Betrachtungen zum Wochenausklang: Die vielen Seiten der Corona-Krise

Stormarner Tageblatt  24.12.2020

Stormarner Wochenschau

Die vielen Seiten der Corona-Krise

Megi Balzer
Megi Balzer

Patrick Niemeier und Stephan Poost
Wie immer, nur anders
Weihnachten 2020 – hätte vor einem Jahr jemand erzählt, mit welchen Problemen wir zu kämpfen haben, er wäre ausgelacht worden. Keine Weihnachtsmärkte, Gottesdienste stark eingeschränkt, Besuche nur unter engsten Familienmitgliedern, keine Weihnachtsfeiern und Restaurantbesuche und geschlossene Geschäfte. Seife, Masken und Desinfektionsmittel sind die Mitbringsel unter dem Weihnachtsbaum, der mit dem Virus geschmückt ist, wie unsere Karikaturistin treffend bemerkt hat, die Infektionszahlen steigen und eine neue Virus-Variante bedroht uns. Ein kleiner Silberstreif am Horizont sind die Impfungen, die am 4. Januar im Kreis Stormarn beginnen sollen. Doch welche Widrigkeiten das Leben auch für uns bereit hält. Am Weihnachtsfest ändert es nichts. Wir werden die Tage genießen können, sofern wir nicht krank sind, wir können mit den Liebsten aus dem engsten Kreis zusammensitzen, essen und trinken und jeder kann ganz persönlich dem Weihnachtsfest nachspüren. In diesem Sinne wünschen alle Mitarbeiter des Stormarner Tageblatts ein schönes und gesundes Weihnachtsfest.

Befremdlich I
So richtig ernst scheinen wir das Virus leider zum Teil nicht zu nehmen. Anders sind die ziemlich vollen Oldesloer oder auch Bargteheider Innenstadtstraßen in den vergangenen Tagen nicht zu erklären. Das Problem – übrigens nicht nur in Stormarn, sondern vielerorts – scheint zu sein, dass wir statt den Lockdown strikt durchzuhalten,jeder und jede für sich im eigenen Rahmen und nach Bedürfnissen die Schlupflöcher suchen, wie wir die Beschränkungen umgehen können. Gute Gründe haben wir ja jeweils individuell alle. Das Ergebnis: Die Zahlen sinken nicht. Wachen wir wirklich erst dann auf, wenn die eigene Familie betroffen ist? Sind wir so wenig empathisch geworden?

Befremdlich II
Was treibt Menschen eigentlich an, mutwillig das Eigentum anderer Menschen zu zerstören? Da werden Zäune eingerissen, Möbel angezündet, Scheiben eingeworfen, einfach nur aus Langeweile. In der Pandemie scheinen sich die Fälle zu häufen. Frust kann aber nicht als Ausrede dienen. Vielleicht ist es einfach an der Zeit, dass wir darüber nachdenken, was gesellschaftlich falsch läuft, wenn Mitmenschen das Zerstören von Dingen als notwendige Lebensäußerung verstehen. Allerdings darf – so scheint es – dabei das Verständnis für die Täter nicht immer zu groß sein. Eine kleine Entschuldigung und ein unter den Teppich kehren der Probleme, wird nichts ändern.

Weggeschaut
Sind die Jugendlichen besonders betroffen vom Lockdown? Muss man bei ihnen ein Auge zudrücken? Die Sperrung der Sportflächen rund um den Bad Oldesloer Exer sorgt immer weiter für Diskussion. Die Antwort aus der Verwaltung war monatelang, dass es kein besonderes Problem mit Jugendlichen gebe. Das war aber auch schon vor der Pandemie so. Da brannten Mülleimer im Kub und in der Stadt, dann fackelten Jugendliche den Kiosk des Minigolf-Platzes ab, regelmäßig kam es zum Brechen der Regeln auf dem Skateland und Co., aber von strukturellen Problemen wollte so richtig niemand hören. Am Ende steht dann die konsequente Sperrung , weil die Polizei bestätigt, dass sich leider die Jugendlichen nicht so verhalten haben, wie man sich das vorgestellt hätte. Wird man da auch nach der Pandemie nachjustieren und verstehen, dass man Streetwork und moderne Angebote benötigt? Wenn es jetzt in die Haushaltsdiskussionen geht, kann man bereits mahnen: Jeder Cent der in Sachen Sport, Jugend und Kultur gestrichen wird, wird den Städten Jahre später auf die Füße fallen. Dann muss wohl eher eine Straßensanierung nochmal ein, zwei Jahre warten.

Regelauslegung
18 Uhr, die Kirchenglocke ertönt in Bad Oldesloe und die Maskenpflicht in der Innenstadt endet. Offenbar macht das Virus gegen 18 Uhr halt Feierabend. Und da so manche Mitmenschen die Maske eben anscheinend nur tragen, weil sie das müssen, nehmen sie den „Schnutenpulli“ noch in der Fußgängerzone mit dem Glockenschlag ab. Der Pandemiealltag ist dann erstmal erledigt. Das ergibt natürlich keinen Sinn, aber leider sieht man daran, dass Vernunft, Rücksicht und Verstand zu oft nicht ausreichen.

Desinformation
Immer mehr Stormarnern reicht es. Gegen Kundgebungen der Minderheit der Maskenpflichtgegner und Corona-Leugnern regt sich von Woche zu Woche entschlossenerer Widerstand – ob in Ahrensburg, Bargteheide oder Bad Oldesloe. In der Kreisstadt sind mittlerweile regelmäßig mehr Gegendemonstranten als Querdenker bei den Kundgebungen unterwegs. Unter den Gegendemonstranten sind auch immer wieder Ärzte. 30 von ihnen aus Reinfeld und Bad Oldesloe haben ein klares Zeichen gesetzt. Die Desinformation der Querdenker auch in der Kreisstadt führe dazu, dass Patienten verunsichert und verängstigt seien, so dass der reale Praxisalltag dadurch behindert werde. Die Frage ist mittlerweile, wann die angeblich „aufgewachten“ Querdenker aus ihren Verschwörungs-Albträumen erwachen, mit denen sie unter anderem dem medizinischem Personal direkt vor Ort das Leben noch schwerer machen, als es in der Pandemie ist und die Gesellschaft spalten.

Solidarität
Natürlich gibt es auch sehr positive Dinge in diesen Zeiten. Obwohl viele Menschen und Unternehmen durch die Auswirkungen der Shut- und Lockdowns von zum Teil erheblichen finanziellen Einbußen betroffen sind, ist die Spendenbereitschaft in diesem Jahr offenbar besonders groß. Das zeigte sich schon die gesamte Pandemie hindurch und wird vor Weihnachten nochmal besonders deutlich. Das betrifft die Lions und Rotary Clubs, aber auch viele neue und private, kleine Initiativen. Die 180 Wunsch-Sterne des Oldesloer Geschäfts Pareibo waren so schnell vergriffen, wie noch nie und alle konnten erfüllt werden. Ein Grund zur Freude.

Kreativität
Auf die Probleme der Corona-Krise reagieren Menschen vom Hamstern über das Leugnen bis zum Anpacken sehr unterschiedlich. Gezeigt hat sich aber, dass mit Kreativität sehr viel möglich ist. Und während die einen noch jammernd und krakeelend Pseudo-Wissenschaft zitieren, sind die anderen dabei, das Beste aus der Situation zu machen. Die Zukunft wird von denen gestaltet, die nach Lösungen suchen. Auch für die Kirchengemeinden zeigen sich zum Beispiel Chancen, sich mit digitalen Ideen neu aufzustellen und zu präsentieren. Allgemein gehen plötzlich Sachen, die lange undenkbar schienen. Auf der anderen Seite zeigt sich, dass es nicht einfach nur reicht, eine Kamera irgendwo hinzustellen und das als digitale Revolution zu verkaufen. Es werden gerade jetzt Erfahrungen gesammelt und Formate entwickelt, die über die Pandemie hinaus auch positive Auswirkungen haben können, wenn wir sie sehen.

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