Kurpark: Oldesloer Seniorenbeirat stemmt sich gegen die Baupläne

Lübecker Nachrichten   05.02.2021

Die Erweiterungspläne für das Pflegeheim Riedel im Kurpark erregen in Bad Oldesloe die Gemüter – Der Seniorenbeirat ist strikt gegen das Vorhaben, er hat dafür vielfältige Gründe

Von Markus Carstens

Elke Wurtzel vom Oldesloer Seniorenbeirat im Kurpark. „Keine weitere Bebauung“, sagt sie. foto: Markus Carstens

Bad Oldesloe. Der Kurpark in Bad Oldesloe ist nicht nur das kleinste eingetragene Landschaftsschutzgebiet Schleswig-Holsteins, sondern für viele Bürger der Kreisstadt ein sehr sensibler Bereich. Das wird in der Diskussion um die Erweiterungspläne für das Haus am Kurpark der Pflegeheime Riedel GmbH deutlich. Das Unternehmen möchte mit einem Anbau auf rund 570 Quadratmetern 16 weitere Pflegeplätze schaffen. Außerdem soll ein für alle Bürger zugängliches Café inklusive öffentlicher Toilette entstehen.

Auf einer Sitzung des Wirtschafts- und Planungsausschusses Mitte Januar wurden die Pläne vorgestellt, zu einer Diskussion oder Abstimmung kam es aber noch nicht. Riedel hatte das Projekt bereits im vergangenen Jahr den Oldesloer Fraktionen vorgestellt. Klar gegen das Vorhaben hat sich der Seniorenbeirat der Stadt positioniert. Ausgerechnet, möchte man denken, doch das Gremium hat vielfältige Gründe gegen die Bebauung auf der relativ kleinen Fläche.

Gegen weitere Zersiedelung

„Wir sind natürlich nicht gegen neue Seniorenwohnanlagen in Bad Oldesloe“, stellt Beiratsvorsitzender Manfred Huppermann klar. „Wir sind aber gegen die weitere Zersiedelung des Kurparks und dessen Herausnahme aus dem Landschaftsschutz. Es könnten dann immer mehr Flächen angeknabbert werden, hier noch ein Stückchen und dort.“ Der Seniorenbeirat hat sich auf einer Sitzung einstimmig (acht Stimmen) bei einer Enthaltung gegen die Riedel-Pläne ausgesprochen, das Votum ist jedoch nicht bindend für die Stadtpolitik.

„Der Kurpark dient den Oldesloern seit jeher als Naherholungsgebiet. Ganz in der Nähe zur Innenstadt genießen sie das kleine, grüne Revier und finden Entspannung. Besonders in den jetzigen Zeiten können wir das beobachten. Daran wollen wir nichts ändern“, erläutert Elke Wurtzel, die einen zweiseitigen Antrag an die Oldesloer Stadtverordneten formuliert hat. Die pensionierte Lehrerin engagiert sich auch im Seniorenbeirat.

Kurpark wurde immer kleiner

Historisch handele es sich beim Kurpark um einen Ort, der einmal sehr bedeutsam war für die Stadt. Nahezu 200 Jahre lang genoss Bad Oldesloe den Ruf eines Kurbades. „Leider wurde der Kurpark im letzten Jahrhundert von seinen Rändern her immer wieder durch Bebauung dezimiert. Daher sollten für den Park keine weiteren Bauplanungen erfolgen, damit der gesamte Park auch weiterhin für die Bevölkerung zur Verfügung stehen kann“, erklärt Elke Wurtzel. Das Landschaftsschutzgebiet des Kurparkes dürfe nicht noch weiter verkleinert werden, weil es sonst vielleicht den Status eines solchen ganz verlieren könnte.

Auf der Sitzung des Wirtschafts- und Planungsausschusses sagte Bürgermeister Jörg Lembke dazu, dass der genaue Umfang und die damit verbundenen Konsequenzen einer Entlassung aus dem Landschaftsschutz mit dem Kreis abgestimmt werden müssten. Es solle im weiteren Verfahren und in enger Absprache mit der zuständigen Naturschutzbehörde beim Kreis erörtert werden, ob die Entlassung aus dem Landschaftsschutz sich lediglich auf das Vorhaben der Pflegeheime Riedel GmbH beziehen soll oder den gesamten nördlichen Bereich des Kurparks, also auch das Gelände des THC Bad Oldesloe, der Tribüne und dem Grillplatz einschließen soll. Das könnte auch den Sportverein wieder auf den Plan rufen, der ebenfalls schon seit Jahren auf der Suche nach mehr Platz ist.

Wald besonders geschützt

Für den Kurpark in Gänze sieht Bürgermeister Lembke indes keine Gefahr: „Das Waldgebiet untersteht besonderem Schutz, das hintere Areal mit Salzteich und Beste will niemand anfassen.“ Für Lembke ist der Kurpark ohnehin jetzt schon optisch zweigeteilt. Der vordere Teil werde ganz anders genutzt, dort gebe es die Tennisanlage, die Bühne, eine Boulebahn und nun auch eine Grillhütte. „Diese innerstädtische Grünfläche ist für Sport und Spiel geeignet.“

Die Erweiterungspläne von Riedel gebe es auch schon länger. „Ich schätze Riedel als Arbeitgeber und Steuerzahler sehr“, sagt Lembke. Letztendlich müsse das Für und Wider abgewogen werden, am Ende sei das eine demokratische Entscheidung der Politik.

Café und öffentliche Toilette

Der Seniorenbeirat führt als weitere Argumente gegen eine Bebauung an, dass ein Café an der Stelle gar nicht benötigt werde. Denn es gebe ja schon die Gaststätte des THC, außerdem könnte sich das nachteilig für Restaurants und Cafés in der Innenstadt auswirken. Eine öffentliche Toilette in dem Bereich sei zwar mehr als wünschenswert, „da ist aber die Stadt gefordert“, sagt Beiratsvorsitzender Manfred Huppermann. Die geplante Tiefgarage unter dem Erweiterungsbau könnte außerdem einen neuen verkehrlichen Gefahrenpunkt schaffen. Schlussendlich gehe auch die Sichtachse vom Bahnhof Richtung Kurpark auf die schönen Bäume verloren.

Am Ende geht das Projekt durch zwei Fachausschüsse, ehe abschließend die Oldesloer Stadtverordnetenversammlung entscheidet.

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