Trotz des Lockdowns: Viele Geschäfte dürfen öffnen

Lübecker Nachrichten   23.12.2020

Harter Lockdown: Weite Teile des öffentlichen Lebens sind eingeschränkt – Doch wie wird das umgesetzt? Ein Bericht aus Bad Oldesloe

Von Britta Matzen

Die Oldesloer Mäc-Geiz-Filiale hat auch im Lockdown geöffnet, darf aber nur Artikel zur Grundbedarfsdeckung verkaufen.Fotos: Britta Matzen

Bad Oldesloe. Stell dir vor, es ist Lockdown und keiner macht mit. „Mein Freund hat diesen Spruch gebracht, als er durch die Oldesloer Innenstadt ging. Genauso fühlt es sich an. Im Verhältnis zum ersten Lockdown hat man den Eindruck, als sei es ganz normaler Tag“, schildert Ariane Giese vom Oldesloer „Concept Store Izoda“. In der Fußgängerzone herrscht Betriebsamkeit. Viele Geschäfte haben geöffnet. Die Menschen besorgen Tee, Waschpulver, Brillen oder letzte Weihnachtsgeschenke.

„Wir haben weiterhin für Sie geöffnet“, ist auf einem Aufsteller beim Schreibwarengeschäft Pareibo zu lesen. „Der Teeverkauf geht weiter!“, heißt es bei Presen-Tee. „Lockdown? Nicht für uns! Wir sind weiterhin für Sie da“, wirbt ein Telefonanbieter. Auch Mäc-Geiz hat seine Filiale geöffnet. „Liebe Kundinnen und Kunden, aufgrund der aktuellen Situation dürfen derzeit nur Produkte verkauft werden, welche der Grundversorgung dienen.“ Einige Sortimente wie Geschenkpapier sind deshalb mit Folie abgedeckt. Ansonsten haben Apotheken, Rossmann, Efes Grill, Gemüse-Läden, Optiker, Bäcker, das Reformhaus Engelhardt, Arko, Peters und Fischfeinkost Hansen geöffnet.

Beim Modehaus Rohde ist am Schaufenster zu lesen: „Liebe Kunden! Aufgrund der Corona-Krise hat die Landesregierung angeordnet, dass alle Einzelhandelsgeschäfte geschlossen werden. Unser Geschäft bleibt vorübergehend geschlossen.“ Einen Wunsch hat das Rohde-Team noch formuliert: „Wenn Ihr in den nächsten Wochen viel zu Hause bleibt, kauft bitte nicht online… wartet, bis unsere Einzelhändler und regionalen Geschäfte wieder öffnen.“

Warum hat das eine Geschäft geöffnet, das andere ist geschlossen? Warum darf man Pralinen kaufen, aber kein Geschenkpapier? „All das ist für die Kunden schwer verständlich. Es ist so wenig transparent. Ich weiß nicht, ob zu wenig aufgeklärt wurde – auf jeden Fall herrscht große Unsicherheit“, hat Ariane Giese beobachtet. Ihre Sorge: Die Tatsache, dass die Leute in die Geschäfte strömten, trage nicht zur Lösung des Problems bei – nämlich die Coronazahlen zu drücken. „Letztendlich werden wir alle darunter leiden. Ich gehe auch nicht davon aus, dass ich mein Geschäft am 10. Januar wieder öffnen darf.“

„Ich verstehe, dass die Problematik, wer öffnen darf und wer nicht, derzeit nicht leicht zu durchschauen ist“, sagt Oldesloes Bürgermeister Jörg Lembke. Im Prinzip regele die Landesverordnung vom 14. Dezember dazu Folgendes: „Verkaufsstellen des Einzelhandels sind für den Publikumsverkehr zu schließen. Das gilt nicht für Lebens- und Futtermittel, Wochenmärkte, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Poststellen, Reformhäuser, Babyfachmärkte, Zeitungsverkauf, Tierbedarfsmärkte sowie Lebensmittelausgabestellen (Tafeln). Im Falle von Mischsortimenten sind die überwiegenden Sortimentsteile maßgeblich.“ Für die Filiale von Mäc-Geiz bedeute das, dass weiterhin eine Öffnung möglich sei, da das überwiegende Sortiment aus Haushaltsartikeln, Drogerieartikeln und Dingen des täglichen Bedarfs bestehe. „Ich räume ein, dass die Abgrenzung der bestehenden Regelungen auch in diesem Fall zum Teil schwierig ist“, fügt Lembke hinzu. Selbstverständlich kontrolliere das Ordnungsamt der Stadt Bad Oldesloe die Einhaltung der derzeit geltenden Regelungen.

Douglas hatte mit einem Trick viele Filialen offen gehalten – auch auf Sylt. Die Parfümerie-Kette deklarierte sich kurzerhand zur Drogerie um und erntete dafür harte Kritik. Sind die Verordnungen vielleicht nicht klar genug formuliert? Dazu Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz: „Man kann nicht alles bis ins Allerkleinste formulieren. Natürlich wird es immer Grauzonen und Zweifelsfälle geben. Aber der gesunde Menschenverstand sagt einem doch, dass die Grundbotschaft lautet: Nur das Nötigste kaufen und ansonsten zu Hause bleiben.“

Die Menschen könnten gerne den Einzelhandel durch Click & Collect unterstützen, aber mit Augenmaß und Abstand. „Nur so kommen wir durch diese Zeit“, sagt der Minister. „Denn wir wollen doch alle dafür sorgen, dass die Wirtschaft im Neuen Jahr wieder anspringt.“

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