Stadtwerke bauen eigenen Windpark

Lübecker Nachrichten   14.02.2021

Die Stadtwerke Bad Oldesloe entwickeln im Ortsteil Schadehorn einen Windpark mit vier Anlagen – Die Investitionssumme liegt im zweistelligen Millionenbereich

Von Markus Carstens

Die Projekt-Verantwortlichen: Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Fahl (links) und Projektleiter Thorge Muschiol.  Fotos: Markus Carstens

Bad Oldesloe. Plötzlich tauchten 2018 die Flächen im Oldesloer Ortsteil Schadehorn wieder als Windkraft-Vorranggebiet im Regionalplan des Landes auf. Landwirte wie Bernd Strehl waren damals selbst überrascht, wurden aber umgehend von Windfirmen überrannt, die das Areal entwickeln wollten. Auch die Stadtwerke Bad Oldesloe wurden von der Politik ins Rennen geschickt – und bekamen nach umfangreichen Verhandlungen als regionaler Energieversorger schlussendlich den Zuschlag.

„Ein sehr spannendes Projekt, auf das wir als Stadtwerke schon jetzt stolz sind“, sagt Geschäftsführer Jürgen Fahl. Rund 17 Millionen Euro sollen investiert werden für „das positive Beispiel, wie man Ökologie und Ökonomie zusammenführen kann“, sagt Fahl. Denn die Stadtwerke machten das ja nicht aus Profitgier; der erwirtschaftete Überschuss bleibe in der Region, könne zum Beispiel für Schulen oder Kitas in Bad Oldesloe verwendet werden. Fahl: „Das hat wohl auch die Eigentümer der Flächen überzeugt, den Stadtwerken den Zuschlag zu erteilen.“

Windmühlen sind 180 Meter hoch

Das zweigeteilte Areal gehört insgesamt fünf Landwirten. Vier Windkraftanlagen mit einer Höhe von jeweils 180 Metern sollen ab 2022 Strom produzieren, für die Besitzer der Flächen gibt es jeweils eine erfolgsabhängige Pacht. Und warum fünf Grundstückseigentümer bei nur vier Windmühlen? „Berechnet werden bestimmte Radien um die Anlagen herum“, erklärt Thorge Muschiol, der gerade erst bei den Stadtwerken als Projektleiter eingestellt worden ist. Und dann kann schon mal ein Landwirt profitieren, auf dessen Feld gar keine Windkraftanlage steht.

Die Investitionssumme beinhaltet neben der Anlieferung, Aufstellung und Inbetriebnahme der vier Windenergieanlagen auch die Herrichtung der zugehörigen Wege und Stellflächen im Windpark, den Anschluss des Windparks an das öffentliche Stromnetz sowie diverse Planungs- und Gutachterkosten, unter anderem für biologische Gutachten, Wind-, Schall- und Schattenwurfgutachten. „Auch Kosten für ökologische Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen sind in der Investitionsmaßnahme enthalten“, erläutert Jürgen Fahl. Die Firma Enercon werde die Anlagen liefern, aufstellen, in Betrieb nehmen und auch warten. Am eigentlichen Betrieb werde der Windanlagenbauer nicht beteiligt sein.

Alle Anlagen auf Oldesloer Gebiet

Nach aktuellem Planungsstand werden die vier Windenergieanlagen alle vom gleichen Typ sein, über eine Nabenhöhe von 111 Metern und eine Gesamthöhe (Flügelspitzenhöhe) von rund 180 Metern verfügen. Sie stehen dann verteilt im sogenannten Vorranggebiet (siehe Grafik, dort rot karierte Flächen). Je zwei Anlagen sollen in den beiden Teilflächen stehen. Auch wenn Schadehorn dicht an der Nordstormarner Gemeinde Feldhorst liegt, werden alle Windmühlen auf dem Gebiet der Stadt Bad Oldesloe errichtet. Die genauen Standorte der Anlagen stehen noch nicht endgültig fest, sie sind auch Gegenstand des bevorstehenden Genehmigungsverfahrens nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz.

Anlagen könnten theoretisch 40 000 Bürger versorgen

„Den Genehmigungsantrag werden wir voraussichtlich noch in diesem Monat beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume einreichen“, sagt Geschäftsführer Fahl und hofft, dass dann der Bau noch im Sommer 2021 beginnen kann. Die Inbetriebnahme sei für das Frühjahr 2022 vorgesehen. Die Nutzungsdauer soll mindestens 25 Jahre betragen.

Die vier Anlagen werden eine Leistung von je 4,2 Megawatt haben, der gesamte Windpark also 16,8 Megawatt. „Wir rechnen mit einer durchschnittlichen Stromproduktion des Windparks von etwa 40 Millionen Kilowattstunden pro Jahr“, erklärt Jürgen Fahl. Bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch eines privaten Drei-Personenhaushaltes von rund 3000 kWh pro Jahr könne der neue Windpark Schadehorn also mehr als 13 300 Privathaushalte versorgen.

Theoretisch könnten die vier Anlagen 40 000 Bürger mit Strom versorgen. Der Strombedarf der gesamten Stadt Bad Oldesloe liegt jedoch bei circa 90 Millionen Kilowattstunden pro Jahr, denn zu den Privathaushalten kommen ja Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen. Jürgen Fahl: „Zum Beispiel Kläranlagen, Straßenbeleuchtung oder Krankenhäuser verbrauchen schon eine Menge Strom.“

7,5 Kilometer langes Kabel zum Umspannwerk

Der Windpark wird mit einem neuen, etwa 7,5 Kilometer langen Mittelspannungskabel direkt an das Umspannwerk der Trave Netz GmbH in der Sehmsdorfer Straße auf der 20-Kilovolt-Ebene angeschlossen. Von dort wird der Strom ins allgemeine Netz eingespeist. Dieses Umspannwerk sorgte zuletzt für Diskussionen, da es Strom von Oldesloer Solaranlagen mangels Kapazitäten nicht aufnehmen konnte.

Das Umspannwerk soll daher noch in diesem Jahr umgebaut werden. Jürgen Fahl: „Den Einspeiseantrag für den Windpark haben wir bei der Trave Netz gestellt. Noch haben wir keine verbindliche Anschlusszusage erhalten. Unser Projekt ist dort aber bereits seit langem bekannt, so dass ich hoffe und davon ausgehe, dass wir eine rechtzeitige Einspeisezusage bekommen werden.“

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