen gut genutzt, um einen Online-Shop einzurichten. Darin kann sie zwar nicht das gesamte Sortiment anbieten, doch immerhin eine Auswahl an Produkten, die sich als Geschenk für die Lieben daheim anbieten. Das aus der dargebotenen Palette Bestellte kann noch bis Dienstag vor Weihnachten entweder selbst an der Ladentür abgeholt oder von der „Machbar“ geliefert werden. „Die Kunden sind wirklich sehr nett und besorgt. Man merkt, viele kommen bewusst her, um uns zu unterstützen. Das ist das größte Kompliment, das man sich wünschen kann“, sagt Frackmann. Sie selbst versucht, dem Beinahe-Stillstand, der von morgen an über der Stadt schwebt, etwas Positives abzugewinnen: „Ich kann zum ersten Mal seit Langem wieder mit den Kindern zu Haue Plätzchen backen.“

Keine Weihnacht ohne Spielzeug. Und so kann sich auch der Oldesloer „Kinderreigen“ an der Hindenburgstraße nicht über mangelnde Kundschaft beklagen. Und damit der Platz unter dem Tannenbaum auch wegen des Lockdown auf keinen Fall leer bleibt, haben sich die Inhaber etwas einfallen lassen. „Es war schon in den vergangenen Wochen voll bei uns. Aber wer noch Bedarf hat, der kann uns per Telefon unter 045 31/895 63 16 oder E-Mail unter info@kinderreigen.de Bescheid geben. Bis Heiligabend geben wir das Gewünschte dann heraus. Einfach an die Tür klopfen, das reicht aus“, sagt Verkäuferin Denise Kruse.

In enger Taktung öffnen und schließen sich auch die Türen zu den Dienstleistern in der Kreisstadt. „Wir sind heute in voller Besetzung, also zu viert im Einsatz“, sagt Angela Wannick vom Friseur-Salon Führmann. Ihr zufolge sind alle Termine bis zum Lockdown vergeben. Wer spontan einen Schnitt oder gar aufwendigeres Styling nötig hat, kommt entschieden zu spät. Glück haben da noch all jene, die eine Coloration fürs Haar brauchen, die sich einfach anwenden lässt. „Fünf Tüten mit Farbe stehen bei uns auf dem Tresen, fertig zum Abholen für die Kunden“, sagt die Friseurin.

Nicht viel anders geht es im „Haaratelier“ von Astrid Schwarz zu. „Meine drei Töchter sind mit eingesprungen, eine von ihnen ist hochschwanger. Sie darf nicht mehr so lange stehen, bedient aber unser Telefon“, sagt die Friseurmeisterin. Sie und ihre Kolleginnen haben „alle Hände voll zu tun“. Ihr Arbeitstag wird sich wohl bis 21 Uhr ausdehnen, „damit wir noch möglichst vielen Leuten eine schöne Frisur zaubern können“, sagt Schwarz.

Die Verkäuferinnen im Oldesloer Schmuckladen „Bijou Brigitte“ wiederum machen sich Gedanken, was nach dem 10. Januar passieren wird. Nach ihrem Dafürhalten hätte es den Lockdown besser schon eher geben sollen, so dass die Infektionszahlen nicht gerade vor den Festtagen nach oben geschnellt wären. „Wir werden sehen, was uns Weihnachten und Silvester bringen. Wenn jetzt alle zusammenrücken und feiern, dann kann die Pandemie noch stärker um sich greifen und die Geschäfte bleiben länger zu“, sagt Martina Röhl. Als Festangestellte erhält sie während des Lockdown Kurzarbeitergeld, aber Elke Homagk als geringfügig Beschäftigte geht während der Schließphase ganz leer aus.

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