Hoffen auf den Lockdown-Effekt: Infektionen steigen weniger stark

Lübecker Nachrichten   29.12.2020

Trendwende ist aber noch nicht in Sicht – Labore übermitteln von nächstem Monat an positive Testergebnisse nur noch digital – Kreis bekommt weitere Hilfe von der Bundeswehr

Von Dorothea von Dahlen

Maskenpflicht, Kontaktbeschränkungen, Lockdown – Zeigen die Corona-Auflagen im Kreis Stormarn bereits Wirkung? Foto: Carstens

Bad Oldesloe. Seit dem zurückliegenden Wochenende hat sich die Gesamtzahl der klinisch bestätigten Covid-19-Fälle in Stormarn von 2990 (Stand 27. Dezember) auf 3063 (Stand: 28. Dezember) erhöht. Dem entsprechend ist auch der Inzidenzwert leicht gestiegen und zwar von 160,1 auf 174,9 Infektionen pro 100 000 Einwohner. Da die Zahl der positiven Tests aus den Laboren inzwischen digital und kaum noch per Fax übermittelt werden, entsprechen diese Angaben weitgehend dem aktuellen Stand, wie Kreissprecher Michael Drenck-hahn mitteilt. Ihm zufolge müssen bis zum Jahresende sämtliche Labore in Schleswig-Holstein ihr Meldesystem auf Online-Betrieb umstellen. Die analog weitergeleiteten Fälle hätten bis jetzt mühsam von den Mitarbeitern des Gesundheitsamtes händisch bearbeitetet werden müssen. Dieser Aufwand entfalle dann.

Die aktuellen Zahlen lassen laut Drenckhahn jedoch noch keine verlässliche Aussage darüber zu, ob der seit dem 16. Dezember angeordnete Lockdown im Kreis Früchte getragen hat. Ein gewichtiger Grund dafür sind die recht spät auftretenden Symptome nach einer Infektion mit dem Coronavirus. Laut Robert-Koch-Institut liegt die Inkubationszeit und somit der Zeitpunkt, in dem eine Übertragung der Krankheit von Mensch zu Mensch möglich ist, bei fünf bis sechs Tagen nach der Ansteckung. Der eigentliche Ausbruch der Krankheit dagegen wird erst nach zehn bis 14 Tagen bemerkt. Somit lässt sich erst mit Verzug feststellen, ob die über Weihnachten verschärften Kontaktregeln auch eingehalten wurden, sodass sie tatsächlich etwas zur Eindämmung des Infektionsgeschehens im Kreis beitragen konnten. „Welche Auswirkungen der seit dem 16. Dezember geltende Lockdown hatte, lässt sich deshalb erst im neuen Jahr ermitteln. Wir hoffen, dass die Zahl dann wieder etwas heruntergeht“, sagt Drenckhahn.

Feiertage hin oder her – das Gesundheitsamt des Kreises war auch in dieser Zeit durchgängig besetzt. „Lediglich den 1. Weihnachtstag geben wir für alle frei“, hatte Landrat Henning Görtz im Vorfeld mitgeteilt.

Die in der Behörde eingesetzten Rechercheteams taten dann auch alles, um die Kontaktpersonen infizierter Stormarner ausfindig zu machen und sie darüber zu informieren, dass sie jetzt einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind.

Angesichts steigender Corona-Fälle im Kreis gelingt es inzwischen allerdings nur mit Mühe, bei der Nachverfolgung Schritt zu halten. „Wenn man sich vorstellt, dass jede infizierte Person zwischen 20 und 40 Kontakte hatte, ist das gut vorstellbar“, erklärt der Kreissprecher. So habe der Rückstand vor Weihnachten noch bei drei Tagen gelegen. Inzwischen dürfe die Kluft sogar noch größer geworden sein.

Drenckhahn zufolge helfen derzeit 12 bis 13 Bundeswehrsoldaten bei der Telefonrecherche. Sie werden auch an Silvester und – abhängig von der Entwicklung der Fallzahlen – sogar Neujahr im Einsatz sein.

Ab Januar soll zudem weiteres Personal aus den Streitkräften, aber auch aus dem Finanzamt hinzugezogen werden, um den Rückstand aufholen zu können. „Bislang war das an den beengten Platzverhältnissen gescheitert. Aber jetzt haben die Kreistagsfraktionen ihre Räume im Kreisgebäude zur Verfügung gestellt“, berichtet Drenckhahn.

Nach Angaben der Polizeidirektion Ratzeburg gab es über die Weihnachtsfeiertage keine offensichtlichen Verstöße gegen die vom Land erlassenen Kontaktbeschränkungen.

„Es war weitgehend ruhig. Vorkommnisse gab es nicht“, berichtet Polizeisprecherin Sandra Kilian.

So habe es weder größere Menschenansammlungen im öffentlichen Raum gegeben noch Hinweise, dass bei privaten Feiern gegen die geltenden Regeln der Corona-Verordnung verstoßen worden sei.

Welche Maßnahmen zu Silvester getroffen werden, sei noch Gegenstand von Beratungen auf Landesebene. „Mit dieser Frage befasst sich zurzeit das Landespolizeiamt. In den nächsten Tagen wird die Strategie bekannt gegeben, die für alle Direktionen verbindlich sein wird“, sagte die Sprecherin.

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