Ein Berliner Bär in Bad Oldesloe

Stormarner Tageblatt  12.01.2021

Am Berliner Ring steht seit mehr als 60 Jahren ein sogenannter Meilenstein, der an eine ganz besondere Zeit erinnern soll

Seit einer Sanierung im vergangenen Jahr erstrahlt der Berliner Meilenstein wieder so wie im Originalzustand.  susanne Rohde
Seit einer Sanierung im vergangenen Jahr erstrahlt der Berliner Meilenstein wieder so wie im Originalzustand. susanne Rohde

Susanne Rohde
BAD OLDESLOE Am Rande des Berliner Rings, gleich neben dem alten Friedhof und nur 100 Meter von der Brücke über die Trave entfernt, steht eine Stein-Skulptur, auf dem ein Bär abgebildet ist. Genauer gesagt – ein Berliner Bär. Darauf ist die Anzahl der Kilometer vermerkt, die man von dieser Stelle aus bis in die Bundeshauptstadt fahren muss – nämlich 328 Kilometer. Fast jeder Oldesloer hat ihn bestimmt schon mal gesehen, aber kaum einer weiß so genau, was es damit auf sich hat.

Denkmäler in der Republik verteilt
Die steinernen Berliner Bären sind Denkmale, die an die Teilung Berlins und an dieses traurige Kapitel der deutschen Geschichte erinnern sollen. Die Berliner Meilensteine, Kilometersteine oder Gedenksteine wurden zwischen 1954 und 1989 unter dem Motto „Bären für Berlin“ in hunderten deutschen Städten aufgestellt. 1954 wurde an der Autobahn zwischen Köln und Frankfurt/Main der erste Berliner Kilometerstein aufgestellt. Viele deutsche Städte wollten auf diese Weise ihre Solidarität mit Berlin bekunden. Mehr als 250 Steine folgten in Orten oder an Autobahnen. Viele Steine sind allerdings verschwunden oder inzwischen in Vergessenheit geraten. Auch in Lübeck am Berliner Platz und Bad Segeberg vor der Dahlmann-Schule gibt es Bären-Steine.
Der Oldesloer Bär gehörte zu den ersten, denn er wurde schon im Juni 1959 aufgestellt und feierlich enthüllt. Ein Vertreter des Berliner Senats kam damals in die Travestadt und grüßte besonders herzlich von Willy Brandt, gebürtiger Lübecker und damals seit zwei Jahren das Stadtoberhaupt Berlins. Die angrenzende Straße bekam damals auch ihren Namen: Berliner Ring. Im Internet kann man sogar einen rund drei Minuten langen Film von der Einweihung des Meilensteins in Bad Oldesloe unter www.ardmediathek.de sehen.

Idee stammt von berühmtem Verleger
Wie zahlreiche andere Steine mit einem Bärenrelief auch, ist der Oldesloer Gedenkstein ein sogenannter Sintenis-Stein der Bildhauerin Renée Sintenis (1888 – 1965), von der das stilisierte Bären-Motiv stammt. Die Berliner Bildhauerin und Grafikerin schuf unter anderem das Vorbild für die goldenen Bären, die alljährlich auf der Berlinale verliehen werden. Hinter der Idee stand damals der Verleger und Berlin-Beauftragte Gerd Bucerius, der anregte, auf den bundesdeutschen Autobahnen alle 100 Kilometer einen Kilometerstein mit dem Berliner Bären zu errichten. Bucerius konnte diese aus Mitteln des Bundes finanzierten Meilensteine jeweils kostenlos zur Verfügung stellen, die Gemeinden hatten jeweils nur für die Kosten der Errichtung der Steine geradezustehen.
Der Oldesloer Bär war jahrzehntelang ein „Braunbär“, denn irgendwann einmal wurde er braun angemalt, ebenso auch die Buchstaben auf der Skulptur. Im vergangenen Jahr wurde der Stein endlich mal wieder gereinigt und in den Originalzustand versetzt. Der kleine Bär erstrahlt jetzt wieder hell wie am ersten Tag.

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