Betrachtungen zum Wochenausklang: Umweltsünden und beklatschte „Helden“

Stormarner Tageblatt  30.01.2021

Stormarner Wochenschau

Umweltsünden und beklatschte „Helden“

megi balzer
megi balzer

Patrick Niemeier und Volker Stolten
Verantwortung
Die Corona-Pandemie stellt alle Betroffenen vor Herausforderungen. Gerade dann wäre es gut, wenn die, die Verantwortung tragen, diese auch als solche erkennen. Einige Pflegeheimbetreiber gehen mit gutem Beispiel voran und verheimlichen größere Ausbrüche nicht, andere fürchten nur direkt einen Image-Schaden. Auf der anderen Seite werden Menschen zu „Helden“ ernannt oder beklatscht. Niemand, der seinen Job einfach sehr gut und verantwortungsvoll macht, ist eine Heldin oder ein Held. Das ist populistischer Kitsch, den manch Commuity-Manager in seine Facebook-Gruppe schreibt für ein paar Likes. Das ist wie Pokale aus dem Billigshop verleihen – wertlos . Ehrlicher wäre es, wenn man die betroffenen Berufsgruppen beim Kampf um faire Bezahlung und Arbeitsbedingungen unterstützt, ist aber halt anstrengender als klatschen oder eine Posting in Social Media

Die Axt im Wald…
Für die Bargteheider Stadtverwaltung war es eine routinemäßige Pflegearbeit für Anlieger, Naturschutzverbände und Lokalpolitiker war es das mitnichten, sondern vielmehr eine ungeheuerliche Baumvernichtung: Der Kahlschlag auf knapp 3500 m² Waldfläche am Bornberg Ende November 2020 hatte die Gemüter erhitzt und für Zündstoff gesorgt. Nun fanden eine Begehung am Krisenherd und Gespräche mit der unteren Forstbehörde statt. Die untermauert: Der Kahlschlag ging nach dem Landeswaldgesetz widerrechtlich vonstatten! Die Stadt müsse den Bereich wiederaufforsten. Bürgermeisterin Birte Kruse-Gobrecht lenkt ein und ist um Aufklärung des Sachverhalts bemüht. Die Gründe, die sie für diesen Baum-Faux-Pas angibt, scheinen allerdings etwas dünn zu sein: Die Stelle des Bauhofchefs sei vakant und die Ausführung der Maßnahme durch das beauftragte Unternehmen sei aus personellen Gründen nicht vor Ort begleitet worden. Aha! So einfach sollte man es sich dann doch nicht machen in der Stadt der Linden…

Eigene Regeln
Es ist eine Ironie der Geschichte, dass die, die betonen, dass sie müde von Corona seien und daher es nicht mehr so eng mit den Regeln nehmen, die sind, die mit verursachen könnten, dass der Shutdown länger anhält. Es ist absurd, wie diese Mitmenschen sich teilweise selbst die Regeln so drehen, dass sie immer für alle gelten,aber in dem Moment für sie halt nicht. Die „Müdigkeit“ oder dass man sich halt sonst dran immer halte, wird das Virus im Zweifel als Argumente nicht sonderlich beeindrucken.

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