Stille Zeitzeugen der Geschichte

Stormarner Tageblatt  06.01.2021

Auftakt der Serie über ausgewählte Straßen in Bad Oldesloe, ihrer Namensgebung und Besonderheiten

Bad Oldesloe Die Benennung von Straßen hat eine lange, historische Tradition. Die Geschichte der Straßennamen zeigt, dass es in den unterschiedlichen Epochen bestimmte prägende Muster gab, nach denen Straßen benannt wurden. Straßennamen und Namen von Plätzen sind deshalb fast so etwas wie ein Archiv. Im Mittelalter gab es in allen größeren Städten meist zahlreiche kleine Gassen, in denen eine Handwerkszunft oder Bevölkerungsschicht lebte, nach denen die Gassen benannt wurden. Im Zeitalter des Absolutismus wurde es üblich, Straßen nach dem aktuellen Monarchen zu benennen, eine Tradition, die in Deutschland bis 1918 Bestand hatte, darauf gehen Straßennamen wie Friedrichstraße oder Wilhelmstraße zurück. Die Straßen neuer Wohnviertel werden oft alle nach demselben Muster benannt. Das können Künstler sein, aber auch Vogel- oder Blumennamen. Neben der Ordnungsfunktion dient die Straßenbenennung der Wahrung gemeindlicher Traditionen oder der Ehrung verdienter Bürger und Persönlichkeiten.
Die Benennung von Straßen ist genau geregelt. Das Recht, den öffentlichen Straßen und Plätzen Namen zu geben, ist nämlich eine Selbstverwaltungsangelegenheit der Stadt, die bei der Wahl der Straßennamen einen ziemlich weiten Ermessensspielraum hat. Ein „Recht“ auf einen bestimmten Straßennamen haben die Anlieger aber nicht. Die Straßennamen müssen eine „hinreichende Unterscheidbarkeit“ gewährleisten. Bei einer Straßenumbenennung sind bestehende Interessen der Anlieger an der Beibehaltung des bisherigen Straßennamens im Rahmen der Abwägung zu berücksichtigen.
Das ist auch in Bad Oldesloe nicht anders. In der Praxis beschließt hier die Stadtverordnetenversammlung über den Bau- und Planungsausschuss die Straßenbenennung. Manchmal ist es erforderlich, den Straßennamen zu ändern. Auch diese Aufgabe wird von der Bauverwaltung koordiniert. Die Straßennamensgebung und Hausnummerierung ist somit eine ordnungs- und kommunalrechtliche Angelegenheit. Insgesamt 221 Straßen werden im Straßenverzeichnis der Stadt Bad Oldesloe aufgeführt. Einige davon sind Bundesstraßen, wie die Ratzeburger Straße und die Hamburger Straße, andere kleine Wohn- und Anliegerstraßen.
Viele Straßennamen führen auf historische Begebenheiten zurück, wie etwa die Salinenstraße und die Königstraße. Andere greifen alte Flurnamen auf oder wurden nach bekannten und prominenten Persönlichkeiten benannt, wie etwa die Hindenburgstraße und die Lorentzenstraße.
Was hinter dem Straßennamen „Königstraße“ steckt, ist relativ einfach zu erraten – wahrscheinlich ein König. Aber was hat es mit dem Pferdemarkt und der Heiligengeiststraße auf sich? srp

Der „Pferdemarkt“

Platz an der Kreuzung Berliner Ring/Segeberger Straße diente in seiner Historie verschiedensten Zwecken

Der historische Pferdemarkt mit dem Gast- und Logierhaus Heuer. st
Der historische Pferdemarkt mit dem Gast- und Logierhaus Heuer. st

Insgesamt 221 Straßen werden im Straßenverzeichnis der Stadt Bad Oldesloe aufgeführt. Das Stormarner Tageblatt wird in loser Folge einige dieser Straßen vorstellen und erklären, woher deren Namen kommen und was es damit auf sich hat.

BAD OLDESLOE Bis auf den Namen hat der heutige Pferdemarkt an der Kreuzung Berliner Ring/Segeberger Straße nichts mehr mit dem in früheren Zeiten belebten und beliebten Platz, auf dem sich ein großer Teil des städtischen Lebens abspielte, gemein. Vom Pferdemarkt führte die Segeberger Chaussee zur Brücke am Lübecker Tor. Früher wurde der Pferdemarkt seinem Namen noch gerecht, denn auf dem großen Platz fand mehrmals im Jahr ein reger Handel mit Pferden statt. Dieser „Pferdemarkt“ hatte auch eine große Bedeutung für das Umland. In der ersten Ausgabe des „Oldesloer Wochenblattes“ von 1839 stand: „Nach Preußen wurden 119, nach Mecklenburg 163, nach Hannover 7 und nach Hamburg 73, nach Lübeck 3, in das Lauenburgische 11 und nach Altona 9 Pferde verkauft.“ Auch eine Pferdeschlachterei mit Gaststätte gab es auf dem Platz. Die „Rossschlachterei Sengelmann“ ist älteren Oldesloern noch in guter Erinnerung, denn hier gab es die leckerste Pferdewurst weit und breit.
Außerdem diente der Pferdemarkt früher als Gildekamp (Festplatz): Mehrere Tage im Jahr trafen sich hier die Oldesloer Gilden und Zünfte. Höhepunkt dieser Veranstaltungen war das Armbrustschießen, bei dem auf einen hölzernen „Papagoy“ geschossen wurde. Der Pferdemarkt hatte vom Norden aus den Charakter eines trichterförmigen Eingangs in die Stadt. Inzwischen ist vom ursprünglichen Pferdemarkt nicht mehr viel übrig geblieben und an die städtebauliche Marktanlage erinnert heute nur noch der Name.
Susanne Rohde

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