Neue Verordnungen bringen Planungen durcheinander

Lübecker Nachrichten   12.01.2021

An Oldesloes Schulen herrscht Verärgerung über die Regeln zum Präsenzunterricht für Abschlussklassen. Zu spät wurde man informiert.

Von Sandra Freundt

TSS-Schulleiter Martin Nirsberger hält an seinem Konzept für den Präsenzunterricht fest. „Die Schüler aus den Prüfungsklassen haben zu unterschiedlichen Zeiten in kleinen Gruppen unter Einhaltung der Hygieneregeln Unterricht. Das passt soweit“.Fotos: Sandra Freundt

Bad Oldesloe. „Kann, soll, muss, darf. . “ – Präsenzunterricht für die Abschlussklassen war bereits mit dem ersten Erlass des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur vom 6. Januar angedacht. Da war allerdings noch von „Bildungsangeboten“ die Rede. Einen Tag später – bei den meisten Schulen waren die Planungen für das Lernen vor Ort bereits abgeschlossen – hieß es: „Unterricht in vollem Umfang“ – also an fünf Tagen. „Das können wir an unserer Schule unter den Hygiene- und Abstandsregeln gar nicht durchführen“, meldete Sven Baumann, stellvertretender Leiter der Ida-Ehre-Schule (IES), starke Bedenken an. Mit allen Schulleitungen der Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe wandte er sich deshalb direkt an das Ministerium, diese Ansage doch noch mal zu überdenken – und wurde ernst genommen. In der Schulen-Corona-Verordnung vom 8. Januar heißt es nun, „es kann für die Abschlussjahrgänge Präsenzunterricht stattfinden“. Allerdings ließ auch diese Verordnung noch Fragen offen, so dass das Ministerium gestern eine weitere Pressemitteilung zur Klärung herausgab. „Das begrüßen wir sehr“, betont Baumann, der vorsorglich zunächst alle Klassen in dieser Woche auf Distanz unterrichtet und aktuell an einem Konzept arbeitet, das für alle Betroffenen passt. „In dieser Zeit mit den hohen Inzidenzwerten finde ich es schon richtig, erst mal das Lernen online anzubieten.“

„Allerdings kann es den Präsenzunterricht natürlich überhaupt nicht ersetzen“, sagt Malte Richert. Der 19-Jährige aus dem 13. Jahrgang der IES hat derzeit einige Videokonferenzen, dazu bekommt er über IServ Aufgaben und Links zu Filmen geschickt. „Das digitale Lernen klappt viel besser als noch im ersten Lockdown. Und auch die Treffen der Schulkonferenz sind jetzt online möglich“, sagt der Abiturient, der mit dem „Lernen auf Distanz“ an sich recht zufrieden ist.

„Doch gerade in unserem Profilfach ,Wirtschaft/Politik’ diskutieren wir normalerweise sehr viel, das geht nun verloren und man kommt mit dem Stoff auch nicht so schnell voran wie gemeinsam im Klassenraum“, bedauert er und hofft daher auf baldiges „Lernen vor Ort“. Der Schüler betont dabei aber auch, dass dies nur unter den entsprechenden Schutzmaßnahmen möglich sein kann.

Viel Aufwand hat die Berufliche Schule des Kreises Stormarn (BSK) in Bad Oldesloe betrieben, um dem Konflikt von „Prüfungsvorbereitung vor Ort“ und der „Möglichst-zu-Hause-Bleiben“-Ansage des aktuellen harten Lockdown gerecht zu werden. „Wir haben uns alle 37 Prüfungsklassen einzeln vorgenommen und entsprechend der Schulen-Corona-Verordnung geguckt, wo Präsenzunterricht von Nöten ist und wenn ja, in welchem Umfang“, erklärt BSK-Leiter Kay Aagard. Statt der nach dem Schreiben vom 7. Januar zunächst befürchteten 400 Schüler zur gleichen Zeit vor Ort werden nun um die 250 zeitversetzt in kleinen Gruppen in der Lehranstalt unterrichtet. Einmal pro Woche wird zudem geguckt, ob es dabei bleibt oder der Distanzunterricht für weitere Klassen ausreichend ist.

Das Hygienekonzept an der Schule am Masurenweg (SaM) war mit eigenem Pausen- und Toilettenbereich bereits nach dem ersten Lockdown sehr gut durchdacht, so dass dieses auch jetzt für den Präsenzunterricht der Abschlussjahrgänge umgesetzt wird. „Aktuell kommen die Prüflinge, das sind die Schüler des zehnten Jahrgangs, zum Unterricht zu uns, nach den Zeugnissen Ende Januar dann auch die Prüflinge des neunten Jahrgangs“, erklärt Schulleiter Sascha Plaumann. In der Notbetreuung der Klassen eins bis sechs sind zudem derzeit in etwa 30 Kinder, die auch in kleine Gruppen und auf verschiedene Räume aufgeteilt sind. Dazu bietet die SaM noch Lern- und Arbeitsräume ab Klasse sieben für Kinder mit besonderem Bedarf. „Das ist ein Angebot für Kinder, die in der häuslichen Umgebung nicht entsprechend lernen können, sei es beispielsweise durch viele Geschwister oder fehlende technische Ausrüstung“, erklärt Plaumann. Der Schulleiter betont dabei aber: „Wer dieses besondere Angebot nutzen darf, wird von den Lehrkräften und den Schulsozialarbeitern entschieden.“

Relativ entspannt mit den immer wieder neuen Verordnungen gehen die Theodor-Storm-Schule (TSS) und die Theodor-Mommsen-Schule (TMS) um. An beiden Lerninstituten hat – ebenso wie an der SaM und der BSK – gestern bereits das „Lernen vor Ort“ stattgefunden. „Bei uns kommen – inklusive der Schüler, die sich zum Lernen und Vorbereiten der Projektprüfung hier treffen – nur 110 Kinder für den Präsenzunterricht in Frage. Das Lernangebot und Aufteilen in Gruppen passt daher auch auf die aktuellen Verordnungen“, sagt TSS-Schulleiter Martin Nirsberger. Ähnlich viele Schüler betrifft der Präsenzunterricht auch am Oldesloer Gymnasium. „Unsere Planungen haben mit den entsprechenden Aufteilungen und regelmäßigem Lüften schon gut funktioniert. Das werden wir jetzt diese Woche so beibehalten. Für die nächste Woche entscheiden wir dann neu“, erklärt TMS-Leiter Hennig Bergmann.

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