Virtueller Besuch bei Habliks Deckenmalereien

Lübecker Nachrichten   03.01.2021

Beispiele seiner Farbgestaltung von 1926 in Bad Oldesloe können jetzt bei einem virtuellen Rundgang besichtigt werden

Von Susanna Fofana

Die farbenfrohen Deckenmalereien aus dem Jahr 1926 sind etwas ganz Besonderes. Vor allem im Textilraum der Oldesloer TSS sind sie 2010 sichtbar gemacht worden.foto: SUSANNA FOFANA

Bad Oldesloe. Die farbenfrohen Deckengemälde des Künstlers Wenzel Hablik im Altbau der Theodor-Storm-Schule (TSS) in Bad Oldesloe sind so etwas wie ein „Stadtkulturerbe“. Kunstfans reisen von weither an, um bei einer der seltenen Führungen einen Blick auf die 2010 sorgsam restaurierten besonderen Malereien zu erhaschen. Zu Corona-Zeiten blieb auch dieses Oldesloer Kleinod lange interessierten Blicken verwehrt. Jetzt jedoch kann ein Raum des Kunstschatzes sogar weltweit online besucht werden – in einer 3D-Ansicht.

Die Idee zur virtuellen Führung hatte Günter Knubbe vom Oldesloer Wir-Verein. Er holte sich für das Projekt einen Ex-Oldesloer hinzu: Christian P. Schlichte, der mit seiner Lübecker Firma cp360pano im ganzen Norden 3D-Einblicke in Museen und Kirchen gewährt. Der rückte mitsamt Geschäftspartner Ralf Lange in Bad Oldesloe für den vom Wir-Verein finanzierten 3D-Scan an. Ausgewählt wurde dafür der Textilraum der Schule. Der kann nun über einen Link der Homepage der Stadt Bad Oldesloe direkt virtuell besucht werden. Natürlich ohne Schüler.

Anfang des Jahres möchte der Stadtgestalter-Verein noch eine kleine Zusatztafel mit einem QR-Code am denkmalgeschützten Gebäude Olivet-Allee Nr. 18 anbringen. Knubbe: „Selbst mit einem Smartphone ist so der Blick in den Raum jederzeit möglich.“ Der Maler, Grafiker, Kunsthandwerker, Innenarchitekt und Visionär Wenzel Hablik gilt als einer der wichtigsten Vertreter der expressionistischen Architektur und zählt zu den bedeutendsten Künstlern Schleswig-Holsteins.

Der jetzige Textilraum im Obergeschoss der Schule bildete früher einmal mit dem benachbarten PC-Raum den Gesellschaftsraum der Firma Bölck. Dort fanden Betriebsfeiern statt, probte das firmeneigene Doppelquartett. „Oben ist es viel farbintensiver als unten“, weiß Bad Oldesloes Stadtführerin Sieglinde Demiss-Voigtmann. Seit der aufwendigen Restaurierung der „Kunst am Bau“ 2010 bot sie viermal im Jahr Sonderführungen Hablik/Bölck an. Doch im Coronajahr 2020 musste schon die für den 15. März geplante erste Führung kurzfristig abgesagt werden. Damals nicht wegen der Gruppengröße, sondern weil die Schule schlichtweg nicht mehr betreten werden durfte. Da niemand weiß, wie es coronamäßig weitergeht, wurde auch für 2021 erst einmal kein Termin vereinbart. „Aber ich könnte sofort wieder loslegen“, versichert Demiss-Voigtmann.

Für sein Kontorgebäude hatte Margarinefabrikant Friedrich Bölck (1877-1940) den Farbraumgestaltungs-Auftrag 1926 an den Allround-Künstler Wenzel Hablik (1881-1934) aus Itzehoe vergeben. Der entwarf selbst die Messing-Türgriffe für das Gebäude. Seine Farbentwürfe wurden mit einer Ölmaltechnik auf Decken und Betonbalken aufgebracht. Die Hablik-Malerei im früheren Kontorraum, der das gesamte Erdgeschoss umfasste, ist noch unter den aus Schallschutzgründen abgehängten Decke der auch als Musikraum genutzten Schulaula erhalten.

Auch die zum Teil noch sichtbaren farbigen Streifentapeten im Haus sind Hablik-Entwürfe. „Die sind dezenter und man könnte sie sich heute noch prima in die Wohnung kleben“, findet Hablik-Kennerin Demiss-Voigtmann. Sie seien „nicht so expressionistisch.“ Der Künstler habe damals „alles aufeinander abgestimmt, damit alles zusammen passt.“ Die passenden Vorhangstoffe stammten übrigens aus der Werkstatt seiner Frau, der Weberin Elisabeth Hablik-Lindemann.

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