Corona-Jahr auf der Zielgeraden: Impfstart in Bad Oldesloe

Stormarner Tageblatt  29.12.2020

Ab 29. Dezember können sich Berechtigte zum Impfen anmelden / Kritik an Querdenkern und Impfgegnern nimmt im Lockdown zu

Weitere Infos zur Impfung gibt es im Internet auf den Seiten des Landes unter www.impfen-sh.de

Patrick Niemeier
Bad Oldesloe Seit dem 16. Dezember gilt der zweite größere Shutdown des Jahres auch in Schleswig-Holstein. Doch ein Blick auf die Neuinfektionszahlen lässt bisher noch Zweifel zu, dass durch ihn wirklich viel erreicht wurde. Denn nach fast 14 Tagen steigen die Zahlen der positiven Corona-Tests im Kreis weiter an. Über die Feiertage waren insgesamt 139 weitere Fälle bestätigt worden, am Montag, 28. Dezember, kamen 73 weitere hinzu. Damit haben sich in Stormarn seit Beginn der Pandemie nun über 3000 Mitbürger das Virus eingefangen. Gestorben sind bisher 71 von ihnen an oder mit dem Virus, wie die Kreisverwaltung bestätigt. Fünf Covid-19-Patienten liegen auf den Intensivstationen im Kreis. Vier von ihnen müssen invasiv beatmet werden.
Kurzum: die Lage bleibt angespannt. Gleichzeitig ist festzustellen, dass der zweite Shutdown in Sachen Andrang in den Einkaufsstraßen längst nicht mehr so eine Wirkung entfaltet, wie die erste kollektive Kraftanstrengung im Frühjahr, als die Straßen leer waren. „Das wird natürlich kontrolliert. Allgemein bewegt sich das aber zumeist im gesetzlichen Rahmen. Die Kaufleute haben sich besser darauf eingestellt und bieten vermehrt die Möglichkeit der Abholung nach Bestellung an“, sagte Michael Drenckhahn, Sprecher der Kreisverwaltung.
Ungeachtet dessen, dass die Inzidenzwerte nach einem kleinen Absacker über die Feiertage wieder ansteigen, demonstrierten weiterhin Querdenker und Impfgegner wöchentlich im Kreis. Unter anderem direkt unter dem Fenster von Bad Oldesloes Bürgermeister Jörg Lembke. Die vergangenen Montage seien geprägt gewesen von Kundgebungen, die zum Teil sehr laut dahergekommen seien, sagt der Bad Oldesloer Verwaltungschef.
Mittlerweile hat sich auch eine größere Gruppe Stormarner zusammengefunden, die gegen die Querdenker-Parolen demonstriert. Sie kritisieren nach eigener Aussage nicht nur die Verbreitung pseudowissenschaftlicher Behauptungen und Fake News, sondern auch, dass den Menschen Angst vor Impfungen gemacht werde. Dem Protest gegen die Querdenker haben sich auch 30 Ärzte aus Bad Oldesloe und Reinfeld angeschlossen, die die Verunsicherung durch die Verbreitung von Desinformation direkt bei ihren Patienten bemerken.
Und auch wenn der Bürgermeister der Kreisstadt betont, dass die Teilnehmer der Querdenker-Kundgebung genau wie ihre Gegner das Recht haben, ihre Meinung in ihrer Demokratie auch lautstark zu äußern, schließt er sich den Aussagen der Ärzte an. „Ich finde den offenen Brief der Ärzte aus Reinfeld und Bad Oldesloe absolut nachvollziehbar und richtig. Wir alle haben die Pflicht, uns an die derzeit gültigen Auflagen zu halten und die zuständigen Behörden so zu unterstützen, um dem Gesundheitssystem größere Belastungen zu ersparen“, sagt Lembke.
Er könne die Haltung von Maßnahmen-Gegnern persönlich in keiner Weise teilen. „Ich bin der Meinung, dass das Land und der Kreis richtigerweise das öffentliche Leben einschränken, um die weitere Ausbreitung des Virus zu verlangsamen“, sagt Lembke.
Absolut kein Verständnis habe er für die regelmäßige Zerstörung der ausgehängten Maskenpflicht-Schilder im Umfeld der Kundgebung. „Für Sachbeschädigungen, gleich welcher Art, habe ich keinerlei Verständnis und wir erstatten dementsprechend Anzeigen“, sagt Lembke. „Man wird sicher die verwirrten Geister, die diese Taten begehen, nicht davon abhalten können. Wir ersetzen die Hinweisschilder immer so schnell wie möglich“, sagt der Oldesloer Verwaltungschef. „Was in jemandem vorgeht, der ein derartiges Hinweisschild zerstört, kann ich nur vermuten. Ganz offenbar
hat sich der Intellekt dort verabschiedet und das ist tragisch“, sagt der Bürgermeister.
Mit Querdenker-Parolen wurde zwischenzeitlich auch das Impfzentrum an der Jugendherberge beschmiert auf dem jetzt einige Hoffnungen ruhen. Ab 4. Januar sollen dort nach bisherigen Informationen zwei der möglichen fünf Impflinien den Betrieb aufnehmen. Schon in diesen Tagen sollen erste mobile Impfteams in Seniorenheimen und Pflegeeinrichtungen unterwegs sein. Wie viele Impfdosen für Stormarn bereitstehen, konnte die Kreisverwaltung am Montag nicht beantworten. Auch nicht, wann die Impfzentren in Reinbek und Großhansdorf ihren Dienst aufnehmen könnten. Abhängen werde das vor allem auch von der Menge an Impfstoff sein, die zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Verfügung steht. „Die Kreise und kreisfreien Städte stellen die Liegenschaften für die stationäre Corona-Schutzimpfung zur Verfügung und haben diese bereits betriebsbereit eingerichtet“, sagt Drenckhahn. „Die Zeitpunkte zur Inbetriebnahme werden zentral gesteuert und sind abhängig von den verfügbaren Impfstoffen“, erklärt der Kreissprecher weiter.
Am Sonnabend waren die ersten rund 10.000 Impfdosen des Mainzer Unternehmens BionTech und seines US-amerikanischen Partnerunternehmens in Schleswig-Holstein angekommen. Weitere Lieferungen waren für das gesamte Bundesland für den Montag 28. Dezember (rund 14.000 Impfdosen) sowie für den 30. Dezember (rund 24.000 Impfdosen) angekündigt, teilte das Soziaministerium mit. Die Aufsplittung auf die Kreise wurde nicht näher ausgeführt.
Wo genau die mobilen Teams schon zum Einsatz kamen, kann das Kreis-Gesundheitsamt nicht beantworten. „Die mobilen Teams der Corona-Schutzimpfungen werden zentral durch das Sozialministerium gesteuert und sind losgelöst von den örtlichen Planungen“, erklärt Kreissprecher Michael Drenckhahn. Der Kreis kündigte an, dass es seitens des Landes eine groß angelegte Informationskampagne geben solle, gerade auch um ältere Bewohner zu erreichen. „Um fehlende technische Endgeräte in höheren Altersgruppen abzufangen wird hierfür ein entsprechendes Callcenter zur telefonischen Terminvergabe installiert“, sagt Drenckhahn.

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