Bodenschwellen gegen Raserei

Stormarner Tageblatt  10.02.2021

Anwohner an der Düpenau kritisieren erhebliches Verkehrsaufkommen / Gefahr für Schulkinder und Radfahrer

Eine Einladung für Raser und Abkürzer? Anwohner sind verärgert über den zunehmenden Verkehr auf der Düpenau.  P. Niemeier
Eine Einladung für Raser und Abkürzer? Anwohner sind verärgert über den zunehmenden Verkehr auf der Düpenau. P. Niemeier

Patrick Niemeier
Bad Oldesloe Angst um Schulkinder und Radfahrer und genervt von Rasern und Transporter-Fahrern: Die Anwohner der Düpenau haben schon lange die Nase gestrichen voll von dem Verkehr vor ihrer Haustür. Denn obwohl nur wenige Wohnhäuser an der Straße des Oldesloer Stadtteils liegen, sei der Verkehr oft erheblich, betonen sie immer wieder. Im Internet kursieren auch diverse Beweis-Videos auf denen Fahrzeuge mit hoher Geschwindigkeit an ihren Häusern vorbeifahren.
Gerne werde diese als Verbindung zwischen Meddewade und dem Gewerbegebiet genutzt. Die Anwohner wünschen sich, dass das in Zukunft verboten wird. Ebenso wie die nächtliche Raserei, die unterbunden werden müsse. Wichtig sei es ihnen, dass eine Art Schrankensystem oder zumindest Durchfahrtsverbotsschilder den Zugang regeln.
Bürgermeister Jörg Lembke machte allerdings bereits mehrfach klar, dass eine solche Sperrung nicht zu vermitteln sei. Rechtlich sei diese nicht möglich und im Endeffekt auch nicht wirklich nötig, wenn man sich die Zahlen anschaue.

357 Fahrzeuge, aber nur sechs Grundstücke
Zwischenzeitlich erfolgte nämlich eine Verkehrszählung. Diese ergab, dass 357 Fahrzeuge täglich die Düpenau nutzen. Da es aber nur sechs Wohngrundstücke gebe, sei natürlich klar, dass das nicht alles Anwohner sein können. Es werde also deutlich, dass die Straße vermehrt für Durchgangsverkehr genutzt werde.
Allerdings sei aus dem Ergebnis keine besondere Gefahrenlage ableitbar. Das Gesamtverkehrsaufkommen werde als insgesamt immer noch verträglich für die Straße angesehen. Auch die Eröffnung des Amazon-Lagers habe die Situation nicht wesentlich verändert, heißt es aus der Stadtverwaltung. Eine Sperrung der Düpenau für den Durchgangsverkehr könne nicht erfolgen. Es sei auch keine reine Anwohnerstraße, sondern eine Gemeindestraße. Wie politisch bereits entschieden, sollen allerdings fünf Bodenschwellen eingebaut werden, um mögliche Raser von zu hohen Geschwindigkeiten abzuhalten. Anwohner der Düpenau sehen diese als „einen Schritt in die richtige Richtung“. Allerdings wollen sie miteinscheiden dürfen, wo diese verlegt werden. Der Bürgermeister sagte zu, dass sie dabei sein können und man vielleicht auch einen Ortstermin machen könne.
Aus dem Fachbereich war aber schon zu vernehmen, dass die Entscheidung darüber wo eine Bodenschwelle notwendig, sinnvoll und rechtlich zulässig sei, im Endeffekt bei den Profis liege. Es werde keine Abstimmung darüber geben, wer wo eine Schwelle haben möchte, weil es dafür klare Grundlagen gebe. Die Anwohner sehen die Schwellen ihrerseits nur als Zwischenmaßnahme. Sie fordern weiterhin die Umwidmung in eine Anliegerstraße. Außerdem sehen sie die Schwellen im Bereich der Wohnbebauung als zu wenig an. Man sorge sich um Radfahrer und Schüler. Die gesamte Straße müsse in eine 30-Zone verwandelt werden. Darauf müssten mehrere Schilder hinweisen. Auch Schilder mit dem Warnhinweis „Schulweg“ seien notwendig. Kinder würden momentan von Lieferfahrzeugen mit Tempo 80 überholt – das seien lebensgefährliche Situationen.
„Man kann nicht mehrere 30-Schilder hintereinander aufstellen. Das ist rechtlich nicht möglich. Auch Schulweg-Schilder können nicht beliebig an jeder Stelle platziert werden. Dafür gibt es klare Richtlinien“, sagt der Bürgermeister. Er sagte aber zu, die Situation zu überprüfen. Mit Amazon werde er erneut sprechen, damit das Unternehmen die Strecke möglichst komplett aus den Fahrplänen streiche. Wilfried Janson (Die Grünen) regte an, die Schwellen so einzubauen, dass Radfahrer ohne Weiteres noch neben der Schwelle fahren können. Autofahrer müssten trotzdem mindestens mit einem Reifen über die Schwelle, sodass der Effekt nicht verloren gehe. Auch darüber können man reden, sagte der Verwaltungschef. Der Einbau soll in naher Zukunft erfolgen.

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