Papiercontainer voll: Falsche Nutzung

Lübecker Nachrichten   18.12.2020

Viele Altpapiercontainer quellen über – Dabei gibt es wegen vieler weggefallener Printprodukte im Durchschnitt weniger Papierabfall – Entsorgungsunternehmen mahnen korrekte Befüllung an

Von Bettina Albrod

Die Altpapiercontainer sind mal wieder voll, manche haben ihre Abfälle neben die Container geworfen.Foto: Bettina Albrod

Bad Oldesloe. Die Altpapier-Container quellen über: Jedes Jahr vor Weihnachten kommt es zu einer Flut an Verpackungen aus Papier und Pappe. „Der stetig wachsende Online-Handel zum einen und besonders die aktuelle Lage zur Corona-Pandemie mit der Schließung des Einzelhandels stellen eine absolute Ausnahmesituation dar“, heißt es in einer Mitteilung der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH). Aber die These „mehr Online-Handel, mehr Papierabfälle“ lässt sich nicht unbedingt aufstellen. Denn auf der anderen Seite gibt es weniger Printprodukte und geänderte Rahmenbedingungen. Wesentliche Ursache für volle Container ist das Nutzerverhalten.

„Grundsätzlich sind die Altpapiermengen ganz leicht rückläufig“, erklärt Torben Müller vom Bereich Unternehmenskommunikation der AWSH. „Wir können nicht von einer generellen Zunahme sprechen. In Lockdown-Zeiten und vor dem Weihnachtsfest gibt es mehr Abfälle.“ Bei den Depot-Containern würden manche Standorte stärker, andere schwächer genutzt. „Die aktuell höhere Belastung der Depot-Container lässt sich teilweise mit dem Einkaufsverhalten der Bürger in der Corona-Pandemie erklären. Aktuelle Prozentzahlen können wir dazu aber noch nicht liefern.“

Hauptsächlich seien es sperrige, große Kartonagen, die im oder neben dem Container landeten. Die Taktung der Leerungen sei auf die Nutzung der Standplätze abgestimmt. „In Extremfällen versuchen wir, Abhilfe zu schaffen. Das ist aber sehr begrenzt. Ein generelles kurzfristiges Hochfahren der Containeranzahl ist nicht ohne Weiteres möglich, weil die Depotcontainer zum größten Teil auf Grundstücken der Gemeinden und Städte stehen. Auch die von uns eingesetzten Ressourcen für Leerungen und Reinigungen können wir nicht beliebig verändern“, sagt Müller.

Die AWSH setze auf Aufklärung und verweise auf das korrekte Verhalten bei der Nutzung von Containerstellplätzen. Dazu gehörten das Zerreißen von Kartonagen vor der Befüllung der Container, Nutzung anderer Stellplätze oder der Recyclinghöfe, wenn die Container voll sind. Die AWSH betreibt an mehr als 550 Depot-Container-Standplätzen derzeit 1064 Altpapiercontainer. Jeder Standplatz wird mindestens einmal die Woche geleert, stark frequentierte Container bis zu dreimal die Woche. Wer seinen Müll daneben stellt, muss mit Konsequenzen rechnen. „Wenn wir illegal abgestellte Abfälle mit Adressetiketten oder ähnlichen Angaben finden, verfolgen wir diese Fälle. Letztlich können dafür erhebliche Bußgelder anfallen.“

Im Kreis Segeberg sieht Julia Büttner, Stabsleitung Nachhaltige Entwicklung beim Wege-Zweckverband der Gemeinden des Kreises Segeberg, das Thema Altpapier differenziert. „Öffentliche Papier-Sammelcontainer wurden Ende 2019 stark reduziert. Dafür hat jeder Haushalt eine blaue PPK-Tonne (Papier/Pappe/Kartonage) bekommen, die vierwöchig abgeholt wird“, sagt sie. Zusätzlich werde die kostenfreie Abgabe von PPK auf den Recyclinghöfen gut genutzt. Hinzu komme, dass viele Printprodukte wegfielen. Anzeigenblätter erschienen seltener oder entfielen ganz, damit fehlten auch eingelegte Werbeprospekte. „Das Innenverhältnis der Papierqualitäten hat sich definitiv verändert: weniger Printmedien, dafür mehr Versand-Verpackungskartons. Jedoch sind Kartons leichter, so dass das in der Gesamtmenge kaum deutlich wird.“

Durchschnittlich fielen pro Monat ohne große Schwankungen 1200 Tonnen Altpapier an. Recyclinghöfe seien während des Lockdown zeitweise geschlossen. Jedoch merke man dies an den Zahlen kaum, da die Kunden dann ihre Verpackung entweder platzsparend zerkleinert in ihre blauen Tonne legen oder später gesammelt auf einem Recyclinghof abgeben würden. Grundsätzlich gilt: Sperrige Kartons sind zu zerkleinern. Ist ein Container voll, sollte der nächstgelegene aufgesucht werden. Auf keinen Fall dürfen Abfälle – welcher Art auch immer – neben oder auf den Containern abgestellt werden. Das gilt ebenso für die Altglas- und Altkleidercontainer.

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