Weihnachten 2020 – alles ist ganz anders in diesem Jahr

Stormarner Tageblatt  24.12.2020

Prominente Stormarner erzählen, wie sie die Feiertage im „Lockdown“ verbringen werden

Susanne Rohde
Bad Oldesloe Ja, in diesem „Corona-Jahr“ ist wirklich alles völlig anders und das gilt natürlich auch für die Weihnachtsfeiertage. Das große Treffen mit der Familie, der Besuch bei Verwandten oder Freunden müssen ausfallen. Und viele Menschen bleiben ganz allein in diesen Tagen. Das Stormarner Tageblatt hat bei prominenten Stormarnern nachgefragt, wie sie diesen „Weihnachts-Lockdown“ verbringen werden und wie sie in diesem Jahr ihr „ganz persönliches Weihnachtsfest“ feiern werden. Was wird ihnen in diesen Weihnachtstagen ganz besonders fehlen? Aber vielleicht gibt es ja auch etwas Positives, was sich in all dem „Chaos“ entdecken lässt…

Dr. Henning Görtz , Landrat des Kreises Stormarn, hat turbulente Wochen und Monate hinter sich und freut sich jetzt auf ein paar freie und erholsame Tage zu Hause in Bargteheide.
„Wir verbringen das Weihnachtsfest im engsten Familienkreis und damit in viel kleinerer Runde als sonst. Auch Silvester findet keine Party statt. Diesmal werden die Feiertage bei uns also viel ruhiger verlaufen, als in den vergangenen Jahren – und ehrlich gesagt freue ich mich darauf, ein paar gemütliche Stunden zu verbringen, Spaziergänge zu machen, gutes Essen zu genießen, einen Film zu schauen oder das Weihnachtsoratorium zu hören. Das abgelaufene Jahr hat genügend Belastungen und Anspannung für uns alle gebracht und nach den Feiertagen geht es hektisch weiter.“

Jörg Lembke , Bürgermeister der Stadt Bad Oldesloe, hat ebenfalls ein anstrengendes Jahr hinter sich und freut sich jetzt auf ein paar erholsame Tage im kleinen Familienkreis. „Meine Frau und ich werden in diesem Jahr Heiligabend mit meinen Eltern verbringen. Am ersten Weihnachtstag kommen dann zwei unserer Söhne zu uns. Am 2. Weihnachtstag wird uns der dritte Sohn besuchen. Was uns fehlt ist das große Familienfest, das wir sonst im großen Kreise begehen. Wir werden uns deshalb in diesem Jahr weitestgehend auf uns selbst konzentrieren und die Zeit zum Abschalten nutzen.“

Hildegard Pontow ist die Bürgerworthalterin der Stadt Bad Oldesloe und hatte in diesem Jahr auch privat durch den Tod ihres Mannes einen schweren Schicksalsschlag zu verkraften. „Ja, Weihnachten wird in diesem Jahr ganz anders sein. Natürlich schon deshalb, weil mein Mann nicht mehr dabei ist. Und nun kann auch aus dem geplanten Familientreffen mit den drei Kindern und ihren Familien nichts werden. Deshalb werden wir uns aufteilen: An den Weihnachtstagen kommt mein Sohn mit Familie aus München. Damit sie sicher sind, dass sie nichts ,einschleppen’, haben sie sich schon seit Mittwoch in häusliche Quarantäne begeben. Am darauf folgenden Wochenende kommt der andere Sohn mit seinen beiden Kindern, für die ich zweimal in der Woche Omadienst habe, zu mir, und das Silvesterwochenende verbringe ich dann (ohne Knallerei!) bei meiner Tochter in Berlin. Gottesdienste, Adventskonzerte und sogar den Weihnachtsmarkt habe ich nur virtuell besucht. Mir fehlen die vielen Begegnungen, die ich in meinem Amt sonst zu den Hochzeitsjubiläen und zu 90., 95. und 100. Geburtstagen machen konnte, die Weihnachtsfeiern mit den Senioren, das Einsingen der Weihnacht auf dem Kirchberg und der Neujahrsempfang im Kub. Ich hoffe, dass wir im Neuen Jahr alle gesund bleiben und dazu gehört die Selbstverantwortung jedes Einzelnen.

Kirsten Boie ist promovierte Literaturwissenschaftlerin und gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Kinder- und Jugendbuchautoren. Sie lebt mit ihrem Mann in Barsbüttel. „Für mich gab es in der Vorweihnachtszeit doch eine schöne Überraschung: Ganz kurzfristig beschloss der Fernsehkanal Kika, für den Heiligabend einen kleinen Krippenspielfilm nach meinem allerersten Buch „Paule ist ein Glücksgriff“ zu drehen – und das war unter Corona-Bedingungen ein echtes Abenteuer unter großem Zeitdruck und wäre fast gescheitert, weil der Inzidenzwert am geplanten Drehort plötzlich zu hoch war, weil unser Hauptdarsteller sieben Tage vor Drehbeginn plötzlich in Quarantäne musste, weil am ersten Drehtag plötzlich ein Wochenmarkt stattfand, wo ein leerer Platz hätte sein sollen. Bis zum letzten Drehtag haben wir gezittert. Aber da in diesem Jahr ja viele Gottesdienste an Heiligabend mit ihren Krippenspielen ausfallen werden, wollte Kika einen kleinen Ersatz schaffen. 15 Kinder haben mitgespielt – und die waren alle toll! Darum ist es für mich nun eine zusätzliche Weihnachtsfreude, wenn ich am Heiligabend um 15.45 Uhr endlich das Ergebnis sehen kann – gemeinsam mit meinem Mann und unseren erwachsenen Kindern.“

Stefanie Wohlers ist seit drei Monaten neue Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes des Kreisverbands Stormarn. Die Oldesloerin lebt mit ihrem Mann in der Kreisstadt. „Den Weihnachts-Lockdown verbringe ich mit einem guten Buch, gutem Essen und langen Spaziergängen. Heiligabend verbringe ich mit meinem Mann und meiner Schwester bei meinem Vater und seiner Frau. Es wird ein tolles Vier-Gänge-Menü geben und schöne Gespräche. Das hat schon Tradition und ist in dieser Zeit besonders wertvoll und wichtig. Freunde treffen und spontane Kontakte gestalten fehlt mir am meisten. Ein Zoom-Couch-Meeting mit den Freundinnen ersetzt dann doch nicht den persönlichen Kontakt.“

Sabine Tiedtke ist Initiatorin des Stationären Hospizes Lebensweg in Bad Oldesloe und Geschäftsführerin der Hospiz Lebensweg gGmbH.
„Wir werden Heiligabend mit unserem Sohn und seiner Frau verbringen, sind also tatsächlich nur zu viert. Es gibt ja zum Glück heutzutage wunderbare technische Möglichkeiten, womit wir dann auch Kontakt zu unserer Tochter und den Enkelkindern haben können, außerdem telefoniere ich wieder sehr viel mehr. Der Gottesdienst am Heiligen Abend wird mir fehlen. Privat vermisse ich das unkomplizierte und spontane Agieren, mal abends spontan zum Essen zu gehen oder sich mit Freunden treffen. Im Hospiz finde ich es sehr traurig, wenn ich sehe, dass viele Dinge, die wir geplant hatten, im Moment nicht stattfinden können. Allerdings bin ich positiv überrascht und völlig begeistert vom Zusammenhalt und Ideenreichtum der Mitarbeiter. Sie versuchen trotz Einschränkungen, den Gästen und Angehörigen die Zeit im Hospiz lebenswert zu gestalten und bringen auch unter Berücksichtigung verschärfter Corona-Regelungen Unglaubliches auf die Beine. Vielleicht ist das Positive an dieser Krise, dass wir alle dadurch nochmal Zeit bekommen, über uns und unsere Werte nachzudenken, was wichtig und was unwichtig ist und trotz Abstand wieder mehr zusammenzurücken und einander zu unterstützen. Eine Krise ist deshalb auch immer ein Chance.“

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