Auch neues Semester im Corona-Modus

Stormarner Tageblatt  25.01.2021

Die Oldesloer Musikschule startet zunächst online ins neue Halbjahr und kämpft in der Pandemie ums Überleben

Die Oldesloer Musikschule startet zunächst online ins neue Semester. susanne rohde
Die Oldesloer Musikschule startet zunächst online ins neue Semester. susanne rohde

Susanne Rohde
BAD OLDESLOE Nicht nur die öffentlichen Schulen, auch alle Volkshochschulen und Musikschulen sind derzeit im „Online-Modus“: digitaler Fernunterricht anstatt persönlichem Präsenzlernen. Das stellt auch die Oldesloer Musikschule vor große Probleme, nachdem bereits im vergangenen Jahr nach einem Lockdown die Unterrichtsräume im Kultur- und Bildungszentrum nur für wenige Monate wieder geöffnet werden konnten. Das neue Frühjahrsprogramm startet jetzt erst einmal wieder im Shutdown mit Online-Unterricht zu Hause.

Musikschule versucht zu überleben
„Das ist eine absolute Herausforderung für uns. Wir sind in einem Überlebensmodus, wie so viele andere Vereine auch“, sagt Marian Henze. Der Musikschulleiter ist aber erleichtert, dass sich die coronabedingten Abmeldungen in Grenzen halten. So fiel der Schülerrückgang von sieben Prozent im vergangenen Jahr nur als kleiner „Knick“ recht gering aus. Zurzeit werden rund 1900 Schülerinnen und Schüler von 60 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet.
„Unsere Dozenten lassen sich gut auf den digitalen Unterricht ein. Fast 85 Prozent der Lehrer sind mit starken und alternativen Konzepten aktiv beim Online-Unterricht dabei, um ihre Schüler zu halten“, so Marian Henze, der selbst Gesang unterrichtet. Zwar gebe es jetzt erst einmal starke Einschnitte bei den Angeboten, die zurück gefahren werden mussten, aber es sind auch einige neue im Programm.
Das landesweite Projekt „Musikschule Digital“ (MS Digital) bringe viele neue Ideen und eine Aufbruchstimmung in den Unterricht. An der Oldesloer Musikschule gebe es dafür bereits elf iPads. „Wir starten demnächst ein Projekt zum Komponieren mit iPads, außerdem werden einige Fachlehrer über den Einsatz von Apps im Unterricht forschen“, erzählt Henze. „Die Apps und die Arbeit mit den iPads bleiben auch später ein fester Bestandteil im Präsenzunterricht“, betont der ausgebildete Tenor.

Hochwertige Technik angeschafft
Ideengeber im Team und Digitalbeauftragter der Musikschule ist Andy Limpio, der auch das neue Fach „Producing und Songwriting“ unterrichten wird. „MS Digital ist eine komplexe Sache, dadurch wird uns ein Riesenpool an Möglichkeiten gegeben. Ich sehe mich da als Botschafter, um meine Kollegen in die digitale Welt mitzunehmen“, sagt der Schlagzeug-Dozent und Musikpädagoge, der in einem Workshop seine Schüler dabei unterstützen will, eigene Songs zu komponieren und zu produzieren.
Für das Producing werden noch Dozenten gesucht, eine entsprechende Stelle ist schon ausgeschrieben. „Dafür haben wir viel neue hochwertige Technik angeschafft, um als Schule auch konkurrenzfähig zu bleiben“, betont Marian Henze. Die Mittel dafür kommen vom Land und aus einem Programm für die digitale Transformation in Schleswig-Holstein.
Eher ungewöhnliche Zupfinstrumente, die bei Dozentin Sibel Demirezen erlernt werden können, sind Baglama und Saz, die zur Gruppe der Langhalslauten gehören, vom Balkan bis Afghanistan verbreitet sind und unter anderem in der türkischen Musik gespielt werden. Die Musikpädagogin arbeitet seit November des vergangenen Jahres auch im Elementarbereich der Musikschule und möchte Interessierten das Spiel der türkischen Laute jetzt zunächst online nahe bringen.
Neu ist auch das Angebot für ein A-Cappella-Ensemble für Jugendliche und Erwachsene, das Henze aufbauen möchte, und für das man sich auch schon anmelden kann.
Alle anderen Veranstaltungen, Workshops, Konzerte und Ensembles stehen unter dem Vorbehalt einer Öffnung der Musikschule nach dem Lockdown. Das gilt auch für die Schule für Ballett & Tanz, die zwei großen Projekte im Juni und September in der Festhalle plant.
„Es ist nicht alles perfekt, aber wir machen das Beste draus. Und wir hoffen, dass wir unsere Musikschule am 24. April an einem Tag der offenen Türen wie gewohnt präsentieren können“, sagt Henze.

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