Digitalisierung der Schulen wird teuer

Lübecker Nachrichten   05.02.2021

Schulträger werden für Personal- und Sachkosten viel mehr Geld ausgeben müssen

Von Dorothea von Dahlen

Andreas Schulze, Leiter der IT bei der Stadt Bad Oldesloe, berichtet über den Stand der Digitalisierung an den Schulen. Foto: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe. Server auf der Fensterbank oder auf Rollcontainern, Kabel quer durch den Raum gespannt – auf derartige Zustände stieß Olaf Otahal, Geschäftsführer der Firma Solution IT, an Oldesloer Schulen. Das Unternehmen unterstützt die Stadt dabei, die Digitalisierung voranzutreiben, damit überall technisch stabile Verhältnisse und gleiche Chancen auf ungestörten Unterricht herrschen. 150 000 Euro ist dafür bis dato ausgegeben worden. Der gesamte Prozess soll im Jahre 2024 abgeschlossen sein. Was in diesem Zusammenhang noch erledigt werden muss, stellte er den Mitgliedern des Bildungs-, Sozial- und Kulturausschusses jetzt vor.

Prekäre Ausstattung erzeugt Pannen

So laienhaft und riskant aufgebaute Konstruktionen, wie beim oben genannten Beispiel, seien extreme Ausnahmen gewesen, die bei der Besichtigung gleich ins Auge fielen, räumte Otahal ein. Mit der Umstrukturierung sei aber generell noch viel Arbeit verbunden. Denn es sei noch nicht idealtypisch aufgebaut. Nur wenn die Technik standardisiert werde, könnten Pannen, wie etwa der I-Serv-Absturz zu Beginn des Jahres ausgeschlossen werden. Nach den Ausführungen von Andreas Schulze, IT-Experte der Oldesloer Stadtverwaltung, besteht die Schwierigkeit darin, dass von Gebäude zu Gebäude unterschiedlich starke Leitungen vorhanden seien, sodass es oft einen Flaschenhals gebe, der die Geschwindigkeit drossele. „Deshalb braucht sich niemand wundern, wenn das I-Serv-Portal zu langsam ist“, erklärte er. All diese Mängel gelte es zu beheben.

Schulen sollen sich künftig nicht mehr mit IT befassen

„Über Jahre hinweg haben wir es geschafft, den Patienten am Leben zu erhalten, aber keine große Verbesserung herbeizuführen“, sagte Otahal. Die Kosten für diese Aufgabe bezifferte er auf mehrere Millionen. Ziel sei die Zentralisierung der digitalen Infrastruktur aller Schulen in einem IT-Container. Doch nicht nur das, künftig solle die Wartung und Betreuung der Technik ausschließlich in den Händen der Stadt liegen. „Sicherlich sollten die Schulen auch Wünsche äußern können. Aber das Land möchte nicht mehr, dass die Schule verantwortlich für IT ist, so wie es jetzt der Fall ist“, stellte Otahal klar. Auch andere Prozesse wie die Beschaffung einheitlicher Geräte sei künftig allein Sache des Schulträgers. Dadurch werde vermieden, 20 verschiedene Laptop-Fabrikate mit unterschiedlichen Standards zu administrieren. Als Beispiel nannte Otahal die selbstständige Anschaffung von Geräten an der Grundschule West. Letztlich hätte sich herausgestellt, dass sie gar nicht verwendbar seien. Günstig angeschaffte Laptops seien im Übrigen oft nicht mit einem Betriebssystem ausgestattet.

Stadtfraktion: Engagierte Lehrer könnten demotiviert werden

Tom Winter von der Stadtfraktion gab zu bedenken, dass dies engagierte Lehrer demotivieren könne, die sich bis dato darum gekümmert hätten, dass der Digitalunterricht funktioniere. Wie sehr sie sich sogar in ihrer Freizeit darum bemüht hätten, das habe er aus Gesprächen mit Schulleitern erfahren, gab Otahal an. Demzufolge hätten die Lehrkräfte das auch gern getan. Doch an der Theodor-Mommsen-Schule mit 1300 Schülern seien letztlich doch alle froh, diese zusätzliche Aufgabe abgeben zu können. Gleichwohl werde die Umstellung nicht von heute auf morgen passieren. Auch hätten die Lehrer Mitspracherecht bei den Beratungen. Doch es gab auch gute Nachrichten. So hatte die Stadt 158 000 Euro für die Sofortausstattung der Schulen erhalten. Die ersten 90 Geräte sollen demnach bald ausgeliefert werden. Derweil ist ein weiteres Förderprogramm schon auf dem Weg, aus dem 330 000 Euro zur Verfügung gestellt werden. Damit sollen die noch fehlenden 738 Endgeräte finanziert werden.

Mehrkosten für Schulträger

Deutlich wurde aber auch, dass auf die Stadt in Zukunft ein deutlicher finanzieller Mehraufwand zukommen wird. Denn nach den Ausführungen von Otahal ist der Schulträger künftig für die Ersatzbeschaffung zuständig, wenn Geräte verschleißen oder technisch veralten – nicht zu vergessen deren Ausstattung mit einer effektiven Anti-Viren-Software. „Für jedes Gerät muss bezahlt werden. Die Rechnung dafür geht in die Tausende“, sagte der IT-Experte. Zu Buche schlägt indes auch die Betreuung des gesamten IT-Bereichs. Wie Schulze ausführte, gibt es dafür derzeit 1,5 Planstellen bei der Stadt. Im Dezember wurden zwei weitere Vollzeitstellen geschaffen. Doch das sei nur eine dünne Personaldecke. „Drei Personen für sieben Schulen reichen nicht. In der Endstufe, wenn alles so läuft, wie es sein soll, brauchen wir doppelt so viel Personal“, sagte der IT-Experte voraus.

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