Notbetreuung mit Konzept: Erst Unterricht, dann Spielen

Lübecker Nachrichten   12.02.2021

Knapp 200 Kinder sind aktuell in der Notbetreuung der vier Oldesloer Grundschulen – Die Sechs- bis Elfjährigen fühlen sich gut aufgehoben – Betreuer sind kreativ

Von Sandra Freundt

Bad Oldesloe. Ihre Eltern arbeiten in der Krippe, als Krankenschwester, im Drogeriemarkt oder als Altenpfleger, also in Zeiten der Pandemie in systemrelevanten Berufen. Daher dürfen diese Erst- bis Sechstklässler in die Notbetreuung. An den vier Oldesloer Grundschulen sind es knapp 200 Kinder, die dieses Angebot in Anspruch nehmen können. Sie genießen ihre Notbetreuung, denn sie ist alles andere als ein „Verwahren der Kinder“ – ein Vorwurf, der in allen vier Grundschulen von den betroffenen Mädchen und Jungen sowie dem Betreuungspersonal widerlegt wird. Alle Leitungen der vier Schulen haben Konzepte entwickelt, welche die Aufgabenunterstützung ebenso umfassen wie ein Spiel-, Bastel- und Bewegungsangebot und bei denen sich die Schüler und Schülerinnen gut umsorgt fühlen.

Erst die Arbeit,  dann das Vergnügen

In allen vier Lerninstituten beginnt der Vormittag zunächst mit dem Unterricht oder dem Bearbeiten der von den jeweiligen Lehrkräften über Distanz gestellten Aufgaben. Die maximal zehn Kinder umfassenden Gruppen sind zwar nicht klassenkonform, wohl aber alle aus einem Jahrgang. „Da der Lehrstoff daher ja ähnlich ist, behandele ich immer ein besonderes, aber alle betreffendes Thema wie beispielsweise die Fütterung von Vögeln im Winter und unterstütze anschließend die Kinder bei ihren jeweiligen Aufgaben“, berichtet Christiane Schutt, die an der Stadtschule Schülerinnen und Schüler der ersten Stufe betreut.

Die einzelnen Gruppen haben dabei eine große Pause im Freien, allerdings nicht zeitgleich und auf verschiedenen Bereichen des Schulhofs. Nach dem „Pflichtteil“ gibt es ein Spiel-, Bastel- und/oder Sportangebot. „Aus hygienischen Gründen dürfen wir zwar die Halle nicht nutzen und auch Kontaktsport ist untersagt, doch ist der Yoga-Raum bei uns groß genug, um dort in kleinen Gruppen Übungen zu machen“, erzählt Christiane Schutt.

Begeistert von dem Programm zeigen sich auch ihre Gruppenkinder: „Das Angebot ist nie langweilig und ich habe schon einen neuen Freund hier gefunden“, sagt Joris strahlend. Der Siebenjährige ist auch oft in der Lego-Ecke zu finden. Das Basteln mit Bügelperlen steht bei Zoey (7) ganz hoch im Kurs. Lotte (7) nutzt nicht nur die Spiel- und Sportangebote, sondern ist auch gern in der Betreuung, weil sie oft all ihre Aufgaben schon fertig hat, wenn sie nach Hause kommt und dann im heimischen Garten herumtollen kann.

Täglich neue Bastelangebote

„Man muss sich aber davon freimachen, dass grundsätzlich alle Kinder all ihre Aufgaben am Vormittag schaffen“, betont Sascha Plaumann, Leiter der Schule am Masurenweg (SaM). Von der zweiten bis zur vierten Stunden ist dort „Arbeitszeit“, dabei sind Lehrkräfte vor Ort und geben auch Hilfe beim Distanzunterricht. Anschließend geht es in die Betreuungsräume, in denen bei den Erstklässlern Bärbel Lippke schon mit einem Bastelangebot auf die Kinder wartet. „Heute bekleben wir Dosen fürs spätere Dosenwerfen“, erklärt sie. Leni, Etienne, Kyra, Benjamin, Mika und Paul sind eifrig und sehr konzentriert bei der Sache.

An anderen Tagen wurden schon Tulpen für die Fenster sowie weitere Dekoartikel gefertigt. Auch eine Draußenzeit gibt es natürlich, auch hier hat jede Gruppe ihren eigenen Pausenbereich. „Wir haben auch schon einen Schneemann gebaut“, erzählen die Kinder. Ein großes Regal voller Brettspiele und Puzzles, eine gemütliche Kuschel- und Lese-Ecke, ein Puppenhaus, ein Kaufmannsladen und vieles mehr laden zum freien Spielen am Nachmittag ein. „Da brauchen die Kinder gar keine Anleitung“, berichtet Bärbel Lippke.

Gleiches haben auch die Betreuer an der Klaus-Groth-Schule (KGS) festgestellt: „Sobald die Kinder auf dem Schulhof sind, entwickeln sie für sich schon Spielideen“, sagen sie.

Ein Spiel- und Bastelangebot gibt es indes in den Räumen der Oase, die im Anbau der KGS ein eigenes Reich hat. Ein beleuchtetes Glas hat Mika (8) schon gefertigt. Ein Glas beklebt, mit Perlen gefüllt und so zur Vase umfunktioniert, hat Ida (8). Auch Anton, (9), Paula (8) und Jukka-Fin (8) nehmen an den Bastelaktionen regelmäßig teil.

Absprachen klappen inzwischen sehr gut

Anfangs etwas holprig gestaltete sich an der KGS dagegen die morgendliche Bearbeitung der Hausaufgaben. „Die Kinder mussten sich erst daran gewöhnen, dass sie plötzlich bei und mit uns von der Betreuten Grundschulzeit ihre Aufgaben machen, wo sie doch sonst nur Spiel und Spaß bei uns haben“, sagt Birgit Freimann.

Die Leiterin der KGS-Betreuung freut sich aber, dass jetzt alles gut läuft. „Wir sind im ständigen Austausch mit den Lehrkräften und durch diese Zusammenarbeit funktioniert das Konzept jetzt sehr gut“, bestätigen Andrea Kefrig-Blase von der Oldesloer Oase und Kathrin Albers, kommissarische Leiterin der KGS. Das Team mit 17 pädagogischen Mitarbeitern und zwei Vertretungslehrkräften betreut die Jungen und Mädchen an der KGS und GS West.

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