Auf welchem Weg geht es ins Wohngebiet Rethwischfeld?

Lübecker Nachrichten   10.02.2021

Seit zwei Jahren protestieren die Anwohner gegen eine Anbindung der neuen Siedlung über die Straße Am Hausteich – Jetzt gibt es offenbar Alternativen

Von Dorothea von Dahlen

Das neue Wohngebiet in Rethwischfeld von oben: Die eingezeichnete Erschließung über Am Hausteich stößt auf Kritik der Anwohner.Foto: Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe/Rethwischfeld. Volles Haus in der Oldesloer Festhalle: Erstmals während des Lockdowns musste der Sitzungsdienst der Stadtverwaltung die Besucherzahl begrenzen. Umstrittene Themen hatten zahlreiche Bürger in den Wirtschafts- und Planungsausschuss gelockt. Die meisten kamen wohl aus Rethwischfeld, wo ein neues Wohngebiet entstehen soll. Erneut stand die Erschließung der Siedlung im Oldesloer Ortsteil mit all ihren Varianten auf der Tagesordnung.

Anwohner äußern Sicherheitsbedenken

Dass arge Bedenken gegenüber der ursprünglich im B-Plan-Entwurf 114 vorgeschlagenen Zuwegung ins Wohngebiet über die Straße Am Hausteich bestehen, hatten Beschwerdeführer aus den Reihen der Rethwischfelder schon des Öfteren dokumentiert. Um auf ihre Sicherheitsbedenken aufmerksam zu machten, hatten sie die Lokalpolitik zu Ortsbegehungen eingeladen und Bürgermeister Jörg Lembke eine Liste mit Unterschriften gegen das Projekt überreicht. Nun traten sie erneut auf den Plan, um ihrem Unmut Luft zu machen.

Lebhafte Fragestunde im Ausschuss

„Die Verwaltung hat es bis heute nicht für nötig gehalten, in einen Dialog mit den Anwohnern zu treten und ihnen darzulegen, wo die Reise eigentlich hingehen soll“, beschwerte sich Dirk Sommer. Auch Sönke Gerundt zeigte sich in der Fragestunde verärgert darüber, dass erneut über den B-Plan 114 beschlossen werden solle, ohne die Bürger einzubeziehen oder das Verkehrsgutachten abzuwarten, das die Stadt in Auftrag gegeben hat. Bei größeren Wohnbauvorhaben sei es üblich, auch neue Straßen für die Erschließung zu schaffen, wenn die vorhandenen nicht ausreichten. Im Straßen- und Wegegesetz sei ausdrücklich festgelegt, dass die Belange von Senioren, Menschen mit Behinderung und Kindern berücksichtigt werden müssten. Der Ansatz im B-Plan, dass Fahrzeuge im Begegnungsfall auf den Gehweg ausweichen dürfen, sei deshalb rechtlich nicht haltbar.

Dringender Bedarf an Wohnraum für Familien

Auf diese Beiträge und Sommers Anmerkung, dass südlich der Feuerwehr möglicherweise „Hochhausbauten in schlechtester Wohnlage entstehen“, meldete sich aber auch ein junger Oldesloer zu Wort. Er merkte an, dass Familien aus Bad Oldesloe sich sehr freuen würden, wenn das Gebiet schnell erschlossen werde. Denn für sie sei es relativ schwierig, Immobilien oder Grundbesitz zu erwerben, wenn sie nicht gerade groß geerbt hätten. Ein Haus unter 500 000 Euro zu finden, das nicht schon 20, 30 Jahre alt sei, sei inzwischen so gut wie unmöglich. Dass die Rethwischfelder keinen Geschossbau in ihrem Ort haben wollten, sei zu verstehen, aber soziales Wohnen bedeute auch, Familien zu unterstützen, die mit hohen Kita-Gebühren ohnehin stark belastet seien.

Verwaltung stellte Varianten zur Abstimmung

An die Kritiker gerichtet erklärte Angelika Müller, Leiterin der Planungsabteilung, dass die Verwaltung zu der rasch realisierbaren Erschließung über die Straße Am Hausteich durchaus Alternativen erarbeitet habe. Untersucht worden sei die Anbindung vom Ziegeleiweg, der allerdings auch eine Engstelle aufweise. In Betracht komme auch die Zuwegung aus westlicher Richtung, wenn es gelinge, ein Grundstück an der Alten Ratzeburger Landstraße zu erwerben. Dazu müsse aber auch eine Vorkaufsrechtssatzung erlassen werden. Als letzte Variante bestehe die Möglichkeit, die Ergebnisse der Verkehrsgutachter abzuwarten, die sich generell mit der Erschließung weiterer Siedlungen westlich des Baugebiets befassten.

Die Bedenken der Rethwischfelder fanden letztlich Gehör. Der südliche Zubringer kommt nun nicht mehr in Betracht. Mehrheitlich sprachen sich die Ausschussmitglieder dafür aus, das Wohngebiet entweder über die Alte Ratzeburger Landstraße oder über eine andere Variante von Westen aus zu erschließen, die sich zurzeit jedoch noch nicht darstellen lasse, hieß es. Zusätzlich soll auch das Verkehrsgutachten abgewartet werden.

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