Betrachtungen zum Wochenausklang: Probleme im Miteinander

Stormarner Tageblatt  13.02.2021

Stormarner Wochenschau

Probleme im Miteinander

Knöllchenvergabe unter Polizeischutz. Megi balzer
Knöllchenvergabe unter Polizeischutz. Megi balzer

Patrick Niemeier, Stephan Poost und Volker Stolten
Problem erkannt
In Bad Oldesloe gibt es ein Problem mit dem Auftreten der Außendienstmitarbeiter der Bußgeldstelle. Dieses Problem existiert, es lässt sich nicht wegschieben, nicht abstreiten und auch nicht wegdiskutieren. Das beweisen erneut zahlreiche Anrufe und Reaktionen auf einen Artikel, den wir in dieser Woche veröffentlichten. Eines ist an diesen Geschichten immer gleich: Es wird vor allem das Auftreten und die Kommunikation kritisiert. Daran muss man arbeiten. Diese Pflicht hat die Verwaltung, die ihre Mitarbeiter beschäftigt. Sie kann ihnen nicht nur den Rücken stärken und sagen, dass sie ja im Recht seien. Arroganz als Schutzmechanismus hilft da auch nicht weiter. Es scheinen aber verschiedene Rechtsphilosophien zu sein, die oft aufeinandertreffen. Das, was als „Abzocke“ beschrieben wird, sieht die Verwaltungsseite oft nur als „korrekte Auslegung des Rechts“. Doch dabei gibt es gleich mehrere Konflikte. Erstens soll die Verwaltung für die Bürger arbeiten und nicht gegen diese. Zweitens befreit diese Auslegung nicht vor menschlichem Fingerspitzengefühl. Offenbar müssen die Mitarbeiter dringend in diesem Bereich geschult werden. Betroffenen kann man nur empfehlen, sich immer wieder direkt bei der Verwaltung und beim Bürgermeister zu beschweren und sich aber auch auf den Parkplätzen selbst von den Mitarbeitern nicht mit einem „Ich rede mit Ihnen nicht“ abspeisen lassen, sondern Kritik direkt und höflich anzubringen, nach den Namen der Mitarbeiter fragen, den notieren und klar machen, dass man diesen Fall zur Überprüfung geben wird. Die Konfrontation freundlicher Art ist absolut gerechtfertigt und muss ausgehalten werden. Der eingeforderte Respekt funktioniert nämlich nur in beide Richtungen.

Gut reagiert
Eis und Schnee sorgen für große Probleme bei der Müllabfuhr. Anfang der Woche schafften es die schweren Fahrzeuge kaum, die kleinen und nicht geräumten Straßen zu befahren. Und auch für die Müllwerker, wurde der Arbeitstag immer länger, auch deshalb, weil Gehwege nicht geräumt oder Mülltonnen eingeschneit waren. Natürlich beschwerten sich die Kunden und die Abfallwirtschaft reagierte schnell: Die betroffenen Kunden dürfen zum nächsten Abholtermin einen Müllsack zusätzlich an die Straße stellen. Sehr kulant von den Entsorgern aus Elmenhorst, wenn man mal davon ausgeht, dass es die Grundstückseigentümer und Kommunen sind, für die eine Räumpflicht bei Eis und Schnee besteht.

Hätte, wenn und aber…
Es war einmal ein prachtvoller Bau, der dem Schuhmacher Johann Hinrich Suck samt Familie als angenehmer Unterschlupf diente. In der reetgedeckten Fachwerkskate wurden die Probleme einfacher Leute gelöst und Anliegen des Gutsbesitzers verhandelt. Denn Suck war obendrein von 1894 bis 1923 Gemeindevorsteher des Dorfes Glinde. Viele Jahre blieb die Kate von 1855 in Familienbesitz. Doch als 2011 die letzte Bewohnerin, eine Enkelin des „ollen Suck“, verstarb, änderte sich das Blatt. Die Erben verkauften das Kulturgut an einen Bauunternehmer aus Bergedorf. Denn der Stadt, die ein Verkaufsrecht besaß, war der Kaufpreis zu hoch. Im Nachhinein betrachtet wohl die falsche Entscheidung. Denn seit dem Verkauf an den Hamburger befindet sich das gesamte Areal im Dornröschenschlaf mit Albträumen. Der Eigner hat zwar versprochen, alles zu sanieren. Doch von 2012 bis heute ist nicht wirklich etwas passiert. Eines der Vorzeige-Objekte der Stadt verkümmert immer mehr. Die Stadt Glinde ist zwar weiterhin in Gesprächen mit dem Hamburger Geschäftsmann. Aber nach fast zehnjährigem Hickhack sollten die allmählich mal fruchten. Es wird Zeit, dass den Worten Taten folgen. Sonst ist die Suck’sche Kate bald wirklich nur noch Geschichte.

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