Wirtschaftsbeirat: Stadt soll Oldesloer Unternehmen besser betreuen

Lübecker Nachrichten   19.12.2020

Beiratschef Thomas Benthien erklärt, weshalb sich die Investition in eine neue Stelle in der Verwaltung letztlich mehrfach zum Wohle der Stadt auszahlen wird

Von Dorothea von Dahlen

Thomas Benthien ist Vorsitzender des Oldesloer Wirtschaftsbeirats. Foto: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Die Interessen der Oldesloer Wirtschaft finden in jüngster Zeit mehr Aufmerksamkeit als noch vor einigen Jahren. Dafür sorgte zunächst die Wirtschaftsvereinigung als Zusammenschluss von Handel und Gewerbe, die beispielsweise mit eigenen Aktionen die Attraktivität der Oldesloer Innenstadt bewirbt. Vor einem Jahr dann gründete sich der Wirtschaftsbeirat, der als beratendes Gremium der Stadtverordneten dafür sorgen möchte, dass auch die unternehmerischen Standpunkte bei wichtigen Entscheidungen berücksichtigt werden.

Doch das reicht offenbar nicht aus, um die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt weiter voranzutreiben. Beide Gruppen hoffen nun, dass im neuen Jahr eine feste Stelle für die Wirtschaftsförderung in Kombination mit einem Ladenmanagement bei der Stadt eingerichtet wird.

„Wir merken schon, dass die Politiker sehr dankbar sind, dass es uns gibt und sie jemanden zur Seite haben, der den Kontakt zur Wirtschaft hält. Es gibt zurzeit nur wenige Unternehmer in den eigenen Reihen“, erklärt Thomas Benthien, Vorsitzender des Beirats. Er und seine Mitstreiter sind froh über die bunte Mischung. Denn im Gremium sitzen nicht nur Geschäftsführer aus großen und mittleren Unternehmen der Stadt, sondern auch Berater und Marketing-Experten, Hoteliers und Landwirte sowie versierte Experten aus der Kommunalpolitik. Letztere übernehmen ihm zufolge eine wichtige Funktion, denn sie seien mit den Abläufen der politischen Arbeit vertraut und somit in der Lage, die Anträge des Beirats in eine korrekte Form zu gießen.

So wie seine zehn Mitstreiter hält es Benthien aber auch für nötig, dass eine direkte Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Verwaltung geschaffen wird. „Die Kommunikation mit den großen Betrieben muss besser werden. Sie wurde in den vergangenen Jahren stark vernachlässigt. Immerhin zahlen die in Bad Oldesloe ansässigen Unternehmen 16 Millionen Euro Gewerbesteuer – ein entscheidender Beitrag zur Finanzierung des Haushalts. Das habe ich jetzt selbst durch die Arbeit im Beirat erst erfahren. Und bei guter Akquise wäre noch Luft nach oben“, sagt Benthien. Hinzu komme, dass es statistisch mehr Einpendler in die Stadt gebe als Oldesloer, die einer Arbeit in Hamburg oder Lübeck nachgingen. Das zeige, welche Wirtschaftskraft die Kreisstadt aufbieten könne.

Angesichts dieser durchaus positiven Ausgangsposition reiche es aber nicht, die Hände in den Schoß zu legen, findet der Beiratsvorsitzende. Er hält es für dringend geboten, die Unternehmen zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass sie sich in den Gewerbegebieten und der Innenstadt von Bad Oldesloe gut aufgehoben fühlen. So entstehe eine stärkere Bindung zur Stadt, was die Firmen postwendend mit größerer Standorttreue belohnten. „Die Investition in die Stelle eines Kümmerers wird sich letztlich auch wieder auszahlen. Die Aufgaben, die diese Person übernimmt, werden der Stadt mehr einbringen, als die Stelle kostet“, sagt Benthien.

Dass die Mitglieder des Hauptausschusses die Entscheidung zur Einrichtung einer solchen Stelle vertagt haben, bejubelt der Chef des Wirtschaftsbeirats nicht gerade. „Aber schließlich tragen ja auch wir die politische Verantwortung, dass der Haushalt der Stadt in diesem Jahr genehmigt werden kann. Gelingt das nämlich nicht, dann haben wir noch ganz andere Sorgen“, sagt er. „Doch ab Januar sehe ich die Verwaltung in der Pflicht, das Thema wieder aufzugreifen und einen Beschluss für die Stelle vorzubereiten.“ Darauf, dass das Aufgabenprofil eines solchen „Kümmerers“ genauer definiert werden soll, hatten sich alle unlängst im Hauptausschuss geeinigt.

Benthien hofft zudem, dass die kombinierte Position von Wirtschaftsförderung und Ladenmanagement innerhalb der Oldesloer Verwaltung geschaffen werden kann. „Externe Dienstleister sind oft für mehrere Auftraggeber tätig und identifizieren sich nicht unbedingt so stark mit der Stadt, für die sie arbeiten“, sagt er. Für den Fall, dass sich über eine Ausschreibung niemand Geeignetes finden lasse, bleibe jedoch nichts anderes übrig, als den Auftrag einem Büro zu übergeben.

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