Erste Stormarner in Oldesloer Impfzentrum behandelt

Lübecker Nachrichten   05.01.2021

Premiere in der Kreisstadt: Mitarbeiter aus Pflegeeinrichtungen, medizinisches Personal und Senioren über 80 Jahre ließen sich gestern gegen das Corona-Virus impfen

Von Dorothea von Dahlen

Corona-Prophylaxe im Impfzentrum Bad Oldesloe: Roswitha Spiegel gibt Dirk Detert aus Großhansdorf die Spritze. Pascal Mewes (l,) registriert die Patienten.Fotos: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Das Impfzentrum in Bad Oldesloe ist am Montag an den Start gegangen. Die ersten Stormarner konnten sich dort bereits gegen das Corona-Virus impfen lassen. Fünf Stunden lang wurden parallel jeweils zwei Personen mit dem Vakzin BionTech/Pfizer behandelt, so dass am Ende des Tages 120 Dosen verabreicht wurden. Die erste Impfwoche in der Kreisstadt ist bereits restlos ausgebucht. Neue Termine für die zweite Kalenderwoche sind von heute, Dienstag, 5. Januar, an online auf der Homepage der Landesregierung unter www.impfen-sh.de oder unter Telefon 116 117, der Service-Hotline der Kassenärztlichen Vereinigung, möglich.

Zur Immunisierung gegen das schwere akute Atemwegssyndrom sind in der jetzigen ersten Phase nur Mitarbeiter von Pflegeheimen, Kliniken, Rettungsdienst und Notaufnahmen, aber auch Senioren ab einem Alter von 80 Jahren berechtigt. Als Patient Nummer eins reiste Dirk Detert eigens aus Großhansdorf an, da das Impfzentrum in seiner Heimatstadt erst zu einem späteren Zeitpunkt eröffnet werden soll, wenn das Vakzin in größeren Mengen vorhanden ist. Den intramuskulären Pieks überstand der 80-Jährige ohne Komplikationen. Statt anschließend noch im Aufenthaltsraum zu ruhen, begab sich Detert sogar gleich in Richtung Ausgang. „Mir geht es blendend. Ich habe keine Probleme“, ließ er das Betreuungspersonal wissen.

Keinerlei negative Nachwirkungen zeigte auch Cornelia Schultze aus Trittau. Die 41-Jährige arbeitet am Empfang eines Alten- und Pflegeheimes in Trittau „Ich habe ja sehr viel Kontakt mit den Bewohnern und Besuchern. Für uns alle ist es jetzt eine harte Zeit. Wir haben Angst, uns mit dem gefährlichen Virus zu infizieren. Deshalb habe ich die Impfung nicht bereut“, sagte die Trittauerin und betonte, wie wichtig es für sie war, zu den ersten zu gehören, denen das Serum verabreicht wird. Am 29. Dezember, dem Starttag für die Online-Anmeldungen, klingelte deshalb bei ihr schon um 5.30 Uhr der Wecker, damit sie sich möglichst rasch registrieren konnte.

Auch Rita Schünemann zeigte sich erleichtert, dass sie für ihren Vater, Uwe Zeutschel, einen Termin am Nachmittag ergattern konnte. Der 94-Jährige war 35 Jahre lang Vorsitzender der Lebenshilfe Stormarn. „Er ist überglücklich, dass er gleich dran ist. Wir können es nicht verstehen, dass sich so viele Mediziner nicht impfen lassen wollen. Das widerspricht doch allen wissenschaftlichen Erkenntnissen“, sagt Zeutschels Tochter Rita. Auch sie hat den Termin online bekommen.

Damit im Oldesloer Impfzentrum alles reibungslos und unter hygienisch einwandfreien Bedingungen abläuft, hat der Kreis 70 000 Euro in den Umbau der Jugendherberge gesteckt. „20 000 Euro kommen letztlich noch dazu. Damit stehen wir aber im Vergleich noch sehr günstig da. Das Geld bekommen wir im Übrigen auch erstattet“, berichtete Landrat Henning Görtz. Kurz vor dem Impfstart erläuterten er und Fachbereichsleiter Andreas Rehberg den Ablauf. Zugelassen sind nur Besucher mit einem Termin. Sie registrieren sich gleich an einem Schalter im Eingangsbereich, idealerweise mit ihrem Impfbuch. Ein farbiges Leitsystem auf dem Fußboden lotst die Impflinge dann in den für sie vorgesehenen Beratungsraum.

Wie der Oldesloer Allgemeinmediziner Hubert Testorpf erklärte, ist ein Aufklärungsgespräch vor jeder Impfung wichtig, um zu erfahren, ob dabei gegebenenfalls Komplikationen zu erwarten seien. „Momentan ist es nicht empfohlen, Leute, die Corona schon einmal hatten, zu impfen. Dann könnte es sein, dass jemand eine Chemotherapie macht, wobei eine Impfung ebenfalls nicht angesagt wäre. Wenn schwerwiegende allergische Reaktionen im Vorfeld da waren, ist es auch nicht zu empfehlen“, sagte Testorpf. Heuschnupfen oder andere leichte Allergien seien indes kein Grund, nicht an der Impfung teilzunehmen. Anders sei es bei schwereren Impfreaktionen. Nachdem es zwei solcher Fälle in Groß Britannien gegeben habe, werde nun auf Anraten des Herstellers BionTech vorsichtig mit dem Impfstoff verfahren. „Es ist eine Prophylaxe. Sie soll nicht das Leben gefährden“, sagte Testorpf. Unter der Voraussetzung, dass die Versorgung mit Impfstoff über einen längeren Zeitraum gesichert sei, könnten im Übrigen in Bad Oldesloe unter Volllast fünf Ärzte parallel impfen und das zehn Stunden am Tag. Zusammen mit den anderen beiden Impfzentren in Reinbek und Großhansdorf könne das Zehnfache des jetzigen Pensums erreicht werden.

Unterstützt werden die Ärzte im Impfzentrum von weiteren Helfern. Aufgrund eines Amtshilfeersuchens vom Kreis kümmern sich vier Bundeswehrsoldaten um die Anmeldung und die Dokumentation der Impfung. Hinzu kommt Personal von der Johanniter Unfallhilfe wie etwa Lucas Hoffmann. Der 21-Jährige, der als hauptamtlicher Notfallsanitäter in Lübeck tätig ist, hat sich freiwillig für den Dienst in Bad Oldesloe gemeldet. „Ich habe durch den Rettungsdienst schon des Öfteren mit Corona-Patienten zu tun gehabt, einige von ihnen mit leichten, andere mit schweren Verläufen. Deshalb war es für mich selbstverständlich, hier zu helfen. Es muss ja Menschen geben, die versuchen, die schwierige Lage zu verändern“, sagte Hoffmann.

Damit sprach er auch dem Landrat aus der Seele. „Es soll doch ein besseres Jahr als 2020 werden, weil wir ganz viele Probleme hatten und Dinge erlebt haben, die wir so nicht wieder erleben wollen. Aber dafür müssen wir auch etwas tun. Und das Impfzentrum ist ein ganz wichtiger Beitrag dazu, dass wir wieder zu einem normalen Leben zurückfinden – gesellschaftlich, wirtschaftlich und sozial“, sagte Görtz.

Dieser Beitrag wurde unter Presseartikel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.