Neuer WAS-Geschäftsführer Ulf Hahn über Corona und Gewerbegebiete

Lübecker Nachrichten   08.01.2021

Ulf Hahn tritt im Sommer die Nachfolge von Detlev Hinselmann bei der WAS Stormarn an – Digitalisierung und die Erschließung neuer Gewerbeflächen sind zwei seiner Anliegen

Von Bettina Albrod

Bad Oldesloe. Ulf Hahn (49) wird im Sommer neuer Geschäftsführer der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS): Der Stockelsdorfer, der seit 2014 Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Kreis Herzogtum Lauenburg (WFL) ist, wird Nachfolger des am 31. März ausscheidenden Detlev Hinselmann. An der Gesellschaft sind mit 52 Prozent der Kreis Stormarn und mit je 24 Prozent die Sparkasse Holstein sowie die landeseigene Förderbank IB.SH beteiligt. Sie wurde 1957 mit dem Ziel gegründet, vor allem mit der Erschließung und Vermarktung von Gewerbegrundstücken die wirtschaftliche und soziale Struktur des Kreises zu verbessern.

Was reizt Sie an der Tätigkeit in Stormarn?

Der Kreis Stormarn ist der wirtschaftlich stärkste Partner in der HanseBelt-Region und in Schleswig-Holstein. Viele interessante Unternehmen sind dort aktiv und die gute Lage in der Metropolregion Hamburg bietet exzellente Voraussetzungen. Das letzte Regionsranking für Deutschland belegt das eindrucksvoll. Es kommt hinzu, dass ich in Großhansdorf groß geworden bin und somit eine heimatliche Verbindung zum Kreis besteht.

Welche Stärken hat der Kreis?

Die Stärken des Kreises liegen in der sehr guten Lage innerhalb der Metropolregion, der schon heute sehr guten verkehrlichen Anbindung an Hamburg sowohl beim Individual- als auch beim öffentlichen Verkehr und in dem sehr attraktiven Umfeld vieler erfolgreicher Unternehmen, deren Mitarbeiter natürlich auch die hohe Wohnqualität im Kreis schätzen. Vor allem die wirtschaftliche Kraft hat auch mit der sehr erfolgreichen Entwicklungsarbeit der WAS in den letzten Jahrzehnten zu tun.

Welche Schwächen gibt es, wo Sie nachbessern wollen?

Tatsächliche Schwächen kann ich aus meiner jetzigen Position gar nicht erkennen. Es gibt Herausforderungen für die wirtschaftliche Entwicklung, aber diese möchte ich zunächst genauer mit Stakeholdern und Shareholdern beleuchten.

Welche Schwerpunkte möchten Sie setzen?

Ein gewichtiger Schwerpunkt wird auch künftig die Gewerbeflächenentwicklung sein, vielleicht an passender ausgesuchter Stelle auch einmal eine Brownfieldentwicklung (Baumaßnahmen auf Grundstücken, die ehemals industriell genutzt wurden oder Sonderflächen wie Bahnareale oder militärische Flächen waren). Zusätzliche inhaltliche Schwerpunkte für eine Wirtschaftsförderung im HanseBelt werden die Themen Fachkräfteattraktivität, Unternehmensnachfolge und aufgrund der andauernden Corona-Einschränkungen wohl auch die Betreuung von notleidenden Betrieben sein. Gründerkultur und die Digitalisierung von kleinen und mittleren Unternehmen könnten weitere Schwerpunkte sein, wobei bei allen diesen Themen ein breites Netzwerk an Partnern aus meiner Sicht eine erfolgreiche Lösung ermöglicht.

Wie gehen Sie mit dem Wunsch der Gemeinden nach Gewerbegebieten um?

Da ich die genauen Wünsche der Gemeinden nach weiteren Gewerbegebieten noch nicht genau kenne, möchte ich dazu konkret noch nichts sagen. Klar ist aber, dass die WAS sich auch weiterhin als Partner der Gemeinden verstehen wird.

Fehmarn-Belt-Querung und S4 werden den Kreis verändern. Bereiten Sie sich darauf vor?

Beides bringt für den Kreis große Chancen mit sich. Der Ausbau der S4 ist dabei sicher um einiges unumstrittener als die Herausforderungen der FFBQ. Letztere wird vor allem auch auf der Schiene viel zusätzlichen Güterverkehr mit sich bringen, der an vielen Stellen im Kreis wie auch in Ostholstein zu zusätzlichen Belastungen führen kann, wenn die emmissionsmindernden Maßnahmen nicht ausreichen. In den Gesprächen mit den Gemeinde wird und ist das sicher schon ein Thema. Wir wollen aber vor allem die entstehenden Chancen erkennen und nutzen. Das gilt natürlich für den gesamten HanseBelt.

Von Naturschützern wächst die Kritik an Flächenversiegelungen – wie gehen Sie damit um?

Diese Kritik ist ja nicht unberechtigt und für flächenentwickelnde Wirtschaftsförderungen schon seit vielen Jahren ein Thema. Viel versiegelte Fläche entsteht zum Beispiel auf den Dächern der großen Hallen. Hier gibt es sicher bessere Lösungen, als diese nahezu ungenutzt zu lassen. Eine nachhaltige Entwicklung künftiger Flächen ist sicher notwendig. Dabei gilt es aber immer eine gute Mischung aus ökologischen und ökonomischen Aspekten im Auge zu behalten. Die Flächen, die in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten im HanseBelt noch erschlossen werden, müssen ohne Frage ökologisch bessere Lösungen bieten, den Arbeitenden vor Ort eine gewisse Erholungsfunktion bieten, aber eben auch berücksichtigen, dass die knappen Flächen auch ökonomisch optimal genutzt werden müssen.

Welche Auswirkungen hat das Thema Digitalisierung/schnelles Internet?

Die Auswirkungen sind seit Jahren immens und seit einigen Monaten erleben wir ja, wie wichtig ein gut funktionierendes digitales Gerüst für die Wirtschaft, aber auch die Gesellschaft insgesamt ist. Aus Sicht der Wirtschaftsförderung gilt es die vielen schon vorhandenen Programme und Hilfen noch näher an die vor allem kleineren Unternehmen heranzubringen und vielleicht auch konkretere Umsetzungsberatung leisten zu können.

Wirkt sich die Corona-Pandemie auf Ihre Arbeit aus?

Im Kreis Herzogtum Lauenburg sind die Auswirkungen auf unsere Arbeit – vermutlich genau wie in Stormarn – natürlich vorhanden. Das fing mit intensiver Beratungsleistung bei den ersten Hilfspaketen im Frühjahr an. Vieles lässt sich durch digitale virtuelle Formate kompensieren, aber natürlich nicht alles. Eine aktive Bürgerbeteiligung lässt sich damit zum Beispiel nur schwer organisieren. Die Nachfrage nach Gewerbegrundstücken war aber weiterhin hoch und das ist wohl auch in Stormarn so.

Hamburg und Schleswig-Holstein haben teils grenzüberschreitende Gewerbegebiete – wollen Sie diesen Kurs fortsetzen?

Interkommunale Ansätze werden von unserer Landesplanung gefordert und machen sehr oft auch viel Sinn. Diese muss nicht an Bundesländergrenzen enden und die WAS hat gezeigt, wie sich so etwas erfolgreich mit Hamburg machen lässt. Wenn es sich anbietet, wird die WAS das sicher wieder machen.

Was bringen Sie aus ihrer bisherigen Arbeit mit nach Stormarn?

Ich bringe wohl ein gut funktionierendes Netzwerk in Schleswig-Holstein, der Metropolregion und im HanseBelt mit. Eine Wirtschaftsförderung für neue Themenfelder zu öffnen und dabei die richtigen Partner einzubinden ist etwas, was ich im Herzogtum mit meinem dortigen Team ganz ordentlich hinbekommen habe und neben den engen Banden zu diesem Kreis sind die guten Verbindungen nach Lübeck für den nördlichen Teil Stormarns sicher auch nicht nachteilig.

Dieser Beitrag wurde unter Presseartikel veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.