Corona hemmt die wirtschaftliche Entwicklung

Lübecker Nachrichten   19.01.2021

Trotz Pandemie respektables Ergebnis der Stormarner Wirtschaftsförderung – Unternehmen investierten mehrere Millionen Euro

Von Markus Carstens

Bad Oldesloe. Seit März 2020 haben Wirtschaftsunternehmen in Norddeutschland sicher anderes zu tun, als sich um Expansion oder Neuausrichtung zu kümmern. Es ging und geht durch die Corona-Krise mehr darum, Arbeitsplätze zu erhalten, Kurzarbeit und Homeoffice zu organisieren sowie natürlich Infektionen zu vermeiden.

Trotz dieser widrigen Bedingungen ist der Wirtschafts- und Aufbaugesellschaft Stormarn (WAS) ein respektables Jahresergebnis gelungen. Das geht aus der Bilanz hervor, die WAS-Chef Detlev Hinselmann jetzt vorlegte. „Die vergangenen zwölf Monate haben manchen Plan über den Haufen geworfen, unser Ansiedlungsgeschäft erlitt einen unerwarteten Einschnitt“, sagte Hinselmann, der noch bis Ende März Geschäftsführer der WAS ist. „Gleichwohl sind wir zufrieden, gerade im Hinblick auf die erschwerten Bedingungen“, sagt der 61-Jährige und spricht von einem ausgewogenen Ansiedlungsgeschäft. „Unsere Wirtschaft ist stark aufgestellt und hat sich in der Krise einmal mehr als robust erwiesen.“

Auch Landrat Görtz zufrieden

Auch Landrat Henning Görtz als Vorsitzender des Aufsichtsrates ist angesichts der Umstände zufrieden. „Die Unternehmen haben ihre Investitionen erstmal verschoben, aber nicht abgesagt“, erklärte Görtz gegenüber den LN. Die große Insolvenzwelle sei bislang auch ausgeblieben. „Da werden jedoch die nächsten Wochen entscheidend“, glaubt Görtz.

Insgesamt sei die Nachfrage nach Gewerbeflächen ungebrochen hoch, sagt Hinselmann. Das Problem seien mehr die immer knapper werdenden Flächen. Daran will die WAS mit Hochdruck arbeiten, auch eine Aufgabe für den neuen Geschäftsführer Ulf Hahn. Nur mit neuen Gewerbeflächen lasse sich die Wirtschaftskraft im Kreis halten, was sich auch zum Beispiel auf die Steuereinnahmen der Kommunen auswirke, sagt Hinselmann.

14 Millionen Bauinvestitionen

Im vergangenen Jahr wurden drei neue Ansiedlungen von Firmen außerhalb des Kreises Stormarn verzeichnet, sieben Umsiedlungen, fünf Erweiterungen und eine Existenzgründung. Bei rund 14 Millionen Euro Bauinvestitionen wurden in Stormarn laut Hinselmann rund 250 Arbeitsplätze gesichert sowie rund 120 neu geschaffen. Zum Vergleich: In 2019 standen 28 Ansiedlungen großer Firmen, Umsiedlungen oder Erweiterungen zu Buche, etwa 200 Arbeitsplätze wurden neu geschaffen und 500 bestehende gesichert. Insgesamt flossen 32 Millionen Euro an Bauinvestitionen nach Stormarn.

Ausgesprochen gut läuft es weiter im neuen Ahrensburger Gewerbegebiet Beimoor-Süd II. Dorthin floss mehr als die Hälfte der Investitionen. Weitere begehrte Areale sind die Flächen in Barsbüttel, Reinbek und vor allem Stapelfeld (Minerva-Park), wo ein interkommunales Gewerbegebiet mit Hamburg entsteht. Große Nachfrage herrsche auch für das Gebiet in Trittau zwischen B 404 und Technologiezentrum. „Wir wollen dort vor allem ortsansässigen Betrieben Raum zur Expansion geben“, erklärt Hinselmann und rechnet damit, dass die 13 Hektar noch in diesem Jahr erschlossen und vermarktet werden können.

Noch nicht ganz so weit ist man am Autobahnkreuz Bargteheide mit der Entwicklung eines Autohofes. Das Projekt ist bereits seit vielen Jahren immer mal wieder Thema, jetzt wird es aber konkret. „Es ist ein kompliziertes Verfahren“, sagt Hinselmann, ist jedoch froh darüber, dass ein Investor gefunden wurde. „Die Verträge stehen kurz vor dem Abschluss.“ Nach LN-Informationen ist der Autohof-Entwickler ein Unternehmen, das bereits mehrere ähnliche Objekte in ganz Deutschland betreibt. „Es wird kein Casino oder Bordell dort geben“, stellt Hinselmann klar. Wichtig sei vor allem, Parkplätze für Lkw zu schaffen und die Fahrer zu versorgen. Schon seit Jahren ist die Parkplatznot an der A 1 zwischen Hamburg und Lübeck ein riesiges Problem. Noch in diesem Jahr sollen die Pläne öffentlich vorgestellt werden und der Satzungsbeschluss der Gemeinde Hammoor soll erfolgen. Das an dieser Stelle ebenfalls geplante Gewerbegebiet hatte das Land gestrichen.

Boom in Reinfeld

Noch weiter nördlich hat das Gebiet Reinfeld/Stubbendorf direkt an der A 1 in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom erlebt. Lediglich auf Stubbendorfer Seite sind laut WAS noch einige Flächen frei. In Reinfeld denkt man daher schon über eine Erweiterung nach. Auch in Bad Oldesloe gibt es kaum noch geeignete Gebiete aus öffentlicher Hand, sodass die Stadt hinter der Grabauer Straße ein neues Gewerbegebiet erschließen will. Die Flächen an der A 1 werden von einem privaten Entwickler erschlossen, sind aber auch schon zur Hälfte belegt.

„Die WAS hat als Team gute Arbeit geleistet im Bereich Flächenentwicklung und -vermarktung und auch infrastrukturell bemerkenswertes erwirkt“, zieht Hinselmann eine Bilanz seiner fünfjährigen Arbeit und nennt als Beispiele den Ausbau der A-1-Anschlussstellen Ahrensburg und Stapelfeld. Beide Projekte hatte der scheidende Geschäftsführer angestoßen und maßgeblich vorangetrieben.

Als Nachfolger von Detlev Hinselmann – sein Vertrag wurde nicht verlängert – kommt Ulf Hahn von der lauenburgischen Wirtschaftsförderung. Spätestens im Herbst wird dieser seinen neuen Job antreten, vielleicht auch schon früher. Bis dahin wird Hinselmanns Stellvertreter Georg Frank die Geschäfte der WAS führen.

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